The Violent Heart

Drama | USA 2020 | 89 Minuten

Regie:

Ein weißes Mädchen und ein afroamerikanischer Junge beginnen eine Beziehung, die unter keinem guten Stern steht. Der gewaltsame Tod der Schwester des Jungen, die Tatsache, dass dieser einst straffällig wurde und eine Jugendhaftstrafe verbüßen musste, und die Vergangenheit der Eltern des Mädchens überschatten die Liebe des Teenagerpaars. Die Mischung aus Liebesdrama und Thriller gelingt dem Film auf atmosphärischer, aber nicht auf dramaturgischer Ebene. Dafür bleibt die Charakterzeichnung zu oberflächlich und die Zuspitzung des Konflikts zu langweilig. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE VIOLENT HEART
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Buch
Kerem Sanga
Kamera
Ricardo Diaz
Musik
John Swihart
Schnitt
Joshua Raymond Lee
Darsteller
Kerem Sanga · Jovan Adepo (Daniel) · Grace Van Patten (Cassie) · Lukas Haas (Joseph) · Mary J. Blige (Nina)
Länge
89 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Drama | Krimi

Heimkino

Verleih DVD
Capelight
Verleih Blu-ray
Capelight
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Eine Mischung aus Liebesdrama und Thriller um ein weißes Mädchen und einen afroamerikanischen Jungen, die eine Beziehung beginnen, auf der jedoch Schatten der Vergangenheit liegen.

Diskussion

Die Rückkehr des Vaters aus Afghanistan löst wenig Begeisterung bei den Kindern aus. Beim ersten gemeinsamen Abendessen nach langer Zeit sitzen Tochter und Sohn still da und gehen früh ins Bett. Die Begeisterung gilt einem anderen Mann. Nachts schleicht sich die Tochter heimlich davon, um am Waldrand einen Fremden zu treffen. Ihr Bruder folgt ihr genauso heimlich mit seinem Fahrrad. Die Schwester und der Mann kichern, stehen dicht beieinander und stöhnen. Der Bruder starrt ungläubig. Zwei Schüsse durchbrechen das fröhliche Treiben. Der Junge sieht was, das die Kamera nicht sieht, und dieses Geheimnis verfolgt ihn noch fünfzehn Jahre später.

Mittlerweile arbeitet der jugendliche Daniel (Jovan Adepo) als Automechaniker. Er träumt davon, wie sein Vater zum Militär, zu den Marines, zu gehen, aber eine Prügelei, durch die ein Junge in der High School erblindet ist, weswegen Daniel ins Gefängnis musste, verhindert die Aufnahme in die US-Armee. In Nashville plant er mit Anwälten und Kommandeuren zu sprechen und diese zu überzeugen. Cassie (Grace Van Patten), ein Mädchen vom College und eine Kundin in seiner Autowerkstatt, möchte sich ihm auf dem Road-Trip anschließen. Anfangs wirken die beiden wie zwei Fremdkörper. Sie ist redselig, er schweigsam. Sie ist weiß, er schwarz. Doch Cassies Warmherzigkeit erwärmt die Reserviertheit von Daniel. Er nimmt sie mit nach Nashville.

Zu weiß oder zu schwarz

Das ist der Beginn einer Liebesgeschichte, die wenig Aussicht auf Chancen hat. Im Zentrum von „The Violent Heart“ von Kerem Sanga steht ein „interracial couple“, das von der Umgebung missbilligend betrachtet wird. Der jüngere Bruder von Daniel hält Cassie für „zu weiß“, und die Eltern des Mädchens misstrauen dem Freund ihrer Tochter wegen seines höheren Alters und seiner kriminellen Vergangenheit. Anders als zuletzt in „Waves“ von Trey Edward Shults, wo sich das Scheitern und das Gelingen zweier Beziehungen gegenüberstehen, gibt es hier keine Option auf Glück; die Zukunft von Daniel und Cassie steht unter keinem guten Stern.

Die Vorgeschichte von Daniels getöteter Schwester holt das Liebespaar ein. Cassie entdeckt im Internet, dass damals die Polizei den Fall nicht lösen konnte. Ein Schuldiger wurde nie gefunden – und die Frage, was damals wirklich geschehen ist, hängt wie ein Schatten über den beiden. Die junge Generation erbt unglücklicherweise die Last und Laster der Eltern, weswegen die Romeo-und-Julia-Parallele gar nicht so abwegig ist. Einmal wirft Cassies Vater, ein Lehrer, ihr vor, dass er und ihre Mutter von ihr am meisten enttäuscht sind, weil sie nichts von Daniel erzählt hat. Doch da hat Cassie ihn und sein eigenes Geheimnis bereits durchschaut: „Ich weiß nicht, warum Leute Beziehungen verheimlichen!“

Mehr Stimmung als Verdichtung

Die Mischung aus Liebesgeschichte und Thriller gelingt auf der Ebene der Stimmung erstaunlich gut: das ländliche Setting in Amerikas Midland, das kühle Wetter, die atmosphärische Musik von John Swihart. Doch leider mangelt es dem Film an tiefer gehender Charakterzeichnung und dramaturgischer Verdichtung. Cassie bleibt das nette, erschrockene Mädchen und Daniel der ruhige Freund, der sie notfalls verteidigt. Sein Dilemma, wegen seiner Vorgeschichte als jugendlicher Straftäter nun stets Selbstkontrolle und Zurückhaltung an den Tag legen zu müssen, um sich nicht seine Zukunftschancen zu verbauen, wird nur kurz angeschnitten. Zu einem sozialkritischen Kommentar wie der stilistisch und dramaturgisch stärkere „Waves“ schafft es die Liebesgeschichte von „The Violent Heart“ damit nicht. Die Tragik des Films ist das Fehlen einer ausformulierten Tragik.

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