Abenteuer | USA 2021 | Minuten

Regie: Rhys Thomas

Marvel-Serienableger um den Scharfschützen Hawkeye alias Clint Barton, der sich nach den Ereignissen von "Avengers: Endgame" der Unterstützung einer neuen Superheldin widmet: Während Clint mit seinen drei Kindern einen vorweihnachtlichen Ausflug nach New York unternimmt, gerät er dort an eine schlagkräftige, aber etwas übereifrige und sich selbst überschätzende junge Frau, die gerade dabei ist, in Clints Fußstapfen als Verbrechen bekämpfender "Ronin" zu treten und sich damit jede Menge Ärger einhandelt. Clint steht ihr als Mentor zur Seite und findet sich bald in Scherereien nicht nur mit lokalen Gangstern wieder. Die Serie spielt augenzwinkernd mit dem etwas glanzlosen Image ihrer Titelfigur und führt sie mit einer charismatisch-energetischen neuen Heldin zusammen. Solide Action und der Buddy-Humor des ungleichen Ersatzvater-Tochter-Gespanns sorgen für gute Unterhaltung. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
HAWKEYE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2021
Regie
Rhys Thomas · Bert · Bertie
Buch
Jonathan Igla · Katrina Mathewson · Tanner Bean
Kamera
Eric Steelberg · James Whitaker
Darsteller
Jeremy Renner (Clint Barton/Hawkeye) · Hailee Steinfeld (Kate Bishop) · Florence Pugh (Yelena Belova) · Vera Farmiga (Eleanor Bishop) · Zahn McClarnon (William Lopez)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 12.
Genre
Abenteuer | Action | Comicverfilmung | Serie

Mit zwei Auftakt-Folgen ist ein Serien-Abenteuer um Ex-Avenger Clint Barton alias Hawkeye gestartet, in dem der Meisterschütze an eine übereifrige Jungheldin gerät, die dringend einen Mentor braucht.

Diskussion

Hawkeye alias Clint Barton (Jeremy Renner) hat ein Image-Problem: Ihm fehlt, wie seine neue Bekannte Kate Bishop in der Auftakt-Doppelfolge der neuen Marvel-Serie feststellt, das markante „Branding“ – die Marke „Hawkeye“ ist etwas blass. Neben seinen Avengers-Kollegen, die die Aura außergewöhnlicher Kräfte und außergewöhnlicher Schicksale umweht, wirkt Barton tatsächlich um einiges weniger superheldisch, um nicht zu sagen: stinknormal. Ein Problem ist das für ihn selbst allerdings keineswegs – und das macht die Figur, die mitunter als der „langweiligste Avenger“ verunglimpft wird, bei ihren Auftritten im Marvel Cinematic Universe dann doch auch wieder grundsympathisch: Jeremy Renners Hawkeye ist eben keine Rampensau wie Iron Man und kein Alphatier wie Captain America, sondern der geborene Wingman, und er ist Manns genug, ohne Minderwertigkeitskomplexe und Überkompensation dazu zu stehen.

Hailee Steinfeld als jugendliches Energiebündel trägt die Serie

Showrunner Jonathan Igla tut es ihm gleich und geht ebenfalls lässig-selbstbewusst mit dem mangelnden Star-Appeal seines Titelhelden um – und tut das einzig Richtige: Er stellt ihm mit Kate Bishop, charismatisch verkörpert von Hailee Steinfeld, ein angehendes Alphatier-Energiebündel an die Seite, das die Serie mühelos trägt und Clint Barton ermöglicht, einmal mehr entspannt die zweite Geige zu spielen, wobei Kates Tatendrang und ihre Tendenz zur Selbstüberschätzung als perfekte Kontrastfolie Clints uneitle Bodenständigkeit umso besser zur Geltung bringen. Als Inspiration fungieren dabei die „Hawkeye“-Comics von Matt Fraction und David Aja, von denen Igla nicht nur das Dreamteam Barton-Bishop entlehnt, sondern auch Züge der Story, die ebenso unprätentiös ist wie Clint (soweit sich das nach zwei Folgen sagen lässt): Es steht nicht schon wieder das Ende der Welt auf dem Spiel, sondern es geht lediglich um schwere Jungs in Trainingsanzügen auf den Straßen New Yorks, deren kriminellen Gang-Umtrieben Einhalt geboten werden muss. Und das bitte bis Weihnachten!

„Hawkeye“ ist der erste MCU-Abstecher ins Weihnachtsfilm-Genre, spielt im vorweihnachtlich funkelnden New York und nutzt als dramaturgische Klammer einen Countdown zu den Feiertagen: Schafft Clint es rechtzeitig, Kate sicher durch die Gefahren zu helfen, in die sie in den ersten Folgen aus Übereifer hineinstolpert, um rechtzeitig wieder zuhause in der Provinz zu sein und mit seiner Frau und seinen drei Kindern die Geschenke unter dem Christbaum zu öffnen?

Clint wird von seiner Vergangenheit als Ronin eingeholt

Den Aufhänger dafür, dass Clint und Kate sich begegnen, liefert ein adventlicher Ausflug der Barton-Familie nach Big Apple, um den legendären Weihnachtsbaum vorm Rockefeller Center zu bewundern, am Broadway „Rogers – The Musical“ anzusehen und gemeinsam eine gute Zeit zu haben – die Clint sich redlich verdient hat nach all den Plagen, die der Titan Thanos, seine Nihilierung der halben Menschheit und die danach erforderliche Rettungsaktion (in "Avengers: Engame") für den Meisterschützen verursacht haben, vor allem den Tod seiner besten Freundin Natasha alias Black Widow.

Dann allerdings wird er unversehens mit einem verdrängten, klandestinen Ausschnitt aus seiner Vergangenheit konfrontiert: Der „Ronin“ taucht wieder auf, jene Tarn-Identität, die Clint nach dem Verlust seiner Familie zwischenzeitlich annahm, um als dunkler Rächer im Kampf gegen das organisierte Verbrechen einen neuen Lebenssinn zu finden. Ronins Anzug ist nun in die Hände der übereifrigen Kate gefallen, und die hat es prompt geschafft, öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen und die Rachsucht jener Gangster auf sich zu ziehen, unter denen Clint als Ronin einst aufräumte. Also setzt Clint die Barton-Kids ins Flugzeug zurück zur ländlichen Farm, die man in „Avengers: Age of Ultron“ als Domizil der Familie kennenlernte – ein All-American-Apple-Pie-Idyll, wie es im Buche steht –, verlängert seinen Aufenthalt in New York und übernimmt die Ersatzvater- beziehungsweise Mentorenrolle für die Möchtegern-Heldin Kate, die zwar dank frühem Schützen- und Kampftraining ziemlich fit ist, aber keinerlei Augenmaß dafür hat, welche Konflikte ihre Kragenweite sind und welche nicht.

Mit der Zusammenführung dieses dynamischen Duos hat die Serie nach den ersten beiden Folgen eine solide Ausgangsbasis für weitere Abenteuer. Mögliche Konfliktfelder eröffnen sich dabei nicht nur durch den Backlash von Clints Zeit als Ronin, sondern auch durch Kates Umfeld: Sie ist ein Kind des New Yorker Geldadels, verlor einst während des Angriffs der Chitauri auf New York („Marvel’s The Avengers“) ihren Vater und beobachtet nun mit Misstrauen den neuen Mann im Leben ihrer attraktiven Mutter (Vera Farmiga), der bald deren neuer Ehemann werden soll. Dieser Jack Duquesne (Tony Dalton), Marvel-Fans auch bekannt als „The Swordsman“, ist indirekt der Grund dafür, dass Kate an den Ronin-Anzug gerät – und dürfte noch für einigen Ärger sorgen.

 

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