Filmbücher: Auslese

Donnerstag, 28.06.2018

Diskussion

Eingefleischte Cineasten sind meistens auch Leser – um mehr zu bestimmten Filmen, Filmemachern oder Filmthemen zu erfahren. Ab jetzt stellen wir regelmäßig Bücher rund ums Medium Film vor, die in den letzten Monaten erschienen sind.


Dennis Hopper. Photographs 1961-1967

Ein TASCHEN-Bildband gibt Einblick in fotografische Arbeiten von Schauspieler und Regisseur Dennis Hopper, der mit „Easy Rider“ Kultstatus erlangte

In den beiden ursprünglichen, im Jahr 2009 als „Art Edition“ und als „Limited Edition“ veröffentlichten Versionen war der Bildband von Dennis Hopper doppelt so groß und um ein Vielfaches teurer; die für Sammler gedachte „Art Edition“ kostete stolze 9.500 Euro. Auch jetzt wiegt der voluminöse Foliant aus dem Taschen-Verlag noch dreieinhalb Kilo und versammelt die von Hopper mitkuratierte Auswahl seiner fotografischen Arbeiten aus den Jahren 1961 bis 1967 bisweilen auf spektakulären Doppelseiten.

Es ist nicht die erste Veröffentlichung aus Hoppers fotografischem Werk, aber sicherlich die umfangreichste und auch zugänglichste, da sie die Bilder durch einführende Texte von Tony Shafrazi und Walter Hopps kontextualisiert; eine ausführliche Biografie aus der Feder der Journalistin Jessica Hundley, eine reich bebilderte Filmografie des Schauspielers bis inklusive „Easy Rider“ (1969) und zahllose Zitate aus Interviews binden die Schwarz-Weiß-Abzüge in Hoppers bewegtes Leben ein – und in die nicht minder bewegte Epoche. Beim Schmökern verliert man sich schnell in einer Ära, deren rebellische Verheißungen von Freiheit und Aufbruch sich in Kunst, Design, Musik und vielen anderen Bereichen der Lebenswelt spiegelten, als Aufbruch einer jungen Generation, die nach vorne, ins Offene drängte.


Für den 1936 auf einer Farm nahe Dodge City geborenen Hopper bildeten Kunst und das Kino von Kindesbeinen an einen Fluchtpunkt; er begann als Maler mit starken Anleihen beim Abstrakten Expressionismus, dessen Vorliebe fürs Momenthafte sich auch durch seine Fotografien zieht, die scheinbar aus dem Augenblick geboren sind, wenig Interesse an der Perspektive, aber dennoch ein waches Gespür für den historische Augenblick verraten; die bedrückende Montage von acht Fotografien über das Attentat auf US-Präsident John F. Kennedy, die Hopper vor dem Fernsehapparat in einem düsteren Hinterzimmer aufnahm, spricht Bände.

„Ich war ein Produkt der Filmindustrie, aber ich versuchte einen anderen Weg einzuschlagen. Ich machte deshalb Bilder in Schwarz-Weiß. Alle anderen fotografierten in Farbe. Ich benutzte Tri-X-Film, weil ich mit so viel natürlichem Licht wie möglich arbeiten und alles ohne Blitz aufnehmen wollte. Damit konnte ich auch nachts fotografieren. Meine Porträts waren gut und zeigten etwas, das irgendwie mit der realen Welt zu tun hatte“, erinnerte sich Hopper im Rückblick an seine Anfänge.

Legendär ist die Begegnung mit James Dean am Set von „...denn sie wissen nicht, was sie tun“, der den 18-jährigen Hopper in Bann zog und in seinem Interesse fürs Fotografieren bestärkt haben soll. Angeblich führte Hopper von da an immer eine Kamera mit sich. Für die Auswahl von „Photographs 1961-1967“ spielt allerdings auch eine andere Begebenheit eine Rolle: 1961 erhielt Hopper von seiner Ehefrau Brooke Hayward ein 35mm-Fotokamera von Nikon geschenkt, mit der die meisten hier versammelten Bilder aufgenommen wurden. Die Scheidung von Hayward im Jahr 1968 markiert dann zusammen mit seiner ersten Regiearbeit in „Easy Rider“ auch die Abkehr von der Fotografie, zu der Hopper nach turbulenten Jahrzehnten erst wieder im digitalen Zeitalter zurückkehrte, weniger euphorisch als in seinen Anfängen, eher neugierig und experimentell.

In den retrospektiv längst nicht mehr so wilden „Sixties“, als Hopper noch als „junges, gut aussehendes, von der Sonne geküsste blondes Wunder aus dem verlorenen Amerika der Fünfzigerjahre“ (Tony Shafrazi) erschien, spielte sich vieles draußen ab, on the road, auf dem Sprung. Immer wieder fotografierte Hopper aus dem Auto oder aus Innenräumen heraus Straße, Plätze, Verkehrszeichen, Menschen und Landschaften; oft vom Dunklen ins Helle, wie im Vorbeigehen, dynamisch-vital, fast wie im Spiel. „In Hoppers Fotografien findet ein ständiges Reisen statt, man ist immer unterwegs, nimmt stets etwas Neues wahr“, notiert der Herausgeber Shafrazi über Hoppers Kunst, die fließend in ausgedehnte Touren nach Mexiko oder England übergeht, in unterschiedlichste Milieus und Atmosphären, grisselig-analog bisweilen, aber immer mit der spürbaren Neugier und dem Gestus, stehenzubleiben und mehr erfahren zu wollen. Der Geist dieser bewegten, bewegenden Ära hat in den

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