Plan A - Was würdest du tun?

Drama | Deutschland/Israel 2020 | 110 Minuten

Regie: Yoav Paz

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg stößt ein NS-Überlebender auf eine Gruppe jüdischer Partisanen, die einen Giftanschlag gegen die Deutschen als Vergeltung für den Holocaust planen. Eigentlich sollte er die Untergrundorganisation im Auftrag der britischen Armee auskundschaften, um die Attentate zu vereiteln. Doch seine ungestillten Rachegelüste stürzen ihn in ein tragisches Dilemma. Der auf wenig bekannten historischen Ereignissen beruhende Film ist ein packendes Drama, das die moralischen Dimensionen der Geschichte trotz des Rückgriffs auf konventionelle Genreelemente nicht aus den Augen verliert. - Ab 16.
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Filmdaten

Originaltitel
PLAN A
Produktionsland
Deutschland/Israel
Produktionsjahr
2020
Regie
Yoav Paz · Doron Paz
Buch
Doron Paz · Yoav Paz
Kamera
Moshe Mishali
Musik
Tal Yardeni
Schnitt
Einat Glaser-Zarhin
Darsteller
August Diehl (Max) · Sylvia Hoeks (Anna) · Michael Aloni (Michael) · Nikolai Kinski (Tzvi) · Michael Brandner (Foreman)
Länge
110 Minuten
Kinostart
09.12.2021
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Drama | Thriller

Ein KZ-Überlebender schließt sich unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs der jüdischen Untergrund-Organisation Nakam an, um Rache an den Deutschen zu nehmen.

Diskussion

Quentin Tarantino legte mit „Inglourious Basterds“ (2009) die Grundlage dafür, Juden nicht mehr als passive Opfer des Holocaust, sondern als Figuren mit Handlungsmacht zu inszenieren. In gewohnter Manier der Vermischung von Genres ging Tarantino sogar aufs Ganze und erzählte die kontrafaktische Geschichte einer fiktiven Kampftruppe, die am Ende Hitler und seine komplette Führungsriege zur Strecke bringt.

Die Geschichte von jüdischer Vergeltung lässt sich auch mit historischer Genauigkeit erzählen, wie „Plan A – Was würdest du tun“ beweist.

Ungestillte Rachegedanken

„Nakam“ lautet das hebräische Wort für Rache, und genau danach dürstet es Max (August Diehl), als er kurz nach Ende des Krieges aus dem KZ in seine Heimat zurückkehrt und erfährt, dass seine Frau und sein kleiner Sohn nicht überlebt haben. Er will sich nicht seinem Schicksal überlassen, sondern dem Zorn übergeben. Zunächst stößt er zur jüdischen Brigade der britischen Armee und hilft NS-Täter zu identifizieren und zu liquidieren. Seine Erfahrungen mit menschlichem Verhalten in Grenzsituationen helfen, die Täter zum Reden zu bringen. „Gib ihnen Hoffnung, und sie tun alles für dich“, empfiehlt er Michael (Michael Aloni), dem Anführer der Brigade.

Als wichtiges Mitglied der Gruppe wird Max schließlich mit einer gefährlichen Mission betraut: Er soll die jüdische Organisation Nakam ausspionieren, die anscheinend mehrere Millionen Deutsche durch Anschläge töten will. Sollte dieser „Plan A“ gelingen, wäre das für die internationale Reputation der Juden auf dem Weg zur Gründung des Staates Israel verheerend. Max gelingt es, in die Reihen von Nakam aufgenommen zu werden. Doch es fällt ihm schwer, dem Anschlagsplan zu widerstehen, da seine eigenen Rachegelüste nicht gestillt sind. Das Schicksal von Ana (Sylvia Hoeks), der engsten Vertrauten des Anführers Abba Kovner (Ishai Golan), lässt ihn überdies daran zweifeln, die Gruppe zu verraten.

An der Figur des Golems orientiert

Max wird zwischen der zukunftsweisenden und reflektierten Strategie Michaels und dem auf schnelle Vergeltung und affektive Entladung setzenden Plan Kovners förmlich zerrissen; ein moralisches Dilemma, das August Diehl mit einer erstaunlichen Intensität verkörpert. Er versinkt förmlich in die Figur des Max, sein ganzer Körper wird Schmerz. Sein versteinertes und sichtbar geschminktes Gesicht lässt zudem erahnen, dass die Regisseure Yoav und Doron Paz die Figur als „Golem“ angelegt haben, jene Figur der jüdischen Mystik, der sie schon ihren Film „Golem – Wiedergeburt einer Legende“ (2018) widmeten.

Das Fantastische verbindet sich so mit einem Realismus, der offen bleibt für weitere Genre-Ästhetiken. Auf der Basis eines spannungsgeladenen Thrillers werden etwa auch Versatzstücke des Westerns oder des Horrorfilms benützt, um Effekte zu verstärken. Wenn Max zum ersten Mal den Nakam-Mitgliedern im Wald begegnet, wird dies als Spiel mit der Dunkelheit und dem schemenhaften Erscheinen des Schreckens in Szene gesetzt. Der Horror aus dem Nebel erscheint als verführerisch, weil er einer moralisch grundierten Rache entspringt. „Plan A“ zielt darauf ab, die Zuschauer effektiv zu emotionalisieren und am Dilemma von Max teilhaben zu lassen.

Unterhalten und aufklären

Der Realismus des Films wird allerdings unnötigerweise dadurch unterwandert, dass alle Figuren Deutsch sprechen. Wieder einmal hat man sich nicht getraut, mehrsprachig zu arbeiten. Dabei wäre das leicht möglich gewesen, denn vieles wird ohnehin in Bildern erzählt. Dem Gesamteindruck eines Genrefilms, der zu unterhalten und aufzuklären versteht, tut dies aber keinen Abbruch.

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