Horror | USA/Großbritannien 2020 | (acht Folgen) Minuten

Regie: Jim Field Smith

Ein Mann, der paranormalen Phänomenen nachspürt und dies auf seinem YouTube-Kanal "Truth Seekers" veröffentlicht, gerät mit einem neuen Praktikanten an eine seltsame Häufung übersinnlicher Erscheinungen; zusammen mit einem Mädchen, das von Geistern verfolgt zu werden scheint, sowie weiteren Underdogs kommen sie einem sinsitren Plan eines Mannes auf die Schliche, der ebenfalls der Übersinnliche erforscht, dabei aber dunkle Absichten verfolgt. Eine britische Grusel-Sitcom von und mit dem Komödien-Gespann Nick Frost und Simon Pegg, die weniger auf veritablen Horror und schnelle Gags setzt, sondern gemächlich vom Zusammenfinden eines verschrobenen Fähnleins liebeswerter Charaktere erzählt, deren irdische Solidarität sich gegen den Sog des Überirdischen behauptet. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
TRUTH SEEKERS
Produktionsland
USA/Großbritannien
Produktionsjahr
2020
Regie
Jim Field Smith
Buch
Nick Frost · Simon Pegg · Nat Saunders · James Serafinowicz
Kamera
Arthur Mulhern
Musik
Robin Foster
Schnitt
David Webb · Steve Ackroyd
Darsteller
Nick Frost (Gus) · Samson Kayo (Elton) · Emma D'Arcy (Astrid) · Simon Pegg (Dave) · Malcolm McDowell (Richard)
Länge
(acht Folgen) Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Horror | Komödie | Serie

Eine britische Sitcom von und mit Nick Frost und Simon Pegg: Auf der Jagd nach übernatürlichen Erscheinungen findet ein Fähnlein von Underdogs zusammen und stößt auf einen ganz irdischen Schurken.

Diskussion

Wahrheitssucher: Das klingt friedlicher als die „Ghostbusters“, „Monster Hunter“ und „Vampire Slayer“, die sich sonst in Filmen und Serien mit dem Paranormalen herumschlagen. Der sympathische Held von „Truth Seekers“, Gus (Nick Frost), übt seine Tätigkeit denn auch weniger als eine Art Kammerjägerjob in extremis aus, bei dem es übernatürliches Ungeziefer zu beseitigen gilt, sondern geht mit vorurteilsfreier Neugier und erstaunlich wenig Ressentiments an die Sache heran. Im Hauptberuf arbeitet Gus im Kundenservice eines Internet-Providers mit dem freundlichen Namen „smyle“; er ist der Typ, der dafür sorgt, dass seine Mitmenschen mit anderen und der Welt in Verbindung bleiben. Und auch bei seiner Nebenbeschäftigung, bei der er Gerüchten über übernatürliche Erscheinungen nachspürt, dies mit der Kamera festhält und das Ganze dann in seinem Youtube-Channel „Truth Seekers“ online stellt, scheint es ihm primär ums Verbindung-Aufnehmen zu gehen. Vielleicht hat das, wie man im Lauf der Serie spekulieren darf, etwas mit der Einsamkeit nach dem verfrühten Tod seiner Frau zu tun, die sich ebenfalls dem Paranormalen widmete und deren Verlust er immer noch nicht verarbeitet hat.

Eine herrlich verschrobene Erzählwelt rund um Nick Frost und Simon Pegg

„Truth Seekers“ ist die neueste komödiantische Kollaboration von Nick Frost mit Simon Pegg, der neben Frost, Nat Saunders und James Serafinowicz am Drehbuch mitgeschrieben hat und in einer Nebenrolle Gus’ fast schon unheimlich netten Vorgesetzten bei smyle mimt. Als Genre-Stoff schlägt die Serie weniger nach den wohl prominentesten der Frost-/Pegg-Komödien, der von Edgar Wright inszenierten Cornetto-Trilogie aus „Shaun of the Dead“, „Hot Fuzz“ und „The World’s End“, sondern hat mehr mit dem gemütlichen Geisterjäger-Format „Deadbeat“ oder dem irischen Überraschungserfolg „Extra Ordinary“ gemeinsam. Das heißt: der veritable Horror hält sich in Grenzen – das Gruseligste an der Serie ist Simon Peggs Toupet.

Statt auf großes „Buh!“, rasante Action und schnelle Gags wird aufs Erschaffen einer herrlich verschrobenen, mit liebenswerten Charakteren bevölkerten Erzählwelt gesetzt – die hier very british daherkommt – und beim Blick aufs Übernatürliche auf den Charme des Handgemachten: Die Geister treten nicht als spektakulöse Effekt-Gespinste auf, sondern nehmen dank solidem Masken- und Kostümbild Gestalt an oder fahren als kleine Funkenregen in alle möglichen mehr oder minder alltäglichen Gegenstände, von der Waschmaschine bis zum Hunde-Skelett.

Ein Fähnlein von Außenseitern findet zusammen

In Gang gebracht wird die Handlung durch den neuen Praktikanten Elton (Samson Kayo), der in Folge 1 Gus an die Hand gegeben und von diesem kurzerhand nicht nur fürs Berufliche, sondern auch für „Truth Seekers“ in Beschlag genommen wird – zu Eltons Leidwesen, der etwas schreckhafter ist als Gus. Pech für den Jungen, dass sich bald schon die paranormalen Erscheinungen auf merkwürdige Weise häufen. Was sich dabei zunächst als loser Reigen irdischer und überirdischer Kauzigkeiten zu entfalten scheint, wird im Lauf der ersten Staffel allmählich zusammengeführt zu einer Handlung, die auf zwei Dinge abzielt: rund um Gus und Elton ein Fähnlein von Underdogs zu scharen (herrlich: Malcolm McDowell als Gus’ knurriger Schwiegervater, der mit seinem Treppenlift fast so gut schweben kann wie ein Geist, und Susan Wokoma als Eltons agoraphobe Schwester Helen) und mit dem selbstgefälligen Dr. Peter Toynbee (Julian Barrat), einem Experten des Paranormalen, einen Gegner in Stellung zu bringen, der sich bald als sinistrer „man with a plan“ entpuppt und von den Helden gestoppt werden muss.

Doch auch wenn dann schließlich ein paar Köpfe explodieren, bleibt „Truth Seekers“ konsequent mehr gemächliche Sitcom als Grusel-Action. Als solche wird sie immer stärker, je mehr man über die Figuren erfährt und damit der emotionale Kern des Ganzen freigelegt wird: Gus’ „Truth Seekers“-Engagement mag zunächst aus dem Verlust seiner Frau und der folgenden Einsamkeit heraus aufs Jenseitige abzielen und sich der digitalen Kommunikationsmittel bedienen, beschert ihm aber dann ganz analoge, irdische neue Freundschaften, und den anderen Sonderlingen um ihn her geht es ähnlich. „Alle meine Freunde sind virtuell“, sagt Helen an einer Stelle zu Gus’ Schwiegervater Richard, und er kontert mit „Alle meine Freunde sind tot.“ Das wird im Lauf der Serie nicht so bleiben: der Reiz des ganz normalen Zusammenseins schlägt am Ende den Sog des Paranormalen und Virtuellen.

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