The Bank Hacker

Krimi | Belgien 2019 | 373 (acht Folgen) Minuten

Regie: Frank van Mechelen

Belgische Thrillerserie um Hacker-Culture, Betrug und Rache in der scheinheiligen Finanzwelt. Im Zentrum agiert ein 19-jähriger Student und menschenscheuer, aber begnadeter Nachwuchshacker aus Antwerpen. Nach dem Suizid seines Vaters möchte er sich an derselben Bank rächen, die seine Familie in den finanziellen Ruin trieb. Dafür wird er Mitglied einer kriminellen Bande, die für den großen Coup einen riskanten Cyberangriff in Frankfurt am Main plant. Gut besetzte und ansprechend fotografiert, setzt die Serie das Thema Hacker-Kriminalität ebenso fintenreich wie schwarzhumorig in Szene. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
THE BANK HACKER
Produktionsland
Belgien
Produktionsjahr
2019
Regie
Frank van Mechelen · Joost Wynant
Buch
Kristof Hoefkens · Maarten Goffin
Kamera
Dries Delputte
Schnitt
Pieter Smet
Darsteller
Tijmen Govaerts (Jeremy Peeters) · Gene Bervoets (Alidor Van Praet) · Ella-June Henrard (Ada) · Manuel Broekman (Prince) · Joren Seldeslachts (Andy)
Länge
373 (acht Folgen) Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Krimi | Serie

Heimkino

Verleih DVD
Polyband
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Krimiserie um einen 19-jährigen Studenten, der zum wichtigsten Kopf eines internationalen Betrügerrings avanciert, der einer deutschen Bank mehrere Hundert Millionen Euro stehlen will.

Diskussion

Antwerpen. In der schönen, stolzen Hafenstadt im Norden Belgiens florierte immer schon der Handel. Egal ob mit Öl, Rohstoffen, Lebensmitteln oder Luxusartikeln, aber auch mit ominösen Diamanten, illegalen Papieren oder gefälschten Produkten. In der ehemals reichsten europäischen Stadt des 16. Jahrhunderts werden bis heute jeden Tag gewaltige Umsätze erzielt.

In der belgischen Thrillerserie „The Bank Hacker“ bildet die Stadt zusammen mit Frankfurt am Main, Hongkong und Tel Aviv nicht nur optisch den narrativen Ankerpunkt, sondern steht stellvertretend auch für die immer unsichtbarer werdenden Methoden verbrecherischer Banden, die international und bestens vernetzt sind. Denn infolge des eingekauften Know-hows durch Hacker und die zunehmende Spezialisierung auf Cyberkriminalität, Datenklau und Fake-Online-Handel lassen sich innerhalb kürzester Zeit ungeheure Gewinne einfahren.

In der kriminellen Halbwelt von Antwerpen

Zugleich umweht Antwerpens Seehafen, immerhin der zweitgrößte Europas, ähnlich wie das Hafenmilieu Rotterdams und Hamburgs seit Jahrhunderten ein gewisser Hautgout. Denn zwischen renaturierten Hafenbecken, edel sanierten Jugendstilvierteln und spektakulärer High-Tech-Architektur wie dem „Port House Antwerpen“ von Zaha Hadid residieren hier auch die lokalen Größen der kriminellen Halbwelt.

Alidor Van Praet (Gene Bervoets) ist einer von ihnen. Der schmierig-galante Bandenboss, der sich bisher mit halbseidenen Offshore-Geschäften, aber auch mit Verbrechen alter Schule wie Erpressung oder Raub über Wasser hielt, plant jetzt einen großen Coup. Gemeinsam mit seiner rechten Hand Bart, seiner tückischen Tochter Ada (Ella-June Henrard), dem koksenden Rowdy „Prince“ (Manuel Broekman), einem smarten IT-Spezialisten (Joren Seldeslachts) sowie seinem zwei Meter großen Bodyguard Souleymane (Claude Musungayi) will er einer internationalen Bank via Cyberattacke Hunderte Millionen Euro stehlen.

Für diese komplizierte Nacht-und-Nebel-Aktion will er den 19-jährigen Nachwuchshacker Jeremy Peeters (Tijmen Govaerts) einspannen. Obwohl der menschenscheue Student gerade durch den Suizid seines Vaters sowie den Bankrott seiner Mutter Anouk (An Miller) und den damit bedingten psychischen Problemen seiner kleinen Schwester Lily Rose (Floor Van Boven) eigentlich genügend eigene Probleme hat, lässt er sich auch angesichts von Adas erotische und Alidors verbalen Verführungskünsten für den Mega-Coup rekrutieren. „Bei mir lernst du mit den Haien zu schwimmen“, umgarnt ihn Alidor als zynische Mephisto-Gestalt.

Und so fungiert der introvertierte, aber rachsüchtige Jeremy, der bisher lediglich bei universitären oder IT-szenigen Wettbewerben glänzte, plötzlich als heimlicher Kopf einer verbrecherischen Organisation. Im Fokus steht die Führungsriege der in Antwerpen und Frankfurt am Main ansässigen Certus-Bank, die geschäftlich irreparabel geschädigt werden soll. Den deren Banker haben Jeremys Vater in den Selbstmord getrieben, indem sie dessen Vermögen durch bewusst falsche Geldanlagen verzockten und nun die Hauspfändung unmittelbar bevorsteht.

Malware in der Frankfurter Hauptfiliale

Dafür möchte Jeremy, unterstützt durch Alidors Bande, im Security-System der Frankfurter Hauptfiliale eine heimtückische Malware installieren, die innerhalb weniger Stunden Millionensummen nach Hongkong transferieren soll. Dort soll sich Bart mittels asiatischer Handlanger und Geldkoffer den Löwenanteil der Beute auszahlen lassen und sie sogleich in verschiedenen Steueroasen wie den Kaimaninseln investieren.

Allerdings wendet sich der clevere Jeremy zur gleichen Zeit an eine smarte Hackerfreundin aus Tel Aviv, mit der er im Geheimen einen komplett anderen Plan ausheckt. In den acht kurzweiligen und fintenreichen Episoden werden das Publikum, die Mittäter und auch die belgische Untersuchungsrichterin Erica DeBoek (Hilde De Baerdemaeker) so mehrere Male lustvoll in die Irre führen.

Es liegt vor allem an den dynamisch-wendigen Drehbüchern von Kristof Hoefkens und Maarten Goffin sowie dem überzeugenden Schauspielerensemble, dass diese europäische Thrillerserie bis zur verblüffenden Schlusspointe in der Summe solide unterhält. "The Bank Hacker" verzichtet im Unterschied zu Michael Manns „Blackhat“ weitgehend auf aufwändige Actionszenen und auch auf die aufgesetzte Komplexität von „Hackerville“; stattdessen lebt dieser ausgesprochen leichtfüßig erzählte Reigen um Geld, Gauner und Gelüste in erster Linie von seinem schwarzen Humor.

Ironie und clevere Winkelzüge

Mittels comichaft überzeichneter Charaktere und zahlreicher filmischer Referenzen von „Blue Velvet“ bis hin zum „A-Team“ punktet die von Frank Van Mechelen und Joost Wynant lebhaft in Szene gesetzte Krimiserie bis zum Ende. Tückische Methoden, ironische Sprüche, clevere Winkelzüge sowie ein dezenter Synthesizer-Score sorgen für ein amüsantes Sehvergnügen, das zudem von ungewöhnlichen Schauplätzen und einem ansehnlichen Look profitiert - schließlich ist man hier in der Welthauptstadt exquisit-ausgefallener Mode zu Gast.

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