„Mich interessieren Bruchstücke“: Alexander Hick über „Thinking Like a Mountain“

Mittwoch, 11.09.2019

Ein Interview mit dem Dokumentaristen über seine Erfahrungen und den Versuch, einen ethnografischen Film jenseits gängiger Erzählmuster zu drehen.

Diskussion

Schneemassen im Hochgebirge und Guerilla-Kämpfer gehörten zu den Risiken, mit denen sich Regisseur Alexander Hick auseinandersetzen musste, um seinen Film "Thinking Like a Mountain" zu realisieren. Darin dokumentiert er zusammen mit seinem Bruder und Kameramann Immanuel Hick das Leben und das Selbstverständnis der Arhuaco, eines indigenen Volkes in der Sierra Nevada de Santa Marta in Kolumbien, dem höchsten Küstengebirge der Welt. Ein Gespräch über Dreharbeiten unter erschwerten Bedingungen und den Versuch, einen ethnografischen Film jenseits gängiger Erzählmuster zu realisieren.


„Wenn diese Felsen sprechen könnten, würden sie die Geschichte des Widerstands erzählen“, heißt es am Beginn Ihres Doku-Essays „Thinking Like a Mountain“. Auf welche Widerstände sind Sie während der Dreharbeiten im kolumbianischen Hochgebirge gestoßen?

Alexander Hick: Auf viele, obwohl ich von der Sierra Nevada de Santa Marta im Nordosten des Landes schon bei meinem ersten Besuch absolut überwältigt war. Denn in diesem höchsten Küstengebirge der Welt leben vier indigene Gemeinschaften. Zum einen sind das die stark horizontal organisierten Arhuacos, bei denen ich ein Jahr gelebt habe: Hier werden alle Entscheidungen gemeinsam getroffen. Zum anderen leben dort aber auch noch die Kogis, die Kankuamos und die Wiwas, für die dieses Gebirge das „Herz der Welt“ ist.

Wie ist es Ihnen als weißer „Bonachi“ gelungen, das interkulturelle Eis zu brechen? Die Arhuacos leben schließlich in selbstgewählter Isolation und sind bekannt dafür, Menschen aus dem Westen mit großen Vorbehalten zu begegnen.

Hick: Die Arhuacos leben seit über 500 Jahren im Widerstand! Natürlich sind sie gegenüber Menschen und Einflüssen der westlichen Welt zunächst ziemlich misstrauisch. Das wusste ich und habe mich deshalb zusammen mit meinem Bruder Immanuel, der die meiste Zeit mein Kameramann war, gezielt vorbereitet. Eine Bedingung war von vornherein, dass wir nur zu Fuß und mit wenig Gepäck unterwegs sind. Karten waren nicht erlaubt, nur einen Kompass durften wir mitnehmen. In den ersten Monaten sind wir Hunderte Kilometer gelaufen. Mit einer kleinen Sony Alpha 7-DLSR-Kamera, drei Objektiven und etwas Essen zum Tauschen haben wir tausende Höhenmeter zurückgelegt, was ein irres Abenteuer war. Die Ressourcen waren knapp, und es gab auch Verständigungsprobleme. Trotzdem war diese Zeit total spannend, auch wenn alles jederzeit zu Ende hätte sein können.


     Das könnte Sie auch interessieren:

  • Filmdienst Plus

    Ich habe noch kein Benutzerkonto
Kommentar verfassen

Kommentieren