Cursed - Die Auserwählte

Fantasy | USA 2020 | Minuten

Regie: Jon East

Eine Variation der Artus-Sage, die die Sagengestalt Nimue ins Zentrum stellt und ihr ein emanzipatirisches Update verpasst: Im Britannien des frühen Mittelalters verbreiten rote Paladine, ein fanatischer Krieger-Orden, gewaltsam das Christentum und drohen die natur- und magieverbundenen Fey auszurotten; König Uther sieht dem tatenlos zu. Nach der Vernichtung ihres Dorfs durch die Paladine bekommt die junge Fey Nimue von ihrer sterbenden Mutter ein sagenhaftes Schwert überreicht, das sie dem Zauberer Merlin bringen soll. Im Lauf dieser abenteuerlichen Mission entwickelt sie sich indes selbst zur Anführerin und führt das Schwert, um ihr Volk zu retten. Da die Waffe im Fokus von allerlei Interessen steht, verwickelt sich Nimue dabei immer tiefer in die blutigen Intrigen und Machtkämpfe ihrer Zeit. Die Showrunner Frank Miller und Tom Wheeler, die den Stoff parallel zur Serie auch in Form eines illustrierten Romans entwickelt haben, nutzen die Artus-Sagen als Steinbruch, um daraus in Kombination mit Anlehnungen an andere Fantasy-Stoffe und mit historischen Elementen ein buntes "Sword and Sorcery"-Epos mit an die "Diversity"-Ansprüche der Gegenwart aufgefrischtem Figurenensemble zu machen. Als solches unterhält die Serie souverän, lässt angesichts der Fülle an Konfliktlinien und Figuren aber kaum Zeit, einzelne Figuren wirklich zu entfalten, sodass diese im Ganzen etwas schematisch wirken. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
CURSED
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Jon East · Daniel Nettheim · Zetna Fuentes · Sarah O'Gorman
Buch
Frank Miller · Tom Wheeler
Kamera
James Friend · Damian Bromley
Schnitt
Crispin Green · Steve Singleton
Darsteller
Katherine Langford (Nimue) · Devon Terrell (Arthur) · Gustaf Skarsgård (Merlin) · Peter Mullan (Pater Carden) · Sebastian Armesto (Uther Pendragon)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Fantasy | Historienfilm | Serie

Eine Variation der Artus-Sage, die die Sagengestalt Nimue ins Zentrum stellt und ihr ein emanzipatirisches Update verpasst. Als Showrunner der Fantasyserie fungieren Frank Miller und Tom Wheeler, die den Stoff parallel zur Serie auch in Form eines illustrierten Romans entwickelt haben.

Diskussion

Aus weiblicher Perspektive sind Identifikationsfiguren in den Artus-Dichtungen eher dünn gesät: Während die Ritter der Tafelrunde verwegene Abenteuer erleben, sind die meisten Frauenfiguren wie Königin Guinevere, Elaine von Astolat oder Enide in ihrer Beschränkung auf tragische Liebes-Händel schlicht etwas langweilig. Am attraktivsten sind mit Abstand noch die magischen Damen aus dem Dunstkreis von Avalon, und so wundert es nicht, dass Marion Zimmer Bradley 1982 für ihren Fantasyroman „Die Nebel von Avalon“ die Figur der Zauberin Morgan le Fay in den Mittelpunkt stellte, um aus ihrer Perspektive den Artus-Mythos feministisch umzuinterpretieren. Autor Tom Wheeler und Comic-Künstler Frank Miller („300“) verpassen in „Cursed – Die Auserwählte“ nun der Figur der „Herrin vom See“, Nimue, ein ähnliches emanzipatorisches Update: Warum das Schwert Excalibur nur hüten und an Königsanwärter überreichen, wenn frau die mächtige Waffe auch selbst führen kann?

Eine parallel als Serie und als Roman entwickelte Variation des Sagenstoffs

Die Macher haben „Cursed“ parallel als Serie und als von Wheeler geschriebenen, von Frank Miller illustrierten Roman entwickelt; letzterer ist im Frühjahr 2020 in deutscher Übersetzung im Fischer-Verlag erschienen. Während Millers Illustrationen im Buch mit ihren kantigen Formen und martialischen Körper-Bildern so aussehen, dass man sie sich verfilmt unweigerlich in einem „Conan der Barbar“-Look vorstellt, kommt die Serie (in die immer wieder kleine animierte Sequenzen als Szenenübergänge eingeflochten sind) visuell romantischer, ornamentaler daher – bei der von Katherine Langford dargestellten Nimue mit ihren langen, braunen Locken, ihren weichen Gesichtszügen und blauen Gewändern scheint von fern noch Edward Burne-Jones’ berühmtes Gemälde der Figur durchzuschimmern.

Ansonsten ist die Story in beiden Medien bis auf einige Verschiebungen und Ergänzungen/Auslassungen ähnlich entwickelt – im Roman dramaturgisch noch etwas geschickter als in der Serie, in der etwa das Einbauen von Vorgeschichten mittels Rückblenden schwerfälliger und den Erzählfluss hemmender ausfällt als entsprechende Erinnerungs-Passagen im Roman; außerdem erlaubt sich die Serie einige Ausschmückungen, die etwas zu Lasten der Stringenz gehen.

Uther Pendragon, Fey, rote Paladine und Wikinger

In beiden Medien benutzt Tom Wheeler den Artus-Stoff, dessen historischen Rahmen und diverse Elemente anderer Fantasy-Geschichten großzügig als Steinbruch für eine Fabel um Machtgier, blutige Gemetzel, Magie und Liebe. Ähnlich wie „Die Nebel von Avalon“ erzählt auch „Cursed“ von einem keltisch-mythischen Großbritannien, in dem neben den Menschen sogenannte „Fey“ heimisch sind, und von einer gewaltsamen Zeitenwende im Zuge der fortschreitenden Christianisierung: Fanatische Vertreter der neuen Religion, in „Cursed“ eine brutale Armee sogenannter „Roter Paladine“ (herrlich fanatisch-fies angeführt von Peter Mullan), wollen das Heidentum ausmerzen und die Fey, das naturverbundene, teils magiebegabte Fantasy-Pendant indigener Völker, ausrotten.

König Uther Pendragon (Sebastian Armesto) macht derweil keine Anstalten, seinen Untertanen gegen die Paladine zu Hilfe zu kommen, denn er fühlt seinerseits seinen Thron wackeln: Die Serienmacher lassen hierfür historisch etwas verfrüht, aber sehr malerisch die Wikinger einfallen und Uthers Thronanspruch in Frage stellen, anstatt die eigentlich im Artus-Stoff verarbeitete Bedrohung des kelto-romanischen Britanniens durch die Angelsachsen zu thematisieren. Uthers Berater Merlin (Gustaf Skarsgård), einstmals ein mächtiger Zauberer, nun aber ein heruntergekommener Trinker, ist nur noch ein Schatten seiner selbst und gilt den Fey als Verräter.

Heldenreise mit weiblicher Hauptfigur und dunkelhäutigem Arthur

In dieser Krise bekommt eine junge, mit übersinnlichen Kräften begabte Fey namens Nimue, als ihr Dorf von den Paladinen vernichtet wird, von ihrer sterbenden Mutter ein geheimnisvolles Schwert anvertraut. Damit ist der Anfang für eine weibliche Heldenreise gelegt, in deren wendungsreichem Verlauf Nimue von der Außenseiterin zu einer Anführer-Figur heranreifen wird. Zu ihrem wichtigsten Gefährten und „love interest“ wird dabei ein attraktiver, dunkelhäutiger Söldner namens Arthur (Devon Terrell), Spross eines heruntergekommenen Ritters.

Das Schwert, das Nimue führt, macht sie indes nicht nur kampfstark, sondern auch zur Zielscheibe unterschiedlicher Interessen, die Excalibur für sich selbst beanspruchen. Und hat vielleicht auch das Schwert selbst, ähnlich wie Tolkiens Ring der Macht, einen eigenen, dunklen Willen? Das behauptet zumindest Merlin, der von den Ereignissen aus seiner trunkenen Apathie aufgerüttelt wird.

Die Figuren- und Motivfülle ist Segen und Fluch zugleich

Rund um diesen Erzählkern webt „Cursed“ einen bunten Figurenkosmos – was sich für die Serie gleichermaßen als Segen und als Fluch entpuppt. Als Segen, weil die Macher, unterstützt vom Production Design, einen Haufen wahrlich pittoresker und interessanter Gestalten auffahren: angefangen bei unterschiedlichen Stämmen der Fey über die punkig anmutenden Wikinger bis hin zu sogenannten „Shadow Lords“, einer Schattenvereinigung von Magiern, die noch ein Hühnchen mit Merlin zu rupfen haben. Neben dem Zauberer, Nimue und Arthur kommen noch Sagen-Figuren wie Morgana, der Grüne Ritter, Lancelot und Parzival in gegenüber den Dichtungen stark modifizierter Form ins Spiel; intrigiert und gekämpft wird jeweils nicht nur zwischen Paladinen, Fey, Wikingern und dem Hof von König Uther, sondern auch innerhalb der einzelnen Parteien gibt es allerlei Reibungen und Ränke. Und selbst bei den übersinnlichen Kräften wird es etwas unübersichtlich, wenn neben den sogenannten „Verborgenen“, den hilfreichen Göttern der Fey, auch noch Dämonen ins Spiel kommen.

So ist das ganze Kuddelmuddel denn auch letztlich der Fluch der Serie: Die Macher haben so viel an Charakteren, Motiven und Nebenhandlungen in die zehn Folgen von Staffel 1 gesteckt, dass die einzelnen Figuren oft zu wenig Raum haben und ihre diversen Konflikte und Entwicklungen nur reichlich schematisch abgehandelt werden. Sei es Nimues Ringen mit ihrer Mission, sei es ihre von Missverständnissen torpedierte, sich anbahnende Liebe zu Arthur, seien es die Macht-Querelen – das alles entwickelt in seiner Oberflächlichkeit nur wenig schöpferisches Eigenleben, sondern variiert lediglich souverän bekannte Genre-Standards in einer in Sachen „Gender“ und „Race“ an zeitgemäße Diversity-Ansprüche angepassten Form.

Am interessantesten ist noch die Figur des Merlin, einer der wenigen Charaktere, die nicht von Anfang an als gut oder böse durchschaubar sind: In seiner Gebrochenheit durch die Last eines viel zu langen Lebens, beladen von zu viel Schuld und Verlust, ist er zugleich die menschlichste Figur als auch diejenige, die am ehesten mythische Qualitäten entwickelt.

Literaturhinweis:

Der Roman "Cursed - Die Auserwählte" ist als Hardcover und E-Book erschienen im Fischer Verlag. die Hardover-Ausgabe (470 Seiten, gebunden, mit zahlreichen schwarz-weißen und bunten Illustrationen von Frank Miller) kostet 24 EUR, die E-Book-fassung 16,99 EUR.

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