Der Reiz der Widersprüche

Freitag, 20.07.2018

Ein Gespräch mit Schauspielerin Trine Dyrholm

Diskussion

Die dänische Schauspielerin Trine Dyrholm, bekannt geworden vor allem durch Filme von Thomas Vinterberg und Susanne Bier, spielt die Hauptrolle in Susanna Nicchiarellis Filmbiografie „Nico, 1988“. Darin verkörpert sie die deutsche Kultsängerin Nico (bürgerlicher Name: Christa Päffgen), die in den 1960er-Jahren als Aushängeschild der legendären Rockband Velvet Underground begann und nach einer schwierigen Solo-Karriere 1988 im Alter von nur 49 Jahren starb. Trine Dyrholm trägt diesen Film nicht nur als Schauspielerin, sondern auch als Sängerin. Es ist ihre eigene Gesangsstimme, die im Film zu hören ist.


Wie sind Sie zu dem Projekt gekommen?

Ich bekam eine Anfrage von Susanna Nicchiarelli, der Regisseurin des Films, sie ist Italienerin. Sie kannte ein paar meiner Filme und schickte mir das Drehbuch per E-Mail. Das hat mich sehr interessiert und wir trafen uns zur Besprechung in Kopenhagen. Ich sah auch ihre vorherigen Filme. Die Herausforderung, eine reale Person zu spielen, machte mich allerdings etwas nervös, auch wegen deren kompliziertem Charakter. Susanna sagte zu mir: „Du siehst nicht aus wie Nico, du singst nicht wie Nico, aber du hast den richtigen Spirit, ihren Charakter rüberzubringen. Wir kreieren damit nur unsere eigene Version von ihr.“ Das war für mich ausschlaggebend, Ja zu sagen. Es gemeinsam auf unsere Weise zu machen, unabhängig davon, was andere denken, wie Nico war.

Wussten Sie vor dem Film viel über Nico?

Ehrlich gesagt, nein. Ich hätte gut einer der Journalisten im Film sein können, die sie immer nur nach Velvet Underground und Andy Warhol befragen. Das war im Grunde schon alles, was ich von ihr wusste. Ich kannte von ihr die ikonenhaften Bilder und das Bananenalbum. Viel mehr wusste ich über sie nicht. Für mich war das eine weitgehend unbekannte Begegnung mit ihrer Welt.



Sie kannten das Velvet-Underground-Album?

Ich wusste, sie singt darauf nur drei Songs. Einen oder zwei davon kannte ich. Ich wusste nicht viel von ihr.

Gab es von Anfang an die Entscheidung, selbst zu singen statt Nicos Originalstimme zu verwenden?

Das gehörte zu Susannas Konzept. Sie wollte, dass die Schauspielerin eine eigene Version der Songs liefert. Max Viale, der die Filmmusik komponiert hat, hat auch die Songs re-arrangiert. Damit gingen wir dann ins Studio. Für uns war das die Schlüsselarbeit. Um zur Figur der Nico zu gelangen, mussten wir ihre Stimme finden. Deshalb haben wir eine ganze Zeitlang im Studio an den Songs gearbeitet, um herauszufinden, wie ich sie singen sollte. Im Film haben die Songs die Funktion von Monologen. Sie reflektieren die seelische Verfassung der Figur. Über die Stimme haben wir ve

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