Komödie | Dänemark 2021 | 98 Minuten

Regie: Thomas Daneskov

Ein Mann hat in seiner Midlife-Crisis genug von Familienleben und Job und entschließt sich daher, als Wilderer in den Bergen und Wäldern zu leben. Das Überleben in der Wildnis funktioniert jedoch weniger gut als erhofft. Nachdem er eher unfreiwillig eine Tankstelle überfällt, ist ihm auch noch die Polizei auf der Spur. Die dänische Tragikomödie spielt lustvoll und einfallsreich mit dem absurden „Going native“ seines Protagonisten und besticht durch trockenen Humor und schräge Typen. Dabei erzählt der Film durchaus mit Empathie von Figuren, die ihren Platz im Leben suchen, und rechnet zugleich mit einem veralteten, aber noch immer präsenten Bild von Männlichkeit ab. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
VILDMÆND
Produktionsland
Dänemark
Produktionsjahr
2021
Regie
Thomas Daneskov
Buch
Thomas Daneskov · Morten Pape
Kamera
Jonatan Rolf Mose
Musik
Ola Fløttum
Schnitt
Julius Krebs Damsbo
Darsteller
Rasmus Bjerg (Martin) · Zaki Youssef (Musa) · Bjørn Sundquist (Øyvind) · Sofie Gråbøl (Anne) · Marco Ilsø (Simon)
Länge
98 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Komödie

Heimkino

Verleih DVD
Koch
Verleih Blu-ray
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Komödie um einen Familienvater, der die nervige Zivilisation hinter sich lässt und ein Leben als steinzeitlicher Jäger und Sammler austestet.

Diskussion

Für Martin (Rasmus Bjerg) war es dringend Zeit für eine Veränderung. „Ich hatte alles so satt. Ich war einfach nur traurig“, erklärt der Ehemann und zweifache Familienvater. Glücklich hat ihn das Familienleben offenbar ebenso schon länger nicht mehr gemacht wie sein Job. Und so vollzieht er einen drastischen Schritt: Martin besorgt sich Pfeil und Bogen, zieht sich mehrere Schichten Felle über und begibt sich in die Berge, wo er jetzt als Wilderer und steinzeitlicher Jäger und Sammler sein Leben leben möchte.

Ein tragikomisches „Going native“

Auf dieser einfachen Prämisse basiert die dänische Tragikomödie „Wild Men“ von Regisseur Thomas Daneskov, der einen Mann in dessen Midlife-Crisis ins Zentrum der Geschichte stellt. Doch ausgeklügelt ist der Plan von Martin nicht. Das macht sich bereits früh bemerkbar, als er Hunger bekommt. Da das mit dem Jagen und Fischen nicht so gut funktioniert wie erhofft, versucht er bei einer naheliegenden Tankstelle sein Glück.

Doch Geld hat Martin nicht dabei. Und von der Idee, Pfeil und Bogen gegen Lebensmittel und Getränke zu tauschen, ist der Mitarbeiter wenig angetan. Als der Manager dazukommt, kommt es zu einer Auseinandersetzung, woraufhin Martin schließlich mit seiner unbezahlten Beute zurück in die Wälder der Berge flieht.

Trockener Humor und schräge Figuren

Es sind Szenen wie diese, mit denen Regisseur und Drehbuchautor Daneskov und sein Co-Autor Morten Pape den Plan von Martin ad absurdum führen. Der Film besticht durch herrlich trockenen Humor, der sowohl durch Dialoge, aber auch durch das Verhalten der Figuren entsteht. Durch die Reihe sind die Charaktere auf ihre eigene Weise schräg und skurril. Da sind etwa die beiden unbeholfenen Dorfpolizisten, die Martin suchen, und die nicht wissen, ob ihr Spürhund heute arbeitet, und zudem Sorge haben, nicht pünktlich nach der Arbeit nach Hause zu kommen. Einfallsreich und ohne Scheu vor Deftigem erzählt der Film von solchen Momenten.

„Wild Men“ wird nach kurzer Zeit zu einer Buddy-Komödie, wenn Martin im Wald auf einen am Bein verletzten Mann trifft. Martin hilft dem Unbekannten und versorgt – ebenso wenig professionell wie er zuvor jagen und fischen war – dessen Verletzung. Der Fremde nimmt die Hilfe gerne an und schließt sich seinem Helfer schließlich an. Was Martin im Gegensatz zum Zuschauer nicht weiß: Musa (Zaki Youssef) ist ein gesuchter Drogenschmuggler auf der Flucht.

Buddy-Film, Selbstfindungsreise und Tragikomödie

So absurd der ganze Plan von Martin und einzelne Szenen auch sind, so verkommt „Wild Men“ doch nicht zu einer Selbstfindungs-Parodie, die sich von lustiger Szene zu lustiger Szene hangelt. Vielmehr sind die grundsätzliche Empathie und das Verständnis spürbar, die der Film seinen Figuren und ihrer Suche nach dem Platz in ihrem Leben entgegenbringt. Unfähig, über seine Gefühle zu sprechen, sucht Martin in der Wildnis nach seinem Glück, während Musa irgendwann doch mit seiner Verbrecherkarriere hadert. Einer der beiden Dorfpolizisten ist zugleich Hausmann und versucht – wie es sonst eher den Frauen überlassen bleibt – Job und Beruf in Waage zu halten. Der Leiter der Polizeiwache würde lieber Fliegenfischen als Verbrecher jagen.

Als Gegensatz zu diesen Männertypen steht Anne (Sofie Gråbøl), die Frau von Martin. Sie wirkt als die vernünftige Instanz in dieser Geschichte, die mit klaren Worten nicht nur ebenfalls das absurde Verhalten ihres Mannes unterstreicht, sondern zugleich auch Martins Verständnis von Männlichkeit auseinandernimmt. Es ist ein eigentlich veraltetes, aber immer noch präsentes Bild von Maskulinität, mit dem der Film abrechnet. Das ist gleichermaßen unterhaltsam und komisch, aber immer auch mit nachdenklichem Tonfall präsentiert.

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