Irresistible - Unwiderstehlich

Komödie | USA 2020 | 103 Minuten

Regie: Jon Stewart

Um die republikanische Dominanz in der US-Provinz zu erschüttern, reist der Wahlkampfkoordinator der Demokraten aufs Land, wo er einen rebellischen Ex-Colonel bewegen will, als Kandidat gegen den amtierenden Bürgermeister anzutreten. Doch auch die Republikaner mobilisieren ihre beste PR-Managerin, um den Präzedenzfall einer republikanischen Niederlage abzuwenden. Eine als Satire angelegte, mit zwei versierten Comedians trefflich besetzte Komödie auf das US-amerikanische Wahlkampfgeschäft. Allerdings bleiben die Spitzen gegen die Politik zu oberflächlich und die Pointe zu unglaubwürdig, um dem politischen Zündstoff der Story Genüge zu tun. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
IRRESISTIBLE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Jon Stewart
Kamera
Bobby Bukowski
Musik
Bryce Dessner
Schnitt
Jay Rabinowitz · Mike Selemon
Darsteller
Steve Carell (Gary Zimmer) · Rose Byrne (Faith Brewster) · Chris Cooper (Jack Hastings) · Brent Sexton (Bürgermeister Braun) · Will Sasso (Big Mike)
Länge
103 Minuten
Kinostart
06.08.2020
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie

Eine als Satire angelegte Komödie auf den US-Wahlkampf, in der sich die jeweiligen PR-Koordinatoren der beiden US-Parteien in der Provinz ein Scharmützel liefern.

Diskussion

Nichts ist so süß wie der Sieg. Für wen und warum, ist doch egal. Hauptsache siegen! Gary Zimmer (Steve Carell) ist gut darin, doch als Wahlkampfkoordinator für die Demokraten hat er einen schweren Stand. Besonders in der Provinz wählen alle Republikaner, komme, was wolle. Doch die Rede des Ex-Marine-Colonels Jack Hastings (Chris Cooper) vor dem tiefrepublikanischen Stadtrat von Deerlaken, Wisconsin, erscheint ihm wie eine Offenbarung. Der parteilose Hastings, der da auf dem Handyvideo zu sehen ist, hält eine ebenso beiläufige wie treffende Rede über die von Politikern gerne populistisch missbrauchten Probleme mit Einwanderern.

Dieser Hastings könnte als demokratischer Kandidat fürs Bürgermeisteramt genau jenes Steinchen sein, um das republikanische Bollwerk im Mittleren Westen zum Einsturz zu bringen. Deshalb reist Zimmer persönlich in das kleine Kaff, um den Colonel auf seine Seite zu bringen. Das könnte sogar klappen, denn der Polit-Profi weiß sich in der Kleinstadt schnell Freunde zu machen und bandelt sogar mit Hastings’ Tochter Diana an.

Von Kühen und anderen Rindviechern

Doch sein Plan wird durchkreuzt, als Faith Brewster (Rose Byrne) mitsamt ihrer Mannschaft in Deerlaken einfällt. Sie ist Zimmers republikanisches Alter Ego, seine liebste Hassfeindin und Sieg-Verhinderin, die dem favorisierten Bürgermeister Braun (Brent Sexton) im Auftrag der Republikaner die Wiederwahl sichern helfen soll. Und so werden zwischen Kühen und anderen vermeintlichen Rindviechern die Säbel gewetzt, als gäbe es kein Morgen.

„Nichts ist so, wie es scheint!“, lautet eine beliebte Prämisse in Filmen, die mit ihrem Sujet nicht klarkommen und daher im Finale mit Kapriolen aufwarten, die das bisher Gesehene glatt auf den Kopf stellen. Dass „Irresistible – Unwiderstehlich“ das Publikum dabei für dumm verkauft, wäre allerdings ein zu strenges Urteil, doch „flunkert“ der Film im ersten Drittel derart offensichtlich, dass man die Auflösung des Showdowns unmöglich erahnen kann.

Vielleiht sollte man das alles nicht so eng sehen und den Film von Regisseur Jon Stewart über das (Provinz-)Wahlvolk als Stimmvieh als kleine, stimmig besetzte Satire nehmen. Allerdings spielte auch eine Komödie wie „Willkommen bei den Sch’tis“ ziemlich brachial mit den Vorurteilen gegenüber einer einfältigen Provinz. Doch wo es Dany Boon gelingt, Lebens- und Liebenswürdigkeit der nordöstlichen Region plastisch zu vermitteln, bleiben die Figuren in Deerlaken blass und an der Oberfläche. Fürs Leben, Lieben und Hassen sowie die genüsslichen Machtspielchen auf Kosten des Dorfes ist ja das trefflich aufspielende Comedy-Duo Steve Carell und Rose Byrne da, das sich allerdings seltsam abgebremst bekriegt. Für physisch ausufernde oder psychisch perfide Schlachten à la „Der Rosenkrieg“ ist Jon Stewart das Thema der „Wählerbeeinflussung“ dann doch einen Hauch zu wichtig, um eine ausufernde Komödie daraus zu machen.

Nicht mehr als ein gespielter Witz

Das ist eigentlich schade, denn ein kräftiger Schuss „over the top“ hätte „Irresistible - Unwiderstehlich“ einen Mehrwert verschafft. Doch Jon Stewart ist kein unehelicher Bruder von Peter und Bobby Farrelly, sondern ein seriöser Late-Night-Show-Host und Stand-up-Comedian – und zu unerfahren in Spannungsbögen, die über einen gespielten Witz hinausgehen. Für eine Komödie ist „Irresistible – Unwiderstehlich“ zu ernsthaft, und für ein Drama mit absurdem Einschlag wie etwa Gus Van Sants „Promised Land“ doch zu oberflächlich. So blitzt nur episodenhaft das Potenzial auf, das im Idealfall eine grandiose Farce oder eine bittere Politsatire ergeben hätte.

Aus Stewarts Sicht der Dinge kann man nur eines, das aber mit Verwunderung ziehen: An all den Rentnern, Farmern und Kellnerinnen in Deerlaken sind große, sehr disziplinierte Schauspieler verloren gegangen. Nichts ist eben so, wie es scheint!

Kommentar verfassen

Kommentieren