Das Programm des 76. Filmfestival Venedig

Donnerstag, 25.07.2019

Die 76. „Mostra“ hat ihr Filmprogramm veröffentlicht. In der „Orrizonti“-Reihe läuft „Pelikanblut“ von Katrin Gebbe

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Neue Filme von Roman Polanski, Olivier Assayas, Steven Soderbergh, Atom Egoyan, Pablo Larraín und Robert Guédiguian: In der Liste des Wettbewerbs um den „Goldenen Löwen“ der 76. „Mostra“ (28.8.-7.9.2019) mangelt es wieder einmal nicht an namhaften Autorenfilmern, die seit Jahren zum erlesenen Zirkel der A-Festival-Favoriten gehören.

Wie schon im vergangenen Jahr sah sich die Auswahljury des Festivals, das am 28. August 2019 mit „La vérité“ des japanischen Regisseurs Hirokazu Kore-eda eröffnet, allerdings außerstande, das Schaffen weiblicher Filmemacher bei der "Löwen"-Konkurrenz einigermaßen repräsentativ zu würdigen: Die Australierin Shannon Murphy mit "Babyteeth" und die saudi-arabische Filmemacherin Haifaa Al Mansour mit ihrem Film „The Candidate“ stehen auf einsamem Posten.

Das neue Werk der Filmemacherin, der 2012 mit dem mitreißenden Jugendfilm „Das Mädchen Wadjda“ in Venedig der internationale Durchbruch gelang, ist zudem einer der Wettbewerbsfilme, die in deutscher Co-Produktion entstanden. Ebenfalls mit deutscher Unterstützung kehrt der Schwede Roy Andersson an den Lido zurück, wo er 2014 mit „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach den „Goldenen Löwen“ gewann.

Immerhin ist in den „Orizzonti“-Reihe eine Filmemacherin aus Deutschland bei der 76. „Mostra“ vertreten: Katrin Gebbe, die mit ihrem verstörenden Regiedebüt „Tore tanzt“ 2013 für Furore sorgte, eröffnet mit „Pelikanblut“ sogar die Nebensektion. Das Drama handelt von einer Frau und ihrer Adoptivtochter, deren Leben aus der Bahn gerät, als die Frau ein zweites Mädchen adoptiert und dieses bald gefährliche Seiten an den Tag legt.

Für Starrummel auf dem roten Teppich dürften die recht üppig vertretenen US-Beiträge sorgen: Regisseur Noah Baumbach hat für seinen Film „Marriage Story“ Scarlett Johansson, Adam Driver und Laura Dern besetzt; James Gray wartet in dem Science-Fiction-Thriller „Ad Astra“ mit Brad Pitt und Tommy Lee Jones auf, und in „The Laundromat“ von Steven Soderbergh wirken Meryl Streep, Gary Oldman, Antonio Banderas und Matthias Schoenaerts mit.

Besonders interessant verspricht „Joker“ des Regisseurs Todd Phillips zu werden, der mit Filmen wie der „Hangover“-Reihe und „War Dogs“ etwas aus der illustren Riege der Arthouse-Größen herausfällt; sein neuer Film ist eine Comic-Verfilmung, in der Titelrolle mit Joaquin Phoenix – die erste DC-Comicadaption, die es in den Wettbewerb am Lido geschafft hat.

Spannend könnte auch „Waiting for the Barbarians“ des in Kolumbien geborenen Regisseurs Ciro Guerra werden, der 2018 mit „Birds of Passage“ für Furore sorgte und dessen Serie „Green Frontier“ im August auch in Deutschland läuft (auf Netflix). „Waiting for the Barbarians“ ist eine Adaption eines Romans von J.M. Coetzee aus dem Jahr 1980 und prominent besetzt, unter anderem mit Mark Rylance und Johnny Depp.


Der Wettbewerb der 76. Mostra im Überblick:

„La verité“ (Eröffnungsfilm) von Hirokazu Kore-eda

„About Endlessness“ („Om det oändliga“) von Roy Andersson

„Ad Astra – Zu den Sternen“ („Ad Astra“) von James Gray

„Babyteeth“ von Shannon Murphy

„Ema“ von Pablo Larraín

„Gloria Mundi“ von Robert Guédiguian

„Guest of Honour“ von Atom Egoyan

„A Herdade“ von Tiago Guedes

„J’accuse“ von Roman Polanski

„Joker“ von Todd Phillips

„The Laundromat“ von Steven Soderbergh

„The Mafia Is No Longer What It Used to Be“ („ La mafia non è più quella di una volta“) von Franco Maresco

„Marriage Story“ von Noah Baumbach

„Martin Eden“ von Pietro Marcello

„The Mayor of Rione Sanità“ („Il sindaco del Rione Sanità“) von Mario Martone

„No. 7 Cherry Lane“ von Yonfan

„The Painted Bird“ von Václav Marhoul

„The Perfect Candidate“ von Haifaa al-Mansour

„Saturday Fiction“ („Lán xīn dà jùyuàn“) von Lou Ye

„Waiting for the Barbarians“ von Ciro Guerra

„Wasp Network“ von Olivier Assayas


Das komplette Programm des 76. Internationalen Filmfestivals in Venedig findet sich unter labiennale.org


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