© Netflix (aus "The Umbrella Academy - Staffel 2")

Serien im Juli

Dienstag, 30.06.2020

Ein Überblick über den Serien-Nachschub der Streamingdienste

Diskussion

Superhelden sind stark, doch die Corona-Krise war stärker: Im Zuge des Corona-Lockdowns ist der Fluss neuer Comicverfilmungen ins Stocken geraten. Zahlreiche Neustarts haben sich von der ersten in die zweite Jahreshälfte 2020 verschoben: „New Mutants“, ein Ableger des „X-Men“-Franchise, ist nun für 27. August terminiert, „Wonder Woman 1984“ für den 1. Oktober; die „Avengers“-Heldin „Black Widow“ soll am 29. Oktober ihren Solo-Auftritt haben, und „Morbius“, der erste Film um den gleichnamigen vampirischen Antihelden aus dem Marvel-Universum, wurde gar aufs Frühjahr 2021 geschoben.

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Eine Wartezeit, die sich Genrefans immerhin durch Serien versüßen können – schließlich sind Superhelden-Stoffe längst nicht nur Material für Kino-Effektspektakel, sondern florieren auch im Heimkino, und dort dank der erzählerischen Spielräume des seriellen Erzählens nicht selten vielschichtiger als in den Blockbuster-Filmen. Zu den schönen Entdeckungen in dieser Hinsicht gehörte 2019 „The Umbrella Academy“, eine Adaption der gleichnamigen Graphic Novels von Gerard Way und Gabriel Bá: Die Serie um ein äußerst dysfunktionales Team von Superhelden emanzipierte sich auf kluge Weise von ihrer Comic-Vorlage und verschob den Schwerpunkt von der gängigen Superhelden-vs.-Superschurken-Action in Richtung psychologisches Familiendrama. Nach dem niederschmetternden Finale, in das Staffel 1 mündete, startet nun am 31. Juli bei Netflix eine neue Staffel, in der die „Umbrella Academy“ sich eine zweite Chance verschafft, die Welt (und sich selbst als Familie) zu retten.

"The Umbrella Academy - Staffel 2" (© Netflix)
"The Umbrella Academy - Staffel 2" (© Netflix)

Serien rund ums „Marvel Cinemativ Universe“

Disney+, Streaming-Heimstatt der Superhelden-Filme aus dem „Marvel Cinematic Universe“ und aus dem „X-Men“-Franchise, hält sich derweil mit Superhelden-Serien zurück. „The Falcon and The Winter Soldier“ sowie „WandaVison“, die ersten als Disney+ Original angekündigten Serien-Spin-offs um „Avengers“-Figuren, sollen zwar noch 2020 starten, doch genaue Termine wurden noch nicht angekündigt. Und die Serie „Marvels Agents of S.H.I.E.L.D.“ ergänzt Disney+ im Juli lediglich um die 4. und 5. Staffel. Das ist für Zuschauer gut, die diese noch nicht kennen, da sich die Serie darin zu erzählerischen Höhenflügen aufschwingt (einmal festgemacht an einem hochspannenden Konfliktstrang um künstliche Intelligenz und eine virtuelle Paralleldimension, einmal an einem ins Weltall vorstoßenden Zeitreise-Plot); da beide Staffeln aber längst als Video-on-Demand verfügbar sind, bringt der Disney+-Start für Fans der Serie nichts Neues; die deutschen Starts für Staffel 6 und 7 lassen indes weiterhin auf sich warten.

Eine Liebesgeschichte in „Normal People“

Aber es müssen ja nicht immer Superhelden sein! Auch die „Normal People“ erleben durchaus Erzählenswertes. So zum Beispiel in der gleichnamigen irischen Serie, die am 16. Juli bei Starzplay erscheint: Die Adaption des gleichnamigen Romans von Sally Rooney, den die Autorin zusammen mit zwei anderen Drehbuchautoren selbst adaptierte, kreist um eine wechselvolle Freundschaft und Liebe, beginnend in der Schulzeit eines Jungen und eines Mädchens in einer irischen Kleinstadt im County Sligo bis hin zum Leben als junge Erwachsene am Trinity College in Dublin.

Mit weniger romantischen Aspekten der Realität setzt sich die australische Miniserie „Stateless“ auseinander, ein Herzensprojekt der Schauspielerin Cate Blanchett, die hier nicht nur eine der Figuren verkörpert, sondern auch mitproduziert hat.

"Stateless" (© Netflix)
"Stateless" (© Netflix)

Es geht um ein Flüchtlings-Auffanglager irgendwo in der australischen Wüste, in dem sich die Schicksale von vier Menschen kreuzen; dabei werden unterschiedliche Perspektiven auf die Flüchtlingssituation eröffnet und verschiedenen Formen von Heimatlosigkeit nachgespürt, wobei nicht nur die Entwurzelung durch Migration, sondern auch andere Formen der Entfremdung eine Rolle spielen. Im Zentrum stehen unter anderem eine junge Frau, die sich in eine Sekte verstrickt hat, ein Mann aus Afghanistan, der seine Familie retten will, ein Lageraufseher und eine Beamtin aus der Verwaltung. Die Serie startet am 8. Juli auf Netflix.

Düsteres für helle Sommerabende: Neue Krimi-Kost

Außerdem gibt es im Juli reichlich Krimi-Nachschub. Sky wartet mit dem London-noir-Format „Gangs of London“ (ab 23.7.) auf, einer Mafia-Serie um blutige Machtkämpfe und einen Rachefeldzug in der Londoner Szene des organisierten Verbrechens. Der Sohn eines mächtigen Gangsterbosses will seinen ermordeten Vater rächen und zugleich die eigene Position als dessen Nachfolger behaupten. Regie führt unter anderem Gareth Evans, was die Erwartung weckt, dass die Serie mit Action-Choreografien Akzente setzt. Einen in den 1990er-Jahren angesiedelten Mafia-Stoff um den Kampf gegen die süditalienische Cosa Nostra liefert die zweite Staffel der italienischen Serie „Il Cacciatore“, die am 1. Juli bei Magenta TV startet. Der Stoff beruht auf den autobiografischen Schilderungen eines Juristen und kreist um einen engagierten Anwalt, der versucht, Mafia-Bosse vor Gericht zu bringen, ungeachtet des Korruptions-Netzwerks, das sie schützt.

Artwork zu "Il Cacciatore" (© CROSS PRODUCTIONS S.R.L. -BETA FILM GMBH -RAI RADIOTELEVISIONE ITALIANA S.P.A.)
Artwork zu "Il Cacciatore" (© CROSS PRODUCTIONS S.R.L./BETA FILM GMBH/RAI RADIOTELEVISIONE ITALIANA S.P.A.)

Amazon Prime wartet mit einer dritten Staffel der Serie „Absentia“ (ab 17.7.) auf, in der die weibliche Hauptfigur (Stana Katic) erneut ins Netz eines weite Kreise ziehenden Kriminalfalls gerät, der auch ihre Familie bedroht. Außerdem setzt Amazon die Serie „Hanna“ (ab 3.7.) um eine zur Elitekämpferin ausgebildete Jugendliche mit einer zweiten Staffel fort – der Stoff, der an die Filmvorlage „Wer ist Hanna“ anschließt und diesen in Staffel 1 allzu redundant aufgriff, verspricht nun etwas eigenständiger zu werden.

Den Anschluss an einen veritablen Genre-Klassiker sucht die HBO-Miniserie „Perry Mason“ die die gleichnamige, von Schriftsteller Erle Stanley Gardner ersonnene Anwaltsfigur in die Zeit der frühen 1930er-Jahre zurückversetzt, in der Gardner seinen ersten „Perry Mason“-Roman veröffentlichte. In der Miniserie ist Mason als privater Ermittler dem Fall eines ermordeten Kindes in Los Angeles auf der Spur und gerät dabei tief in den kriminellen Sumpf der „City of Angels“, in der trotz der Großen Depression dank Filmbranche und Öl-Boom das große Geld fließt. Sky zeigt die Serie ab 31. Juli.

Artwork zu "Perry Mason" (© Home Box Office, Inc.)
Artwork zu "Perry Mason" (© Home Box Office, Inc.)

„how to sell drugs online (fast)“ geht in die 2. Staffel

Kriminelles in absurd-komischem Stil kommt aus Deutschland: Netflix setzt ab 21. Juli die Serie „how to sell drugs online (fast)“ mit einer zweiten Staffel fort. Die Kreuzung aus Coming-of-Age-Stoff und Krimikomödie rund um einen Schüler, der zusammen mit einem Kumpel ins Drogengeschäft einsteigt und von zuhause aus online zu dealen beginnt, wurde jüngst mit dem Deutschen Fernsehpreis geehrt. In Staffel 2 müssen sich Hauptfigur Moritz (Maximilian Mundt) und sein Freund Lenny nicht nur mit dem Ausbau ihres zweifelhaften Business im Darknet herumschlagen, sondern auch noch mit dem ganz normalen Wahnsinn des Abitur-Jahres.

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