Horror | USA 2021 | 87 Minuten

Regie: Justin P. Lange

Ein junger katholischer Priester, der theoretisch auf die Ausübung von Exorzismen vorbereitet wurde, wird von seinem Erzbischof der Obhut eines erfahrenen Kollegen anvertraut, der ihn in die Praxis einweisen soll. Der unkonventionell-ruppige Mann konfrontiert den Neuling schnell mit einem heiklen Fall: Ein Zwölfjähriger hat seine Familie ermordet, wahrscheinlich unter dämonischem Einfluss. Doch der Versuch, den Dämon auszutreiben, nimmt eine unvorhergesehene Wendung. Solider Exorzismus-Horror, der sich in seinen Grusel-Effekten zwar wenig originell an den Standards orientiert, aber einen interessanten Subtext einbaut, der die Gut-Böse-Zuschreibungen des Genres herausfordert. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE SEVENTH DAY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2021
Regie
Justin P. Lange
Buch
Justin P. Lange
Kamera
Nick Remy Matthews
Musik
Gavin Brivik
Schnitt
Josh Ethier
Darsteller
Guy Pearce (Pater Peter Costello) · Vadhir Derbez (Pater Daniel Garcia) · Stephen Lang (Erzbischof) · Brady Jenness (Charlie) · Robin Bartlett (Helen)
Länge
87 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Horror

Heimkino

Verleih DVD
Ascot Elite
Verleih Blu-ray
Ascot Elite
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Exorzismus-Grusel mit Guy Pearce: Ein erfahrener Priester soll einen jungen Kollegen in die Praxis der Dämonenaustreibung einführen.

Diskussion

Seit William Friedkin 1973 in „Der Exorzist“ einen Dämon in den Leib der kleinen Regan fahren ließ, sind es im Exorzismus-Horror mit Vorliebe Kinder und junge Frauen, die von höllischen Mächten in Besitz genommen werden. Da mag bezüglich der Frauen ein Rest der alten christlichen Misogynie mitschwingen, für die das Weib seit Evas Zeiten das Einfallstor des Teufels ist. Vor allem aber schätzen Filmemacher wohl den Grusel der Fallhöhe, die sich auftut, wenn ausgerechnet eine zarte, jugendliche Hülle vom uralten Bösen erfüllt und in etwas Monströses verwandelt wird.

Ein junger Pater wird auf einen schockierenden Fall angesetzt

Auch „The Seventh Day“ benutzt das Genre-Klischee der besessenen Kinder, allerdings mit einem ungewöhnlichen Hintersinn. Dabei ist der Plot an der Oberfläche „old school“: Der junge Pater Daniel (Vadhir Derbez), der theoretisch auf den Kampf gegen die höllischen Mächte vorbereitet ist, wird vom Erzbischof (Stephen Lang) der Obhut eines erfahrenen Kollegen übergeben, damit dieser ihn in die Praxis einweise. Pater Peter – von Guy Pearce als harter Hund gespielt, mehr wie der „Bad Cop“ in einem Buddy-Polizeifilm denn als frommer Gottesmann – versteht unter Unterricht das umstandslose Ins-kalte-Wasser-Schubsen des naiven Greenhorns. Und so findet sich Daniel in kürzester Zeit verantwortlich für einen heiklen Fall: Ein zwölfjähriger Junge hat seine Familie abgeschlachtet, und Peter hat den Verdacht, dass es dabei mit teuflischen Dingen zugegangen ist. Nach dem ersten Besuch in dem Haus, wo sich die Tragödie ereignet hat, und einem Treffen mit dem Jungen teilt Daniel diese Ansicht, und nun ist es an ihm, den Dämon zu vertreiben.

Daraus wird ein Kräftemessen, das sich des üblichen Brimboriums bedient: Aus dem Jungen spricht es mit fremder, sinistrer Grabesstimme, Glieder verrenken sich unnatürlich, Lichter erlöschen, Gegenstände und Körper fliegen durch die Luft. Mit den Hauptdarstellern, von denen Guy Pearce mit dem ihm eigenen Charisma, Vadhir Derbez etwas blasser agiert, könnte daraus ein durchschnittlicher Schocker werden, wenn Autor und Regisseur Justin P. Lange nicht einen befremdlichen Subtext einziehen würde.

Eine klandestine Seite der katholischen Kirche

Zu Beginn des Films sieht man Archivbilder von einer USA-Reise von Papst Johannes Paul II., die einen Prolog um den damals noch jungen Pater Peter im Baltimore der 1990er-Jahre verorten; nach einem Zeitsprung in die Gegenwart befinden wir uns dann in den Gemächern des Erzbischofs von Baltimore und werden Zeugen eines merkwürdigen Gesprächs ihrer Eminenz mit Pater Daniel. Der Bischof schildert den Exorzismus als etwas Klandestines: Der Vatikan hätte vor Jahren eine „negative Haltung“ gegenüber dessen Durchführung eingenommen, weil es eine Anzahl „kontroverser Fälle“ gab, die „unglücklicherweise an die Öffentlichkeit“ gelangt seien; mittlerweile würden nur noch einige wenige Priester im Untergrund den Exorzismus ausüben und lehren, „trotz der Ablehnung der Kirchenführung“. Eine Art der Beschreibung, bei der einem eher etwas anderes als der Exorzismus in den Sinn kommt (von dem sich die katholische Kirche realiter nie distanziert hat, sondern 1999 lediglich das Regelwerk für die Durchführung überarbeitete), nämlich der sexuelle Missbrauch durch Priester.

Teuflisches im ältesten Bistum der USA

Getriggert wird diese Assoziation auch dadurch, dass Justin P. Lange seinen Film ausgerechnet im Baltimore verortet, wo in den 1990ern der Missbrauchs- und Mordskandal um den Priester Joseph Maskell die Kirche erschütterte (was 2017 die Dokuserie „The Keepers“ wieder ins öffentliche Gedächtnis brachte). In der folgenden Handlung lässt der Regisseur diese motivische Verbindung dezent durchschimmern – wenn mittels einer Rückblende zur Vorgeschichte des angeblich besessenen Jungen ein unangenehm übergriffiges Treffen eines Priesters mit dem Kind gezeigt wird. Wenn es dann schlussendlich so weit ist, dass sich der ans Bett gefesselte Körper des Zwölfjährigen gequält windet, während Daniel verstört seine Exorzismus-Formeln herunterbetet und Peter ihn antreibt, die Schmerzensschreie des Kindes zu ignorieren, ahnt man längst, dass das eigentliche Böse tatsächlich in einer ganz anderen Hülle zu suchen ist...

Ohne besonders originelle Horror-Effekte zu brauchen, gelingt es Lange damit, dem ausgelutschten Genre eine beklemmende Wendung abzutrotzen, deren Unbehagen nicht im Übersinnlich-Fantastischen liegt, sondern darin, dass in den Köpfen der Zuschauer die Verbindung zu einem realen Übel geschlagen wird, dem mit Kreuzen und Weihwasser nicht beizukommen ist.

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