OSS 117 - Liebesgrüße aus Afrika

Komödie | Frankreich/Belgien 2021 | 111 Minuten

Regie: Nicolas Bedos

Eigentlich in den Innendienst abgeschoben, kommt ein begnadeter, aber taktloser französischer Superspion zu Beginn der 1980er-Jahre doch wieder zum Außeneinsatz: Ein junger Kollege ist in einer afrikanischen Ex-Kolonie verschollen, während er einem mit Frankreich verbündeten Diktator im Kampf gegen kommunistische Umtriebe beistand. Die nicht durchweg stilsichere Agentenfilm-Parodie wartet mit vielen Bezügen auf die Ressentiments der Zeit gegenüber dem „Schwarzen Kontinent“ auf, die sie drastisch überzeichnet. Für die gelungenen Pointen sorgen vor allem zwei lustvoll aufspielende Hauptdarsteller. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
OSS 117: ALERTE ROUGE EN AFRIQUE NOIRE
Produktionsland
Frankreich/Belgien
Produktionsjahr
2021
Regie
Nicolas Bedos
Buch
Jean-François Halin · Nicolas Bedos
Kamera
Laurent Tangy
Musik
Anne-Sophie Versnaeyen
Schnitt
Anny Danché
Darsteller
Jean Dujardin (Hubert Bonisseur de la Bath/OSS 117) · Pierre Niney (Serge/OSS 1001) · Fatou N'Diaye (Zéphyrine Sangawe Bamba) · Natacha Lindinger (Micheline Pierson) · Wladimir Yordanoff (Armand Lesignac)
Länge
111 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Komödie | Persiflage | Spionagefilm

Heimkino

Verleih DVD
Koch
Verleih Blu-ray
Koch
DVD kaufen

Frankreichs selbstverliebter Chaos-Agent macht den "Schwarzen Kontinent" unsicher: Das dritte Abenteuer einer Filmreihe, die genüsslich 007 und Co. parodiert.

Diskussion

Man muss verstehen, dass die Rolle Frankreichs in den 1980er-Jahren alles andere als eine selbstbewusste ist. Der Kalte Krieg sorgt für globale Friktionen, und gleichzeitig werden immer mehr afrikanische Kolonien Europas unabhängig. Zudem ist das „Vaterland“ Frankreich gerade dabei, einen Linksruck zu erfahren, was sich 1981 in Form von offensiven Plakaten des sozialistischen Präsidentschaftskandidaten François Mitterrand unübersehbar vermittelt.

In diesem (politischen) Klima spielt der nach „OSS 117 – Der Spion, der sich liebte“ und „OSS 117 – Er selbst ist sich genug“ dritte Teil des französischen Agentenfilm-Reboots. Einst in den 1950er- bis 1970er-Jahren durchaus ernst gemeint, fungiert die 2006 gestartete Neuauflegung der Reihe als Parodie auf alle Agentenfilme im Allgemeinen und James Bond im ganz Besonderen. Jean Dujardin spielt die Titelfigur, die sich einst in acht Teilen sechs Darsteller teilten, als genüssliche Karikatur der alten Agentenfiguren und ihrer übergroßen Egos als Verkörperungen weißer, westlicher, männlicher Überlegenheitsfantasien. Dujardin macht das mit einem Flair, das den Charme eines Cary Grant mit dem Charisma eines Sean Connery verbindet und zugleich ironisch bricht. Kein anderer Darsteller seiner Generation kann so wunderbar unernsthaft ernsthaft spielen wie Jean Dujardin!

Chauvinismus durch den Kakao gezogen

Und so feiert denn auch in „OSS 117 - Liebesgrüße aus Afrika“ der durch den Kakao gezogene Chauvinismus und Rassismus fröhliche Urstände: Afrika, 1981 – ein Land (!), in dem sich Löwe und Giraffe gute Nacht sagen. Ungeheure Schätze gilt es nach wie vor auszubeuten. Eingeborene Helfer gibt es im Busch ja genug. Noch-Präsident Valéry Giscard d'Estaing hat mit starker Hand dafür gesorgt, dass Kolonien auch auf dem Weg in die Selbstständigkeit weiterhin eng an die väterliche Brust gedrückt bleiben. Seltsam, warum es da immer noch Tendenzen im Busch gibt, die Frankreich als rigide Kolonialmacht „missverstehen“.

Hubert Bonisseur de la Bath alias OSS 117 (Jean Dujardin) ist vielleicht in die Jahre gekommen, hat aber nichtsdestotrotz in Afghanistan gerade wieder das Gesicht der westlichen Welt gerettet. Da muss er mit Erstaunen zu Kenntnis nehmen, dass sein Chef daheim im Büro der Dienststelle für Auslandsdokumentation und Spionageabwehr gerade mit seinem Quasi-Nachfolger kokettiert. Serge alias OSS 1001 (Pierre Niney) alias Bob Nightingale soll nach Afrika, um in der Exkolonie Françafrique nach dem Rechten zu sehen. Dort scheint nämlich der neue Führer von Frankreichs Gnaden Koudjo Sangawe Bamba (Habib Dembélé) von konterrevolutionären kommunistischen Rebellen bedroht. Für OSS 117 ist indes auch gesorgt: Im Innendienst sorgt ein neues Gerät namens Computer mit einer schwer zu lernenden DOS-Software für Furore. Da wird jedwede Intelligenz gebraucht. Als Wochen später Hubert perfekt im Tastentippen ist, ist OSS 1001 verschwunden. Afrika ruft also, und OSS 117 hat dann doch seinen neuen Auslandsauftrag. Es gilt: Lage stabilisieren, Frauenbekanntschaften machen und OSS 1001 retten. Letzteres mit einem gewissen Widerwillen. Doch keine Fernreise, ohne Hubert noch einmal kurz in die dortige Etikette einzuweisen – eher erfolglos, versteht sich.

Kein Fettnäpfchen wird ausgelassen

„OSS 117 - Liebesgrüße aus Afrika“ ergötzt sich in Tabubrüchen. Nichts, was es an Fettnäpfchen bezüglich des „Schwarzen Kontinents“ und dessen Bewohnern gibt, wird ausgelassen. Allerdings nicht in hemmungsloser slapstickhafter Übertreibung, wie sie einst Leslie Nielsen in der „Nackte Kanone“-Reihe an den Tag legte, sondern eigentümlich dezent, sodass manche Zuschauer gar eine gewisse Befeuerung altgefestigter Vorurteile wittern könnten. Das Drehbuch von Jean-François Halin ist dabei nicht in allen Fällen geschmackssicher, sodass es nicht zuletzt an den Darstellern liegt, dass „OSS 117 - Liebesgrüße aus Afrika“ dennoch witzig bleibt. Jean Dujardins physische Präsenz, seine augenzwinkernde Nonchalance gepaart mit der Fähigkeit, selbst brachiale Vulgarität noch stilvoll zu zelebrieren, rettet seinen Hubert vor der totalen Unmöglichkeit. Unterstützung bekommt er von einem gut aufgelegten Pierre Niney, der seine Rolle des Serge alias OSS 1001 als Prototyp eines exaltiert schmierigen 1980er-Playboys ausarbeitet. Immer ein wenig selbstüberschätzt, doch immer ein klein wenig sympathischer als sein Kollege. Beide tragen den Film, auch wenn das restliche Ensemble tapfer um Aufmerksamkeit buhlt. Keine Chance!

Und so wirkt der Ausflug nach „Afrika“ immer ein wenig zum Fremdschämen, aber immer auch zum Lachen, wenn die OSSs nicht nur gegen die Russen kämpfen, sondern auch mit der Erkenntnis, dass ihre Vorurteile gegenüber den Afrikanern und Afrikanerinnen nicht mehr konform sind. Viele Spitzen in der französischen Originalfassung bleiben wohl den Nichtexperten französischer Kolonialpolitik verborgen. Namen und Fakten fallen in Nebensätzen und verfehlen ihre Wirkung beim Unkundigen. Dafür, dass der Film dennoch in der deutschen Synchronisation funktioniert, sorgt Oliver Kalkofe, der nicht nur OSS 117 seine Stimme leiht, sondern auch für das Dialogbuch verantwortlich zeichnet. Und das ist mitunter köstlich, wie auch die gesamte Synchronisation auf den Punkt gesprochen ist. „OSS 117 - Liebesgrüße aus Afrika“ ist sicher nicht der beste der Reihe. Das tut dem Spaß aber keinen Abbruch.

Kommentar verfassen

Kommentieren