Drama | Italien/Frankreich 2021 | 109 Minuten

Regie: Amanda Sthers

Ein zurückhaltender Buchhändler und eine attraktive Galeristin verlieben sich auf einer Party in London auf den ersten Blick. Doch der Mann ist verheiratet und hat ein Kind, und die Frau wird bald heiraten. Sie verzichten auf eine Trennung von ihren Partnern und auch auf eine Affäre, können einander aber nicht vergessen. Die unerfüllte Liebe bestimmt fortan ihr gesamtes Leben. Solides Melodram, das mit starken Emotionen und einigen kitschigen Momenten die große Liebe feiert, ohne allzu sehr in Sentimentalitäten abzudriften. Die beherzten Darstellerleistungen transportieren anrührend die zentrale Maxime der Romanze: Solange eine große Liebe unerfüllt ist, kann sie auch nicht sterben. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
PROMISES
Produktionsland
Italien/Frankreich
Produktionsjahr
2021
Regie
Amanda Sthers
Buch
Amanda Sthers
Kamera
Marco Graziaplena
Musik
Andrea Laszlo De Simone
Schnitt
Cristiano Travaglioli
Darsteller
Pierfrancesco Favino (Alexander) · Kelly Reilly (Laura) · Jean Reno (Großvater) · Cara Theobold (Jane) · Kris Marshall (Louis)
Länge
109 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Drama | Liebesfilm

Heimkino

Verleih DVD
SquareOne/Leonine
Verleih Blu-ray
SquareOne/Leonine
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Melancholisches Liebesdrama über zwei Menschen in London, die sich auf den ersten Blick verlieben, aber an andere Partner gebunden sind, sodass ihre Liebe vorerst unerfüllt bleibt.

Diskussion

Alexander (Pierfrancesco Favino) und Laura (Kelly Reilly) lernen sich an einem ungewöhnlichen Ort kennen. Der zurückhaltende Buchhändler italienischer Herkunft und die attraktive Galeristin begegnen sich auf einer Party in London, als Laura sich auf der Toilette einen Schnurrbart unter die Nase malen möchte, den alle Gäste tragen sollen, den sie aber vergessen hat. Als Alexander ihr dabei hilft und sich die beiden tief in die Augen sehen, ist klar: Es ist Liebe auf den ersten Blick. Doch es gibt Hindernisse. Denn Alexander ist bereits mit Bianca (Ginnie Watson) verheiratet und hat mit ihr eine kleine Tochter; Laura wiederum will im nächsten Monat den smarten Mel (Nick Rea) ehelichen. Trotz der unübersehbaren Anziehung verzichten Laura und Alexander darauf, eine Affäre zu beginnen oder sich von ihren Partnern zu trennen, und leben ihr bisheriges Leben weiter. Dennoch können sie einander nicht vergessen.

Ein Melodram auf verschiedenen Zeitebenen

Die 1978 geborene französische Romanautorin und Regisseurin Amanda Sthers, die bereits zehn Romane geschrieben und hier ihren gleichnamigen Roman von 2015 selbst verfilmt hat, erzählt diese tragische Liebesgeschichte nicht linear, sondern in einer eleganten Montage verschiedener Zeitebenen. In Rückblenden erfahren wir so, dass Alexander traumatische Erlebnisse hinter sich hat. Mit etwa zehn Jahren wird er gemeinsam mit seiner Mutter Zeuge, wie sein Vater bei einem Badeunfall in Italien ertrinkt. Und als junger Mann verliert er seine Jugendliebe Sandra (Alice Maselli), die versprochen hat, auf ihn zu warten, aber sich nach dem fortwährenden Missbrauch durch ihren Vater das Leben nimmt. Später lässt sich seine Frau von ihm scheiden, die vermutlich spürt, dass er eine andere stärker liebt.

Eine äußerst gespannte Beziehung hat Alexander auch zu seinem wohlhabenden italienischen Großvater, der ihn gerne als Nachfolger in seine Firma holen würde. Als der Großvater ihn bei einem Treffen in Rom wieder einmal wegen seines kleinen Ladens für wertvolle alte Bücher verunglimpft und ihm sagt: „Dich überlebe ich sowieso, genau wie deinen Vater“, kommt es zum endgültigen Bruch.

Filmische Reflexion über verpasste Gelegenheiten

Über Jahrzehnte hinweg begegnen sich Alexander und Laura mehrmals wieder. Schon in der zweiten Szene macht die Regie klar, dass das narrative Mosaik keine formalistische Spielerei ist, sondern in ein ästhetisches Konzept gebettet ist. Als Alexander einen alten Antiquar besucht, erweist sich dieser als Bewunderer von Marcel Prousts Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ und erklärt, dass wir uns die Zeit wie eine gerade Linie vorstellen, diese aber eine Spirale sei. Und er fügt hinzu: „Rückwärtsgewandete Nostalgie ist der Wunsch, dass Vergangenheit und Gegenwart ohne Vorwarnung in die Zukunft springen sollen, dass wir wieder die werden, die wir gewesen sind.“ Die filmische Reflexion über verpasste Gelegenheiten und unterbliebene Bekenntnisse umkreist sozusagen immer wieder die romantische Sehnsuchtsidee, man könnte die Zeit zurückdrehen und Fehler ausbügeln.

Das reizvolle Theorem liefert zugleich die Begründung für die geschmeidigen Schnitte zwischen den Zeitebenen. Wenn am Ende des genannten Dialoges mit dem Antiquar davon die Rede ist, dass man aus dem Haus gehen könne und auf einmal wieder ein Kind sei, sehen wir im nächsten Bild Alexander als Kind bei einem Bootsausflug mit seiner Familie. An einer anderen Stelle fungiert ein Kirchengeläut bei einer Hochzeit als akustische Brücke zum Besuch des 13-jährigen Alexander bei einem katholischen Geistlichen, der dessen Mutter eröffnet, dass der Knabe Priester werden will.

Griffe in den Kitschtopf

Leider erstreckt sich die erzähltechnische Kunstfertigkeit der Autorin, die drei Jahre für das Schreiben des Romans und fünf Jahre für die Kinoadaption benötigt hat, nicht immer auf die Dialoge, die des Öfteren mit Plattitüden aufwarten. Wenn etwa Alexander bei der Hochzeitsfeier seiner Tochter eine Rede hält, empfiehlt er den Brautleuten: „Die Liebe ist das wertvollste von allem.“ Und: „Achtet darauf, dass ihr die Liebe hochhaltet, die ihr füreinander empfindet.“

Um Alexanders Liebesleid auszudrücken, scheut sich Sthers in ihrem dritten Spielfilm nach „Madame“ (2017) und der Tragikomödie „Die Wurzeln des Glücks“ (2019) – beide ebenfalls nach eigenen Romanen – auch nicht, mal in den Kitschtopf zu langen. So zieht sich der liebeskranke Protagonist nach einer weiteren Enttäuschung in einen Palazzo seiner italienischen Familie zurück und verarbeitet seine Seelenpein mit Malen am Meer.

Der Film ist weitgehend aus der Perspektive von Alexander erzählt, der mit seinen teils traumatischen Erlebnissen einen weit größeren Anteil an der Erzählzeit erhält als Laura, über deren Vorgeschichte und familiären Hintergrund man nur Rudimentäres erfährt. Dementsprechend hat die Engländerin Kelly Reilly nur wenig Gelegenheit, mehr von ihrem Können zu zeigen, als geheimnisvoll zu schauen und reizvoll zu flirten. Im Vergleich dazu kann Pierfrancesco Favino aus dem Vollen schöpfen, um die vielfältigen seelischen Konflikte seiner Figur eindringlich auf die Leinwand zu heben.

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