Das 40. Filmfestival Max Ophüls Preis

Montag, 21.01.2019

Das junge deutschsprachige Kino überrascht in Saarbrücken mit bunten Stoffen und mutigen Dramaturgien

Diskussion

Junge Mütter sitzen auf rosaroten Gymnastikbällen in einem strahlend weiß gestrichenen Dachgeschoss. Jede hält ihr Baby im Arm, die Hebamme hält eine Puppe, das melancholische Mädchen (Marie Rathscheck) hält nichts. Es will auch kein Baby, obwohl ihr eine Freundin von der Mutterschaft als letztem Lebenssinn schwärmt. Die Protagonistin aber will keinen neuen Biedermeier, keine Kleinfamilienidylle und keinen Prinzessinnen-Kitsch; sie ist aber auch weit von den hedonistischen Selbstverwirklichungsfantasien früherer Generationen entfernt.

In einzelnen Kapiteln sucht die wohnungslose Schriftstellerin mit Schreibhemmungen nach dem Sinn des Lebens und arbeitet sich dabei an Klischees von Weiblichkeit und Männlichkeit, an Kapitalismus und Postkapitalismus, Feminismus und Yoga ab – was für die Zuschauer höchst lehrreich und witzig ist.


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Das melancholische Mädchen“ von Susanne Heinrich ist ein ästhetisch durchkomponierter und vor allem klug durchdachter Film. In Saarbrücken erhielt das Debüt der dffb-Studentin den Max-Ophüls-Preis für den besten Spielfilm und den Preis der Ökumenischen Jury. Ein ungewöhnlicher Thesenfilm in Zeiten narrativer Monokultur, denn Susanne Heinrich erzählt literarisch verfremdet, fast poetisch: Aus dem Off und in den Dialogen sprechen die Protagonisten verlangsamt, pausieren unterkühlt, fast artifiziell. Dem entsprechen die Pastellfarben der Bilder und der Minimalismus des Szenenbildes.

Das elektrische Mädchen und andere Heldinnen

Das diskussionsfreudige melancholische Mädchen war die interessanteste von zahlreichen starken Frauenfiguren in einem sehr gemischten Wettbewerb. Zu ihnen gehörten auch die Protagonistinnen in „Stern“ von Anatol Schuster: Eine 90-jährigeKZ-Überlebende (Ahuva Sommerfeld) schwankt in dem einfühlsamen Drama zwischen Todessehnsucht und einem ausgefüllten Leben in Berlin-Kreuzberg, das durch die Nähe zu ihrer Tochter (Nirit Sommerfeld) und ihrer Enkelin (Kara Schröder) geprägt ist. Der Filmlebt von seiner charismatischen Hauptdarstellerin, deren markantes Gesicht und ihr teils trotziges, teils befreites Lächeln lange präsent bleiben. Mit spätsommerlicher Leichtigkeit beschreibt „Stern“ den

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