Komödie | Großbritannien 2022 | 108 (9 Folgen) Minuten

Regie: David Kerr

Ein Mann kümmert sich als Housesitter um eine Luxusvilla mit wertvollem Inventar. Doch dann taucht eine Biene auf, und es entbrennt ein epischer Kampf Mensch gegen Insekt mit immer heftigeren Kollateralschäden. Eine Sitcom von und mit Rowan Atkinson in der Tradition seiner „Mr. Bean“-Auftritte, wobei aus der absurden Prämisse zu wenige pointierte Gags oder satirische Anspielungen entspringen, um über schlichte Blödel-Komik hinauszukommen. - Ab 8.

Filmdaten

Originaltitel
MAN VS. BEE
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
2022
Regie
David Kerr
Buch
Rowan Atkinson · Will Davies
Kamera
Karl Oskarsson
Musik
Lorne Balfe
Schnitt
Mark Davies
Darsteller
Rowan Atkinson (Trevor) · Jing Lusi (Nina) · Julian Rhind-Tutt (Christian) · Greg McHugh (Coleman) · India Fowler (Maddy)
Länge
108 (9 Folgen) Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 8.
Genre
Komödie | Serie | Sitcom

Eine britische Sitcom, in der Rowan Atkinson im Kampf gegen eine ihn nervende Biene eine Luxusvilla zerlegt.

Diskussion

Eines muss man Rowan Atkinson und seinen kreativen Partnern lassen: Sie trauen sich was. Eine ganze Serie, geschlagene neun Episoden für einen einzigen, nicht mal besonders guten Gag. Zugegeben, die einzelnen Folgen dauern meist nicht mehr als zehn Minuten, aber schon das kann wie die Ewigkeit erscheinen. Zu allem Überdruss wird dieser Gag schon in der allerersten Szene zu Ende erzählt. Da sieht man nämlich Trevor Bingley, einen gutherzigen, übermäßig tollpatschigen, also alles in allem typischen Charakter für Atkinson. Man könnte ihn Mr. Bean nennen, auch wenn das dem Darsteller nicht gefallen würde.

Dieser Bingley steht vor Gericht, weil er in seinem neuen Job als Haussitter in Abwesenheit der Besitzer eine moderne Villa samt deren kunst- und fahrzeughistorisch nicht unerheblicher Ausstattung in Schutt und Asche gelegt hat. Warum er das gemacht hat? Wegen einer Biene, sagt Bingley.

Murphy’s Law-Dramaturgie

Und das ist außer einer kitschigen Vater-Tochter-Beziehung und einem erzwungenen Twist bezüglich der ihn verklagenden Auftraggeber und deren Kunstsammlungen in der letzten Folge das Einzige, was man zu sehen bekommt: Atkinson im Kampf gegen eine Biene, und wie er als Kollateralschaden langsam, aber sicher die Einrichtung zerstört. Es fliegen Hämmer gegen Gemälde, der Hund „Cupcake“ wird mehrmals falsch gefüttert, die zahlreichen mit Codes verschlossenen Türen lassen sich nicht mehr öffnen, weil Bingley das Buch mit allen Passwörtern gleich zu Beginn in Flammen setzt. Also in etwa wie Loriots berühmter Sketch „Das schiefe Bild“, nur 30 Mal so lange, ohne wirklichen Einfallsreichtum und mit Biene.

Biene wäre hier ohnehin zu viel gesagt. Selten hat man ein derart stümperhafteres CGI (samt einer unerträglichen Einstellung aus Sicht des Insekts, die wirkt, als hätte ein Schüler mit dem Schnittprogramm herumexperimentiert) in einer professionellen Arbeit gesehen. Das ist natürlich fatal, zumal die Biene ja doch der nicht unerhebliche Antagonist ist.

Zu Beginn mag man noch an eine größere, klügere Metapher glauben, die dieser fetischisierten Murphy’s Law-Dramaturgie zu Grunde liegt. Schließlich kehrt der Protagonist seine Unfälle geflissentlich unter den Teppich, und seine Unschuldsmiene weicht schnell jener Selbstzufriedenheit, die Atkinson so karikaturhaft zeigt wie kein anderer Schauspieler. Er macht immer weiter, ganz so, als wäre nichts passiert.

„Parasite“ mit Mr. Bean?

Geht es hier also womöglich um den menschlichen Umgang mit der Erde? Das langsame Zerstören, während man alles so lange weiter unter den Teppich kehrt, bis die Risse auf der Oberfläche erscheinen? Auch wenn die Anwesenheit einer Biene, immerhin animalischer Poster-Star des Umweltschutzes, das nahelegen würde, lautet die Antwort: Nein. Wenn es hier einen Hintergedanken gibt, dann den der sozialen Klasse. Das ganze Setting erinnert sehr stark an „Parasite“ von Bong Joon-ho; ein wenig ist es fast so, als lautete der Pitch für dieses Projekt „,Parasite‘ mit Mr. Bean“. Die Biene ist eine Arbeiterbiene, Bingley ist ein Arbeiter. Beide leben einsam an diesem Ort der Reichen. Das muss hier als Unterbau reichen.

Dabei müsste alles gar nicht so tiefgründig sein, wenn die Gags funktionieren würden. Aber der Fremdscham-Slapstick holpert von Beginn an, auch weil schon in der ersten Szene klar ist, wohin das alles führen wird. Außerdem stimmt die Balance zwischen visuellen Gags, Albernheiten und Situationskomik nicht. Wenn eine dieser Formen aufgebaut wird, entsteht die Pointe oft anderswo. So muss man Gags aushalten, in denen Bingley kopfüber in Hundescheiße landet, obwohl es eigentlich um die merkwürdige Hundeklappe ging. Jacques Tati dreht sich im Grabe um!

Es bedarf einer besonderen Freude an Atkinsons Umgang mit Timing und seinen exaltierten Gesichtsausdrücken, um hiermit glücklich zu werden. Das ist vor allem deshalb schade, weil das absurde Potenzial des Aufeinandertreffens eines Mannes und eines winzigen Insekts durchaus vorhanden ist. Aber dazu müsste man das Insekt ernst nehmen und nicht nur die Idee, dass es auf Atkinson trifft.

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