Serie: Channel Zero: Candle Cove (Staffel 1)

Eine Horror-Anthologieserie, die auf Geschichten des Fiction-Portals creepypasta beruht

Diskussion

Die Generation, die in den 1980er-Jahren als Teenager die Bücher von Stephen King und Genrefilme von Steven Spielberg und Co. verschlungen hat, ist mittlerweile erwachsen – und eine Zielgruppe von Mega-Erfolgen wie „Stranger Things“ und „Es“, deren Gruselgeschichten nicht zuletzt nostalgische Liebeserklärungen an jenes Jahrzehnt sind. Auch die Horrorserie „Channel Zero: Candle Cove“ spielt nicht von ungefähr teilweise in den 1980ern – und die Kleinstadt Iron Hill, der zentrale Schauplatz, wirkt wie eine Hommage an Stephen Kings Derry („Es“). Dabei ist der Stoff zugleich ein astreines Produkt des digitalen Zeitalters: Er stammt von einem jener Fiction- und Fanfiction-Foren, in denen Hobbyautoren gemeinsam Storys ausspinnen. „Candle Cove“ ist nur die erste Staffel einer mittlerweile auf drei Staffeln angewachsenen Horror-Anthologieserie, die auf Inhalten vonwww.creepypasta.com basiert; eine vierte Staffel ist bereits angekündigt. Das Ergebnis ist zwar nicht besonders originell, aber doch konzise genug geschrieben und vor allem solide genug inszeniert, um dem geneigten Publikum ein paar Stunden gepflegten Schauders zu bescheren. Dazu trägt nicht zuletzt bei, dass Schwächen in der jenseits der Hauptfigur nicht sehr ausgefeilten Figurenzeichnung von einigen guten Schauspielern aufgefangen werden, allen voran die Irin Fiona Shaw, die als Mutter des Helden eine der zentralen Nebenfiguren verkörpert.

Instrument des Grauens: Eine mysteriöse Puppentrick-Piratenserie, die in den 1980ern über die Bildschirme flackerte

„Erinnert ihr euch an Candle Cove?“ fragt der Kinderpsychologe Mike (Paul Schneider) bei einem gemeinsamen Abendessen mit alten Kindheits-Gefährten, die er bei seiner Rückkehr in seinen Heimatort Iron Hill wiedergetroffen hat. Die Frage löst merkliches Unbehagen aus. „Candle Cove“ – das war eine mysteriöse Puppentrick-Piratenserie, die in den 1980ern, als Mike und die anderen noch Kinder waren, über die Bildschirme geflackert ist. Kein Erwachsener hat sie je gesehen, niemand weiß, auf welchem Sender sie lief, doch alle erinnern sich an die Albträume, die ihnen die Geschichten um Pirate Percy, sein sprechendes Schiff, den Skelett-Mann Jawbone und die schnurrbärtige Robbe mit der Hakenhand beschert haben. Im Sommer, in dem die Serie lief, kamen in Iron Hill mehrere Kinder auf grausige Weise ums Leben; Mikes Zwillingsbruder Eddie verschwand spurlos. Mike wurde damals von seiner Mutter kurz nach dem Unglück zu Verwandten abgeschoben und hat die Stadt und ihre Menschen lange nicht wiedergesehen. Doch nun hat ihn etwas zurückgelockt nach Iron Hill. Und prompt geht es wieder los: die Kinder der Stadt hängen erneut gebannt an den Fernsehern, wieder scheint die Serie einen unheilvollen Einfluss auf sie auszuüben. Und ein seltsames Wesen, dessen Körper über und über mit Zähnen besetzt ist, treibt sein Unwesen.

Stephen King-Hommage mit gesenktem Anspruch

Wie in Stephen Kings Derry sind auch in Iron Hill die erwachsenen Bürger – bis auf Mike – blind gegenüber dem mit rationalen Mitteln nicht erklärbaren Bösen, das sich ihrer Kinder bemächtigt; auch hier reagieren sie auf das Unglück völlig inadäquat mit Verdrängung und Schweigen. Und wie in „Es“ werden auch in „Channel Zero: Candle Cove“ die zwei Zeitebenen immer wieder verschränkt: Rückblenden in Mikes Kindheit bringen allmählich Licht in das, was damals geschah, und stellen die Weichen für die erneute Konfrontation mit dem Unheimlichen.

Freilich bleibt die Serie wesentlich bescheidener in ihren Erzählabsichten als Kings im guten Sinne ausuferndes Opus Magnum „Es“, das mit Derry nichts weniger als ein abgründiges Zerrbild des „American Way of Life“ entwarf. „Channel Zero: Candle Cove“ beschränkt sich dagegen schlicht darauf, bedächtig, aber atmosphärisch durchaus wirkungsvoll allmählich das Bedrohungsszenario rund um Mike zu verdichten und dabei ziemlich geschickt mit kindlichen Ängsten zu spielen: Auch wenn die Puppenfiguren aus „Candle Cove“ eigentlich drollig aussehen, werden sie doch zur stimmigen Manifestation jener irrationalen Furcht, der man als Kind so viel wehrloser ausgeliefert ist als die Erwachsenen. Außerdem spielt die Serie als zusätzlichen Spannungsfaktor die Isolation ihres Helden aus, der als Außenseiter nach Iron Hill zurückkommt und es nicht nur mit der numinosen Macht aufnehmen muss, die hinter „Candle Cove“ steckt, sondern auch mit dem Misstrauen, das ihm entgegenschlägt.

Viel an Tricktechnik brauchen die Macher dabei nicht. Dass die Erzählsubstanz langfristig dann doch etwas dünn ist und vor allem die zwischenmenschlichen Beziehungen weitgehend blass bleiben, fällt in den sechs Folgen, die die erste Staffel umfasst, nicht allzu sehr ins Gewicht. Mehr hätte „Candle Cove“ aber auch nicht hergegeben.

Anbieter/Fotos: Universal

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