Serie | USA 2020 | Minuten

Regie: Tom Marshall

Ein Football-Coach aus Kansas, der bisher US-College-Mannschaften trainiert hat, wird als Trainer einer Londoner Profi-Fußballmannschaft nach England geholt - obwohl er kaum Ahnung von dem Sport hat. Die Wut bei Fans und Spielern ist groß, und alles deutet darauf hin, dass der neue Coach nichts als Ärger haben wird und sein Team zum Abstieg verdammt ist. Doch dann zeitigt die "Methode Lasso" ungeahnte Wirkungen. Eine pointierte Culture-Clash-Sitcom von "Scrubs"-Autor Bill Lawrence und Comedy-Star Jason Sudeikis, der die Hauptfigur ursprünglich für einen Werbespot entwickelt hatte und diese auch verkörpert. Rund um ihn bringt die Serie ein liebenswert-schräges Ensemble in Stellung, dessen Sich-Zusammenraufen im Zentrum steht. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
TED LASSO
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Tom Marshall · Declan Lowney · Elliot Hegarty
Buch
Brendan Hunt · Joe Kelly · Bill Lawrence · Jason Sudeikis
Kamera
David Rom · John Sorapure
Schnitt
Melissa McCoy · A.J. Catoline
Darsteller
Jason Sudeikis (Ted Lasso) · Brendan Hunt (Coach Beard) · Hannah Waddingham (Rebecca) · Juno Temple (Keeley) · Nick Mohammed (Nathan)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.
Genre
Serie

Sitcom um einen US-Football-Coach, der auf einen britischen Premiere-League-Fußballclub losgelassen wird.

Diskussion

Man mag sich gar nicht vorstellen, was in Deutschland los wäre, wenn ein Football-Coach, der bislang in den USA College-Teams trainiert hat, als Trainer für einen Bundesliga-Verein verpflichtet würde! Die britischen Fans des fiktiven Premiere-League-Vereins AFC Richmond sind jedenfalls mindestens so sehr empört, als wenn man eine Invasionsarmee über den Atlantik geschickt hätte; Ted Lasso (Jason Sudeikis), so der Name des US-Emporkömmlings, wird in wüsten Sprechchören schlicht „Wichser“ getauft; und für eingefleischten Anhänger scheint es besiegelte Sache zu sein, dass es mit dem ohnehin schwächelnden Fußballclub fortan nur noch bergab und in die Relegation gehen kann.

Der Wahnsinn hat Methode

Doch was weder die Fans noch die Sportreporter noch Ted Lasso selbst wissen: Der Wahnsinn hat Methode! Denn die AFC-Geschäftsführerin Rebecca (Hannah Waddingham) will dem Club durch die unorthodoxe Trainerwahl keineswegs einen neuen Impuls geben, sondern ihn ruinieren! Die große Blonde, die wie ein majestätischer Eisberg durch die Flure des Vereinsgebäudes stöckelt, hat sich nach einer hässlichen Scheidung den Posten ihres Ex-Mannes unter den Nagel gerissen, um den untreuen Gatten nun an der einzigen Stelle zu treffen, wo es ihm richtig weh tut: bei seinem Lieblingsclub.

Doch Vorsicht: „Ted Lasso“ stammt vom Showrunner Bill Lawrence, und schon in dessen Erfolgsserie „Scrubs“ hatten sich die naiven Neueinsteiger am Sacred Heart Hospital in einer vor Fettnäpfchen gepflasterten Welt zunehmend Respekt und Sympathien erstritten. „Ted Lasso“ verlegt dies nun ins Fußballmilieu und garniert es mit Culture-Clash-Humor, wenn der All-American-Strahlemann Lasso im Fußball wie auch andernorts ständig über die feinen transatlantischen Unterschiede stolpert – auf Dauer die Briten aber trotzdem aus der feindlichen Reserve lockt.

Eine Figur aus einem Werbespot

Gespielt wird Lasso von Co-Showrunner Jason Sudeikis, der den schrägen Coach bereits 2013 für Werbespots des NBC-Sportprogramms kreiert hatte (auf youtube zu sehen). Im Serienformat verwandelt er die komische Figur jetzt in einen Menschen aus Fleisch und Blut. Wobei Fußball-Action eine vergleichsweise untergeordnete Rolle spielt. Während andere Fußballserien, etwa die thematisch verwandte norwegische Serie „Heimebane“, in der eine Frau als erster weiblicher Trainer eine Erstliga-Männermannschaft übernimmt, oder die ins frühe 20. Jahrhundert zurückblickende britische Serie „The English Game“ durchaus auf das dramatische Potenzial auf dem Rasen setzen, spielt bei „Ted Lasso“ die Musik meist hinter den Kulissen: im Büro von Rebecca, im Pub, wo sich Lasso immer wieder den Fans stellt, und nicht zuletzt in der Umkleidekabine und am Spielfeldrand, wo auf den US-Trainer die Sisyphus-Aufgabe wartet, eine Mannschaft höchst widerspenstiger Spieler in den Griff zu bekommen. Lassos größtes Talent dabei: die Talente und Bedürfnisse anderer zu erkennen – was ihn, seinen Wissenslücken und seiner mangelnden Erfahrung zum Trotz, dann doch zu einem passablen Trainer macht und obendrein zu einem entwaffnend liebenswerten Zeitgenossen.

Ein vortrefflich entwickeltes Ensemblestück

Ähnlich wie in „Scrubs“ geht es in „Ted Lasso“ primär darum, wie ein bunt zusammengewürfelter Haufen schräger Typen nach und nach zu einer Gemeinschaft zusammenwächst. Dabei gelingt den Drehbuchautoren und den Darstellern ein vortrefflich entwickeltes Ensemblestück, dessen Figuren zwar als Karikaturen angelegt sind, sich darin aber nicht erschöpfen. So gibt etwa Rebecca mit ihren sinistren Absichten zunächst eine korrupte Fußballfunktionärin par excellence ab. Doch anstatt sie als klassische „bitch“ stehenzulassen, entfalten die Drehbuchautoren eine erstaunliche Sympathie für sie, vermitteln jede Menge Spaß an ihrem Schneid und ihrer Scharfzügigkeit und enthüllen im Laufe der zehn Episoden zunehmend menschliche Seiten. Ähnliches gilt für die zweite wichtige Frauenfigur der serie, Keeley (Juno Temple), ein mit dem jugendlichen Richmond-Starspieler liiertes Starlet, das „berühmt dafür ist, fast berühmt zu sein“ – ein Spielerfrau-Verschnitt, der sich indes bald als ebenso warmherzig wie streetwise entpuppt und für Lasso, aber auf für die sonst so spröde Rebecca eine wichtige Freundin wird.

Von den Spielern rücken vor allem zwei Figuren in den Fokus: Keeleys Freund Jamie Tartt (Phil Dunster), ein begnadeter Ballkünstler, dessen übersteigertes Ego es allerdings spielend mit dem von Ronaldo aufnehmen könnte, sowie der sich dem Ende seiner Karriere nähernde Mannschaftskapitän Roy (Brett Goldstein): konkurrierende, sich feindlich gegenüberstehende Athleten, die Lasso knacken muss, um aus den Spieler-Haufen ein echtes Team zu machen.

In einer Episode trifft sich Lasso mit einem wichtigen, ihm zunächst äußerst zynisch gegenüberstehenden Sportjournalisten, den er im Laufe eines Tages dann doch zu einer etwas freundlicheren Haltung bewegen kann. Dabei erzählt ihm Lasso auch, dass es ihm gar nicht primär ums Gewinnen und Verlieren gehe, sondern vor allem darum, seinen Spielern dazu zu verhelfen, sich bestmöglich zu entfalten. Ähnliches gilt auch für die Serie: Ob es Lasso schafft, Richmond vor dem Abstieg in die zweite Liga zu bewahren, ist zwar der dramaturgische rote Faden, aber viel spannender ist all das zwischenmenschliche Chaos drumherum.

Kommentar verfassen

Kommentieren