Action | Deutschland/USA 2021 | 123 Minuten

Regie: Peter Thorwarth

Eine junge Mutter und ihr Sohn werden auf einem Transatlantikflug Teil einer Flugzeugentführung. Um den Sohn und die anderen Passagiere zu retten, muss die Mutter den Kampf gegen ihre unterdrückte Seite aufnehmen, die sie als Krankheit wahrgenommen hat: Sie ist ein Vampir. Den Vampirismus anzunehmen, bedeutet jedoch zugleich, ihre Menschlichkeit aufzugeben. Eine blutige Mixtur aus Horror, Thriller und Actionfilm, die als an Schauwerten orientiertes B-Movie kaum überzeugt. Gelungen ist die von der Hauptdarstellerin getragene Geschichte über Selbstaufopferung und die Reflexion darüber, was Menschsein und Monster definiert. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
BLOOD RED SKY
Produktionsland
Deutschland/USA
Produktionsjahr
2021
Regie
Peter Thorwarth
Buch
Stefan Holtz · Peter Thorwarth
Kamera
Yoshi Heimrath
Musik
Dascha Dauenhauer
Schnitt
Knut Hake
Darsteller
Peri Baumeister (Nadja) · Carl Koch (Elias) · Alexander Scheer (Eightball) · Kais Setti (Farid) · Graham McTavish (Col. Alan Drummond)
Länge
123 Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Action | Horror | Thriller | Vampirfilm

Eine Mischung aus Horrorthriller und Actionfilm über eine Frau, die sich ihrer verdrängten Vampir-Identität stellen muss, um sich selbst und ihren Sohn aus den Händen von Flugzeugentführern zu befreien.

Diskussion

Begleitet von zwei Kampfjets, landet ein Passagierflugzeug auf einem schottischen Flughafen. Im Cockpit der bereits von Spezialeinheiten umstellten Maschine ist ein arabischstämmiger Mann zu sehen. Gab es da den Versuch eines islamistischen Terroranschlags?? Natürlich ist die Schlussfolgerung falsch, die die ersten Bilder von Peter Thorwarths „Blood Red Sky“ triggern. Nicht nur weil die Wahrheit hinter der Entführung auch einen übernatürlichen Anteil hat, den bereits der Titel verrät, sondern weil besagter Mann – Farid (Kais Setti) ist sein Name – kein Terrorist, sondern eine Geisel ist.

Vampire treffen auf Terroristen. So die einfache Prämisse von „Blood Red Sky“, hinter der, wie der falsche Schluss suggeriert, mehr als der unvermeidliche Blutaustausch zwischen beiden Parteien steht. Peter Thorwarths Film ist deutlich ambitionierter, als seine Aufmachung zunächst vermuten lässt. Was prädestiniert scheint, sich in die Riege der selbstironischen, ausgestellt überdrehten Genrefilme einzureihen, ist für Torwarth, der sich schon mit seiner „Unna-Trilogie“ eine eigene, mit viel Ruhrpott-Lokalkolorit geschwärzte Nische in der Ödnis des deutschen Genrefilms schaffen konnte, vielmehr eine neue Variable, mit der sich altbekannte Gleichungen aufhübschen lassen.

Eine Mutter muss ihre Menschlichkeit opfern, um ihren Sohn zu retten

Zunächst läuft die Entführung des Flugzeugs aber nach dem bekannten Muster ab: die Passagiere werden in Schach gehalten, der Pilot durch den eigenen ersetzt und der Kurs für die nie genauer benannten Zwecke der Terroristen angepasst. Die Rolle des Sündenbocks, die den muslimischen Geiseln zukommen soll, ist dann nicht nur ein politischer Wink mit dem Zaunpfahl, sondern deutet zugleich an, dass die eigentlichen Monster nicht so eindeutig zu erkennen sind, wie man glauben mag. Viel weiter baut Thorwarth den Ansatz nicht aus, denn spätestens in dem Moment, in dem die junge Mutter Nadia (Peri Baumeister) den ersten Blutstropfen wittert, sind alle Pläne erstmal hinfällig. Auch Nadias eigener Plan, der vorsah, mit ihrem Sohn Elias in die Vereinigten Staaten zu fliegen, um sich dort endlich von ihrer Blutkrankheit mythischen Ursprungs – eine fadenscheinige Tarnung für den bereits im Titel verratenen Vampirismus – heilen zu lassen. Nun muss Nadia dem Blutdurst nachgeben, um mit der durch ihre „Krankheit“ gewonnenen Kraft ihren Sohn schützen zu können. Der Preis dafür ist ihre Menschlichkeit. Die mehr und mehr zum Monster werdende Vampirin faucht, kratzt und verbeißt sich in die Körper der völlig farblosen Terroristengruppe, die im Schatten von Alexander Scheer, der sich mal kreischend, mal mit wollüstigem Sadismus in seine Rolle als Klischee-Psychopath hineinstürzt, auf den eigenen Tod wartet. Die dazugehörigen Actionszenen rattern ohne viel Finesse dahin, bleiben aber, nachdem der erste Besen zum Pflock umfunktioniert wird, experimentierfreudig genug, um nie zu langweilen.

Über Selbstaufopferung und gesellschaftlich gemachte Monster

Man kann Thorwarth vorwerfen, dass „Blood Red Sky“ die B-Movie-Leichtigkeit für die emotionale Schwere einer tragischen Mutter-Sohn-Geschichte opfert. Doch gerade die Beziehung zwischen der auf übernatürliche Weise suchtkranken Mutter und dem aufgeweckten Sohn bringt die Momente hervor, in denen der Film wirklich zu sich findet. Thorwarth gelingt innerhalb der selbstgewählten Genremixtur eine bündige, aber durchaus berührende Geschichte über Selbstaufopferung und gesellschaftlich gemachte Monster. Nadias Leidensweg, der beide Topoi in sich vereint, wird zu einer kurzen Abfolge präziser Bilder gerafft. Die von einer Zahnprothese überdeckten, bis aufs Zahnfleisch runtergefeilten Vampirzähne Nadias und ihr unter kaltem Schweiß zitternder Körper auf Entzug bringen in verdichteter Intensität das auf den Punkt, was der Film an anderer Stelle mit einer Reihe langatmiger Rückblenden selbst wieder verwässert. Zurück in den richtigen Rhythmus holt den Film letztlich nicht das blutige Spektakel, für das neue Vampire geschaffen, Tiere losgehetzt und Panzerwagen angezündet werden. Es ist Peri Baumeisters Spiel, das selbst durch die immer grotesker werdende Vampirmaske ein tragisches Liebesbedürfnis ausstrahlt, das selbst im Chaos der freidrehenden Midnight-Movie-Prämisse noch sichtbar bleibt. „Blood Red Sky“ ist klar um die Vampirin, ihren Sohn und die Frage konstruiert, wann der Mensch zum Monster wird und wie viel Monster der Mensch sein muss, um die Monster unter den Menschen zu bekämpfen, die oft weniger nach den Monstern aussehen, die man hinter einer Flugzeugentführung vermutet. 

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