Boonie Bears - Ein tierisches Abenteuer

Abenteuer | China 2020 | 98 Minuten

Regie: Leon Ding

Der schrullige Führer eines Naturparks will zusammen mit seinen beiden sprechenden Bären an einer Spielshow eines übermächtigen High-Tech-Konkurrenten teilnehmen, bei dem Menschen in Tier-Avatare verwandelt werden und durch eine artifizielle Natur streifen. Auf den Gewinner wartet ein hohes Preisgeld. Doch als das Computerprogramm außer Kontrolle gerät, gilt es nicht nur die Siegesprämie, sondern auch die Gäste zu retten. Weitere Kinoadaption einer chinesischen Animationsserie um einen Tollpatsch und seine beiden domestizierten Bären, in der auf hohem tricktechnischem Niveau jener atemlosen Reizüberflutung gefrönt wird, die der Film mit seinem Werben für Erlebnisse in der unberührten Natur eigentlich zu kritisieren vorgibt. - Ab 8.

Filmdaten

Originaltitel
BOONIE BEARS: THE WILD LIFE | XIONG CHU MO: KUANG YE DA LU
Produktionsland
China
Produktionsjahr
2020
Regie
Leon Ding
Buch
Tachi Cui · Rachel Xu
Musik
Roc Chen
Länge
98 Minuten
Kinostart
21.04.2022
Fsk
ab 6; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 8.
Genre
Abenteuer | Animation | Kinderfilm | Komödie

Animationsfilm um einen Naturparkführer und seine beiden sprechenden Bären, die in einem Vergnügungspark an einer Spielshow teilnehmen und sich und andere gegen ein verrücktspielendes Computerprogramm verteidigen müssen.

Diskussion

Am nächsten Morgen, kündigt ein geheimnisvoller Mann an, komme ein neues „Umwandlungsset“ auf den Markt, mit dem man die „Freiheit der Kindheit“ wiederentdecken könne. So erfährt man es zumindest von seinem Konstrukteur, der zwar noch unerkannt bleibt, aber während seines Monologs geheimnisvolle Computerchips in einem kleinen Hightech-Kästchen verklebt. Bis man herausfindet, was es damit wirklich auf sich hat und was ein Computerprogramm mit der „Freiheit deiner Kindheit“ zu tun hat, muss der Animationsfilm „Boonie Bears – Ein tierisches Abenteuer“ aber erst sein turbulentes Finale erreichen.

Zunächst taucht man erst einmal in den „Indian Summer“-rostroten Bergpark namens „Pine Tree Mountain“ ein, durch den der schrullige Glatzkopf Vick mit seinem uralten Bus kurvt und sich wie Bolle freut. Er hat endlich einen neuen Auftrag als Touristenführer ergattert und soll demnächst müden Städtern die wunderbare Schönheit der Natur näherbringen. Doch die Faszination modernster Technik, die im gerade wiedereröffneten Vergnügungspark „Wild Life“ auf zwingende Weise bedient wird, macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Denn die jung-dynamischen Besucher lassen die freie Natur lieber sausen, wenn sie in eine künstliche eintauchen können, in der sie sich ihre Sneakers nicht schmutzig machen und die so ist, wie sie sich diese in ihren Träumen ausgemalt haben.

Eine erfolgsversprechende Betriebsspionage

Für Vick bricht eine Welt zusammen, in der er sich schon als reicher Unternehmer sah, der fortan auf großem Fuß lebt. Seine beiden domestizierten Bären Briar und Bramble sehen das allerdings etwas pragmatischer. Warum nicht mal bei „Wild Life“ vorbeischauen und vom Erfolgsgeheimnis der Konkurrenz lernen? Das passt den beiden sprechenden Tieren auch deshalb in den Kram, weil auch sie lieber der menschlichen Unterhaltungselektronik frönen, als in den heimischen Wäldern nach Bienenhonig zu suchen.

Doch Spionage ist nicht der einzige Grund für ihren Ausflug. Es winken überdies auch eine Million Dollar für denjenigen, dessen Team bei einer Spielshow im „Wild Life“ den ersten Platz belegt. Vicks Chancen ständen gar nicht so schlecht, als er doch einen Schulkameraden trifft, der als Influencer erfolgreich ist und sein Team bereichern könnte. Doch dann darf Raymond beim Prominententeam mitspielen und Vick und sein Bär müssen mit dem unscheinbaren Nerd Leon vorliebnehmen.

Im Verlauf des Spiels kommt dann dem zu Beginn von „Boonie Bears“ so mysteriös angekündigten „Umwandlungsset“ eine tragende Rolle zu. Damit aber beginnt der inzwischen siebte Kinofilm um Vick und seine beiden Bären wilde Kapriolen zu schlagen. Im Bestreben, die knapp 676 schlichter gestrickten Teile der Fernsehserie in puncto dramaturgischen Anspruch zu toppen, entpuppt sich der Nerd Leon als Mastermind und Partner des raffgierigen Parkbetreibers, der eine nicht ausgereifte Technik zum Einsatz bringt. Die verwandelt die Besucher nämlich nicht nur in ihre jeweiligen Lieblingstier-Avatare und lässt diese virtuell Abenteuer bestehen, sondern macht aus ihnen im ungünstigsten Fall willenlose Monster, die aufeinander losgehen. Vick, Briar und Bramble kämpfen deshalb nicht nur um den Millionen-Gewinn, sondern müssen dabei auch noch die Welt retten.

Kindliche Imagination oder Reizüberflutung

Das chinesische Studio „Fantawild“, das für die meisten „Boonie Bear“-Filme verantwortlich zeichnet, will mit „Boonie Bears – Ein tierisches Abenteuer“ gleichermaßen unterhalten und sensibilisieren. Damit folgt es dem Erfolgsgeheimnis der japanischen Animationsfilme aus dem Hause „Ghibli“, in denen drängenden Probleme zwischen Klimawandel und einem friedlichen Zusammenleben der Menschen für die junge wie auch erwachsene Zielgruppe nähergebracht werden. Doch mit Vorbildern wie „Ponyo“ oder „Prinzessin Mononoke“ hat „Boonie Bears“ wenig gemein. Das Spektakel ist viel zu überladen und frönt überdies genau den Reizen, die es zu kritisieren vorgibt. Über zwei Drittel des Films wirken überzeichnet, hastig und atemlos. Sie präsentieren eine Welt, in der kindliche Imagination mit Reizüberflutung gleichgesetzt wird.

Erst im letzten Drittel bekommt der Kinderfilm die Kurve und zeigt nicht nur die Gefahren von Technikgläubigkeit auf, sondern präsentiert die Natur als Gegenentwurf: als wahren Erholungsort für die Seele. Das ist sympathisch und animatorisch nicht nur in den Actionsequenzen auf hohem Niveau. Dennoch bleibt unterm Strich kaum Raum, den jungen Zuschauern wirklich die Augen zu öffnen. Und so hoppelt der Reisebus von Vick am Ende zwar „kindgerecht“, aber weiterhin wie ein hektisches Känguru über Stock und Stein von „Pine Tree Mountain“. Entschleunigung geht anders.

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