Konfetti 29 – Peter W. Jansen

Donnerstag, 06.12.2018

Eine Hommage an die Sprachkunst des Filmkritikers Peter W. Jansen (1930-2008) und ihre bleibende Provokation

Diskussion

Lukas Foerster verbeugt sich im „Konfetti“-Blog vor der Sprachkunst des Filmkritikers Peter W. Jansen (1930-2008) und deckt nicht nur ihren Reichtum, sondern auch ihre bleibende Provokation auf. Insbesondere die, dass Sprache Filmen etwas hinzufügt, was ohne sie nicht existieren würde.


„Statt Kinderpornographie vor dem Internet ist [Stanley Kubricks] Lolitadas Internet vor der Kinderpornographie, kalt statt heiß, Medium statt Message, Datenbank statt Daten, Darstellung eines Beziehungsgeflechts eher als die Beziehung selbst, Parallelogramm der Kräfte der Geometrie der Machtverhältnisse, Schachspiel wieder, in dem jede Figur von der Bewegung der anderen Figuren bewegt wird.“

Stanley Kubrick bei den Dreharbeiten zu "Lolita"
Stanley Kubrick bei den Dreharbeiten zu "Lolita"

Dieser Satz seht in Peter W. Jansens zuerst 1997 im „filmbulletin“ erschienenen und nun in dem von Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen herausgegebenen Band „Peter W. Jansen. Publizist und Filmkritiker“ wiederabgedruckten Text „Wege zu Lolita. Kubrick/Friedkin – Losey/Waters – Kubrick/Lynch“. Er artikuliert eine Form von Sprachwitz, die sonderbarerweise gleichzeitig ornamental und ökonomisch ist und außerdem zwei Stilmittel zusammenbringt, die Jansens Prosa prägen: Zunächst die Invertierung eines adverbial gebildeten Ausdrucks, eine Umdrehung, die nicht einfach eine Umkehrung ist, sondern eher als die Rekombination einer gegebenen semantischen Gesamtmenge beschrieben werden kann: Alle Elemente und auch Allusionen des Ausdrucks werden wiederaufgenommen, aber in ein neues Verhältnis zueinander gesetzt. Anschließend folgen, in der grammatikalischen Form der Aufzählung, eine Reihe von Variationen des Ausgangsgedankens; der sprachgestalterische Freiheitsgrad wächst dabei sukzessive, gleichzeitig bewegt sich das Argument, gleichfalls schrittweise, vom allgemeinen zum Spezif

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