Das unabhängige US-Kino

Samstag, 02.02.2019

Politische Filme jenseits des US-Mainstreams formulieren eine kritische Perspektive auf das zerrüttete Land

Diskussion

Wie politisch ist das amerikanische Kino? Seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und den Debatten um „Diversity“ und das Geschlechterverhältnis scheint kritisches Denken in Hollywood ja en vogue zu sein. Echt Gegenpositionen zu den Missständen findet man jedoch meist nur im unabhängigen US-Kino – und das hat es trotz neuer Verbreitungswege über die Streamingdienste weiterhin schwer.


"Sie haben hier einst Brot gebacken, aber jetzt leben wir im Zeitalter der Krümel." (aus dem Film „A Bread Factory“ von Patrick Wang)

Charlie Chaplin war eine der ersten, weitverbreiteten Antworten vieler cinephiler Socia-Media-Nutzer auf den drohenden Kollaps der US-amerikanischen Demokratie, als Donald Trump im Herbst 2016 zum neuen US-Präsidenten gewählt wurde. Chaplins finaler Monolog aus „Der große Diktator“, ein Plädoyer für Humanismus und Toleranz, wurde zigtausend Mal geteilt und angeschaut.

Diese Szene wie der ganze Film haben nichts von ihrer Dringlichkeit und Relevanz verloren. Doch es ist bezeichnend, dass die englischsprachige Öffentlichkeit auf der Suche nach massentauglichem Kino-Widerstand auf einen Film aus den 1940er-Jahren zurückgreifen muss. Dabei hat kritisches Denken eigentlich Konjunktur in Hollywood. Gender- und Diversitätsdebatten haben ein merkliches, wenn auch oft sehr oberflächliches Umdenken eingeleitet. Eine ästhetische Revolution oder ein dezidiert politisches Kino hat das bislang allerdings nicht zur Folge; dafür ticken die Geldzähler des sich rapide verändernden Marktes zu unbarmherzig.

Davor sind auch unabhängigere Positionen im US-Kino nicht gefeit. Nachdem Streamingdienste wie Netflix oder Amazon zunächst wie eine existenzrettende Plattform für unabhängiges Filmschaffen wirkten, haben sich die Konzerne inzwischen mehr und mehr auf Flaggschiff-Produktionen und Serien verständigt. Zudem dominiert die Sundance-Maschine mit ihrer Betonung von starbesetzten Tragikomödien die „American Independents“, was den unscharfen Begriff weiter verwässert.

Einen sehr guten Überblick über das, was man wirklich unter unabhängigem US-amerikanischen Kino verstehen könnte, liefert seit einem Jahrzehnt das „Unknown Pleasures Festival“ in Berlin. Immer wieder wird man hier überrascht, welche grandiose Filme es gibt, die dann aber vom Markt verschluckt werden, als hätte es sie nie gegeben. Findet man dort oder in anderen Nischen des US-Kinos Stimmen des Widerstands? Natürlich, nur eben anders als man glaubt.


Man filmt, was man gern hat

Ein gutes Beispiel dafür ist der Filmemacher Patrick Wang. Sein Diptychon „A Bread Factory“ beobachtet verspielt und mit herzerwärmender Nähe zu den brillant gezeichneten Figuren das Leben rund um die titelgebende Brotfabrik, ein alternatives, von einer Frauengruppe enthusiastisch geleitetes Kulturzentrum. Die Ereignisse und Episoden rund um die in ihrer Existenz bedrohten Institution in einer K

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