Animation | Belgien/Deutschland/Niederlande 2021 | 82 Minuten

Regie: Steven de Beul

Der Ballettklassiker „Coppélia“ aus dem Jahr 1870 wird mit visuellen Effekten in eine kunterbunte, virtuelle Welt versetzt, in der animierte Figuren und Stars der internationalen Ballettszene miteinander tanzen. Eine temperamentvolle junge Frau setzt sich darin gegen einen diabolischen Doktor zu Wehr, dessen gigantische Schönheitsklinik allen den Kopf vernebelt. Die virtuellen Bilderwelten sind aufregend anzuschauen, es geht um innere Werte und die Treue zu sich selbst. Eine neue, oberflächlich-seichte Musik schmälert den Genuss allerdings erheblich. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
COPPELIA
Produktionsland
Belgien/Deutschland/Niederlande
Produktionsjahr
2021
Regie
Steven de Beul · Ben Tesseur · Jeff Tudor
Buch
Ben Tesseur · Steven de Beul · Jeff Tudor
Kamera
Tristan Oliver
Musik
Maurizio Malagnini
Schnitt
Michiel Reichwein
Darsteller
Daniel Camargo (Franz) · Michaela DePrince (Schwan) · Vito Mazzeo (Doktor Coppelius) · Jan Kooijman (Frisör) · Darcey Bussell (Bürgermeisterin)
Länge
82 Minuten
Kinostart
16.12.2021
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Animation | Fantasy | Tanzfilm

Der Ballettklassiker „Coppélia“ aus dem Jahr 1870 wird mit visuellen Effekten in eine kunterbunte virtuelle Welt versetzt, in der animierte Figuren und Tanzstars miteinander agieren.

Diskussion

Über 150 Jahre ist „Coppélia“ schon alt, dieses heitere, graziöse Ballettstück, das Léo Delibes 1870 nach einem Libretto von Charles Nuitter komponierte. Die Handlung beruht auf der Erzählung „Der Sandmann“ von E.T.A Hoffmann; es geht um einen jungen Mann, der so sehr von einer lebensgroßen Tanzpuppe fasziniert ist, dass er darüber seine große Liebe vergisst.

Nun haben die Regisseure Jeff Tudor, Steven de Beul und Ben Tesseur den Ballettklassiker mit neu geschriebener Musik und visuellen Effekten in eine kunterbunte, virtuelle Welt versetzt, in der real gefilmte Stars der internationalen Ballettszene in animierten Sets tanzen. Choreografiert wurde das Ballett von Ted Brandsen, dem künstlerischen Leiter des Niederländischen Nationalballetts; zu den Produzenten gehört auch das deutsche Animationsstudio „MotionWorks“.

Der Film „Coppelia“ erzählt die Geschichte von Swan, einer temperamentvollen jungen Frau, die in einer Kleinstadt eine Saftbar betreibt. Täglich sieht man sie aus dem Haus kommen und mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Freundlich grüßt sie Nachbarn und Bekannte. Während sie ihre Bar auf dem Marktplatz öffnet, nehmen bereits ihre Freunde an kleinen Tischen Platz. Auch Franz, in den sie verliebt ist.

Endlich könnten alle schöner werden

Doch plötzlich kommt der diabolische Doktor Coppelius in den Ort, um eine gigantische Schönheitsklinik zu bauen. In Gestalt eines riesigen dunklen Turms mitten auf dem Platz, der das Stadtbild gänzlich verändert. Die Bewohner sind trotzdem begeistert. Endlich kann sich auch die Bürgermeisterin das Gesicht verschönern lassen.

Swan, Franz und ihre Freunde betrachten das Treiben in der Klinik allerdings skeptisch. Irgendetwas stimmt hier nicht. Dann wird auch noch Franz von der verführerischen Coppelia, einem künstlichen Geschöpf mit blonder Turmfrisur und schmaler Taille, mit einem Elixier betäubt. Willenlos folgt er ihr in die Klinik. Was führt dieser Doktor Coppelius im Schilde? Swan bleibt nichts anderes übrig, als mit ihren Freunden in die Klinik einzudringen.

„Coppelia“ erzählt seine Geschichte ohne Dialoge, nur durch Tanz und Musik. Die Choreografie von Ted Brandsen ist bezaubernd, die Kamera von Tristan Oliver folgt den Tänzern leichtfüßig und schwebend. Vor allem Michaela DePrince vom Niederländischen Nationalballett weiß als Swan mit ihrem Charme und ihrer Freundlichkeit zu überzeugen. Sie ist so etwas wie das Zentrum des Films, die starke Heldin; vieles sieht man aus ihrer Sicht, sie beobachtet, wie sich die Stadt verändert, aber auch die Menschen, von der Bürgermeisterin über ihre Mutter bis hin zum Bäcker.

Sich selbst treu bleiben

Swan ist die einzige Figur, die sich ihrer Stärke und Menschlichkeit bewusst ist und darum gegen Coppelius auflehnen kann. Denn das ist die unaufdringliche Botschaft: seine inneren Werte zu entdecken, sich selbst treu zu bleiben und sich nicht von äußerer Schönheit blenden zu lassen.

Eingebettet ist diese Geschichte in eine aufregend anzuschauende virtuelle Bilderwelt; besonders der Kontrast zwischen lebendigem Stadtleben und düsterer Klinik überzeugt. Die satten Farben sind perfekt aufeinander abgestimmt, die Verbindung von real gefilmten Tänzern (die in Ganzkörper-Anzügen vor einem „Green Screen“ agieren mussten) und computeranimierten Sets ist gelungen. Eine Episode aus Kurosawas „Träume“ oder der viel jüngere Film „Loving Vincent“, in dem die Figuren durch die Ölgemälde van Goghs wanderten, bieten sich als Vergleiche an. Allerdings gibt es einen großen Wermutstropfen, und das ist die seichte, monotone Musik von Maurizio Malagnini, der zwar einen eigenständigen Score komponiert hat, dabei aber gefällige Motive endlos wiederholt und deshalb an der Oberfläche bleibt. Von Léo Delibes, diesem großen Komponisten, ist keine Rede mehr.

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