Gegen das Glücksdiktat: Ein Interview mit Susanne Heinrich über „Das melancholische Mädchen“

Montag, 24.06.2019

Ein Gespräch über filmische Formen der Verfremdung und die Umkehrung des männlichen Blicks

Diskussion

Für ihren Debütfilm Das melancholische Mädchen gewann die Regisseurin Susanne Heinrich den Hauptpreis beim Festival Max Ophüls Preis in Saarbrücken. In einer lose zusammenhängenden Szenenfolge begibt sich die Titelfigur darin auf Sinn- und Glückssuche, was mit vielen ironischen Brechungen zur gewitzten Auseinandersetzung mit vorherrschenden Normen wird. Ein Gespräch über filmische Formen der Verfremdung und die Umkehrung des männlichen Blicks.

Zur Filmkritik von  "Das melancholische Mädchen" geht es hier.


Das melancholische Mädchen erzählt in 15 oftmals komischen Kapiteln von verschiedenen Begegnungen der Titelfigur in einer Großstadt. Was den Film politisch macht, kann man weniger anhand der Geschichte oder den Dialogen erklären als anhand der besonderen filmischen Form. Würden Sie dem zustimmen?

Susanne Heinrich: Das ist richtig. Ein Großteil der Aussage meines Films liegt in seiner Form. Es war mir wichtig, mich vom Naturalismus und den Psychologisierungen herkömmlicher Filme zu entfernen. Nachdem ich das Drehbuch innerhalb weniger Tage geschrieben hatte, fragte ich mich: Was ist das überhaupt? Wie will das gesprochen werden? Daraufhin habe ich mich mit klugen Leuten unterhalten, unter anderem mit einer meiner Dozentinnen an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, die ich sehr verehre. Sie meinte: Lies mal Brecht, schau dir den Verfremdungseffekt an. Dann habe ich mich auf diese Fährte begeben. Ich überzeichne den oft so alternativlos erscheinenden neoliberalen Alltag auf komische Art und zeige die Verhältnisse so modellhaft im Film, um den Blick auf Strukturen zu wenden. Ich will nicht bei der Psyc

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