„Wir waren damals alle Verrückte“

Freitag, 29.03.2019

Ein Interview mit Volker Schlöndorff zum 80. Geburtstag

Diskussion

Am 31. März 2019 feiert einer der meistprämierten deutschen Regisseure seinen 80. Geburtstag: Volker Schlöndorff. Trotz persönlicher Rückschläge und durchwachsener Kritiken für seine letzten Filme, bleibt er ein vitaler Mann im Unruhestand. Ein Gespräch über sein wildes Frühwerk, den Gemeinschaftssinn des deutschen Autorenkinos, Angela Merkel und sein filmisches Vermächtnis.


Sie sind seit fünf Jahrzehnten im Filmgeschäft und einer der international bekanntesten Vertreter des „Neuen Deutsches Films“. Nun feiern Sie Ihren 80. Geburtstag. Mit welchen Gefühlen sehen Sie auf Ihre Arbeit zurück?

Volker Schlöndorff: Das ist in der Tat eine lange Zeit. Und ich habe mich auch schon das ganze Jahr darauf gefreut, dass jetzt bald dieser runde Geburtstag kommt: Jetzt habe ich Narrenfreiheit. Ich muss mir oder anderen nichts mehr beweisen. Ich gehe überhaupt dem Alter mit einer großen Heiterkeit entgegen. Das heißt jetzt nicht, dass ich mit dem Filmemachen aufhören werde, aber ich werde sicherlich weniger machen und sehen, was sich ergibt. Erzwingen möchte ich vor allem überhaupt nichts mehr.


Im Booklet der „Best of Volker Schlöndorff“-Edition, die gerade bei StudioCanal erschienen ist, schreiben Sie über Ihr Oeuvre: „Manchmal muss ich mich schon wundern, was ich da so alles zustande gebracht habe. Klar, 50 Jahre sind ja auch eine lange Zeit, aber der Bogen von Robert Musil zu Fassbinder, von Margarethe von Trotta zu Sam Shepard, von Angela Winkler zu Dustin Hoffman ist gewaltig, so sehr, dass er auch mich einschüchtert und stolz macht. Das Schöne an der Sammlung ist für mich, dass alle diese Filme zusammenhängen.“ Was verbindet Ihre einzelnen Filme zu einem Gesamtwerk? Und worin sehen Sie Ihre besonderen Stärken als Regisseur?

Schlöndorff: Das überlasse ich lieber anderen. Ich glaube aber, dass ich schon durch die Besetzung einem Film eine Marke aufsetzen kann. Das dauert bei mir immer sehr lange. Ich meine: Was vereint meine Filme? Von „Baal“ wird immer Fassbinder bleiben, bei „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ Angela Winkler. Und was ist mein Markenzeichen? Dass man einem Menschen in einer Geschichte sehr, sehr nahekommt und mit ihr etwas Intensives erlebt. Das zieht sich bei mir von David Bennent in „Die Blechtrommel“ oder Sam Shepard in „Homo Faber“ bis zu meinem letzten verrissenen Film „Rückkehr nach Montauk“ hindurch, den ich trotzdem mag, weil man darin sieht, wie sehr ich Nina Hoss liebe. Natürlich haben alle diese Figuren etwas Romanhaftes in meinen Filmen. Ich kann mich als Zuschauer total mit ihnen identifizieren. Es geht hier nicht um große gesellschaftliche Analysen oder einzelne Filmmomente. Dieser Bogen zieht sich im Prinzip durch alle meine Filme.

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