Comicverfilmung | USA 2021 | 359 (8 Folgen) Minuten

Regie: Steven S. DeKnight

Eine Serienverfilmung der gleichnamigen Comic-Reihe von Mark Millar um einen Generationenkonflikt unter Superhelden: Ein Team von mit übernatürlichen Kräften gesegneten Frauen und Männern kämpft seit den 1930ern als "Union of Justice" für die Sicherheit der Menschen; mittlerweile sind sie gealtert und ihre Kinder erwachsen. Diese sollen in die die Fußspuren der Eltern treten, stehen diesem Erbe und dem Ehrenkodex der Union, der das Töten und jedwede politische Einmischung verbietet, jedoch zwiespältig gegenüber. Die Serie verbindet eine via Rückblenden eingebundene "Origin Story" der "Union of Justice" in den 1930ern mit den Konflikten der Gegenwart und problematisiert durchaus interessant Legitimation und "Politik" des Superheldentums, packt diese jedoch in eine Story um Familienzwiste, deren Akteure und Akteurinnen etwas blass bleiben. Zudem leidet die Serie inszenatorisch unter einem etwas altbackenen Look und einer Neigung zum Pathos. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
JUPITER'S LEGACY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2021
Regie
Steven S. DeKnight
Buch
Julia Cooperman · Henry G.M. Jones · Steven S. DeKnight · Brian Gunn · Mark Gunn
Kamera
Danny Ruhlmann · Nicole Hirsch Whitaker
Musik
Stephanie Economou
Schnitt
Josh Beal · Henk van Eeghen · Tirsa Hackshaw
Darsteller
Josh Duhamel (Sheldon Sampson (the Utopian)) · Ben Daniels (Walter Sampson) · Leslie Bibb (Grace Sampson) · Elena Kampouris (Chloe Sampson) · Andrew Horton (Brandon Sampson)
Länge
359 (8 Folgen) Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Comicverfilmung | Fantasy | Serie

Eine Serienverfilmung der gleichnamigen Comic-Reihe von Mark Millar: Ein Team von mit übernatürlichen Kräften gesegneten Frauen und Männern hat lange Jahre für die Sicherheit der Menschen gekämpft; ihre Kinder stehen diesem Erbe zwiespältig gegenüber.

Diskussion

Superheldentum und Vaterschaft unter einen Hut zu bekommen, ist nicht einfach; das wissen wir spätestens seit „Die Unglaublichen 2“. Der Superhelden-Gottvater in „Jupiter’s Legacy“, The Utopian (Josh Duhamel), dessen bärtig-gravitätische Erscheinung eine andere Figur mal respektlos als „Sexy-Santa-Look“ bezeichnet, kann ein Lied davon singen. Die erwachsene Tochter (Elena Kampouris) hat sich weitgehend von der Familie zurückgezogen und rebelliert mit einem selbstzerstörerischen Bad-Girl-Lifestyle gegen die überlebensgroße Tugendhaftigkeit ihrer Eltern; der Sohnemann (Andrew Horton) schickt sich zwar tapfer an, in die Fußstapfen des Vaters zu treten, fühlt sich von dessen hehren Ansprüchen jedoch latent überfordert und hat Zweifel an dem, was seinem Vater am heiligsten ist: dem Ehrenkodex der „Union of Justice“.

Aus großer Kraft folgt große Verantwortung – aber wie sieht die aus?

Das Superhelden-Genre mit Elementen des Familienfilms zu kreuzen und es mit Eltern-Kind- und Geschwisterkonflikten zu verbinden ist nicht neu; Netflix hat mit der „Umbrella Academy“ in dieser Hinsicht gute Erfahrungen gemacht. Die neue Serie nach Comics von Mark Millar schlägt ausgiebig in die Familiendrama-Kerbe und verbindet sie mit einem Konflikt, der kritisch und durchaus interessant die „Politik“ des Superheldengenres umkreist. Am Anfang wird in einer Rückblende das Motto, mit dem Marvel-Comicschöpfer Stan Lee einst „Spiderman“ auf seinen heroischen Weg schickte, herbeizitiert – „Aus großer Kraft folgt große Verantwortung“. Doch was genau bedeutet diese Verantwortung? Wie wird man ihr gerecht?

Die fünf gealterten Superhelden der Union of Justice, die seit den 1930er-Jahren Bösewichter in Schach halten, folgen einem strikten Verhaltenskodex, der vor allem vom Utopian hochgehalten wird: Die Union mischt sich nicht in die Politik ein, und sie tötet niemals einen Gegner, sondern sorgt dafür, dass er vor Gericht gestellt wird. Kurzum: Sie hält sich an demokratische und rechtsstaatliche Spielregeln. Einige der Ursprungsmitglieder, etwa der ältere Bruder des Utopian (Ben Daniels), und die jüngere Generation tun sich mittlerweile schwer damit, diesen Code of Honor aufrechtzuerhalten. Unterstützt werden sie dabei von einer Öffentlichkeit, die sich bedroht fühlt von immer aggressiver agierenden Superschurken und die die politischen Verhältnisse in den USA als marode empfindet – man verlangt nach härterem Durchgreifen, nach starken Männern und Frauen, die eigenmächtig Sicherheit und Ordnung wieder herstellen.

Ein schmaler Grat zwischen Superheldentum und Übermensch-Ideologie

Changierend zwischen einer in den 1930er-Jahren, zur Zeit des „Schwarzen Freitags“ und der Großen Depression angesiedelten Vorgeschichte, die die „Origin Story“ der Union of Justice aufrollt, und den sich durch neue Bedrohungen zuspitzenden Konflikten in der brüchig gewordenen Union der Gegenwart, kreist die Serie also um die Krux des Genres, nämlich die Tatsache, dass Krisen zwar die Sehnsucht nach übermächtigen Rettern in der Not gebären mögen, diese aber in freiheitlichen Gesellschaften eigentlich fehl am Platz sind und es nur ein schmaler Grad ist zwischen Superheldentum und faschistoider Übermensch-Ideologie.

Diese Problematisierung mag nicht neu sein – „Who watches the Watchmen?“ hieß es schon den 1980ern, und bei Netflix hat „Jessica Jones“ (vor allem in der dritten Staffel) bereits ähnliche Fragen nach Legitimation und Ethik der „vigilante heroes“ aufgeworfen. Die Vehemenz, mit der die Serienverfilmung von Mark Millars Comics das Thema ins Zentrum stellt und es an die reale Demokratiemündigkeit und den Aufstieg populistischer Führerfiguren andockt, verdient trotzdem durchaus Beachtung. Was der Inszenierung allerdings im Wege steht, ist ein gewisser Hang zum Pathos, gekoppelt mit einer nicht sonderlich geschmackvollen visuellen Umsetzung, was das Character Design und die Effekte angeht: Der etwas altbackene Look, mit dem hier Männer und Frauen in albernen Fantasieuniformen bunte Lichtblitze aus den Augen schließen und sich Feuerbälle an den Kopf werfen, wirkt in Kombination mit dem viel zu selten ironisch gebrochenen biblischen Ernst, mit dem die ganz großen moralischen Fragen gestellt und archetypische Familienfehden ausgetragen werden, mitunter unfreiwillig lächerlich.

Dazu kommt, dass im Vergleich zu Serien-Vorbildern wie „The Umbrella Academy“, wo nicht zuletzt die markanten, herrlich schrägen Figuren beeindruckten, die meisten Charaktere in „Jupiter’s Legacy“ um einiges blasser und klischeehafter bleiben. Für solide Genreunterhaltung reicht es zwar allemal, den Funken des Außergewöhnlichen entzünden zumindest die ersten acht Folgen, die Staffel 1 der Serie bilden, indes noch nicht. Vielleicht sorgen ja die dramatischen Zuspitzungen am Ende dafür, dass die Protagonisten in der wahrscheinlich folgenden Fortsetzung an ihren Herausforderungen wachsen und mehr originelles Format entwickeln.

 

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