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Filmklassiker: „Flash Gordon“

Montag, 24.08.2020

Die Space-Opera-Parodie „Flash Gordon“ funktioniert auch vier Jahrzehnte nach ihrer Uraufführung glänzend und wirkt wie eine Zeitreise in die 1980er. Jetzt fürs Heimkino neu erschienen.

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„Flash! Ah-aaah... Savior of the universe!“: Schon die ersten Takte aus Queens fulminantem Score zu „Flash Gordon“ (1980) und der stakkato-artig geschnittene Vorspann reichen aus, um einen Jahrzehnte später wieder in die eigene 1980er-Jahre-Kindheit zurückreisen zu lassen. Mike Hodges’ Retro-Science-Fiction-Weltraumoper mit Sam Jones in der Titelrolle gelang mitten im „Star Wars“-Fieber („Krieg der Sterne“ war 1977 erschienen; „Das Imperium schlägt zurück“ feierte im gleichen Jahr wie „Flash Gordon“ Premiere“) eine glänzende Symbiose aus Comicstrip, Animation und Analogfilm, die das Genre „Space Opera“ mitreißend parodiert, den Betrachter aber auch bewusst blendet und ein Stück weit verstört.


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„Flash Gordon“ spaltete schon bei der Premiere im September 1980 die Gemüter. Ähnlich wie bei „Barbarella“ oder „Blade Runner“ entwickelte sich das ebenso schillernde wie selbstironische Science-Fiction-Abenteuer erst viele Jahre später zu jenem Kultfilm, der er bis in die Gegenwart (nicht zuletzt in Großbritannien) geblieben ist. Gewaltige Merchandisingumsätze und weltweite Fantreffen inklusive.

Federico Fellini und Sergio Leone lehnten ab

Die künstlerischen wie kommerziellen Auseinandersetzungen begann bereits in der langen Vorproduktion des gigantischen 20-Millionen-Dollar-Projekts, für das Produzent Dino De Laurentiis zuerst von Federico Fellini einen Korb bekam und im Anschluss auch noch von Sergio Leone. Beide italienischen Starregisseure kannten die populäre Comicfigur aus der Feder von Alex Raymond zwar aus ihrer eigenen Kindheit, doch weder Fellini noch Leone wollten daraus das global funktionierende „Samstagvormittagskino“ (Mike Hodges) kreieren, wie es dem Produzenten vorschwebte. Fellini wie Leone hätten einen deutlich ernsthafteren und dystopischeren Zugang zu dem Comic-Stoff bevorzugt, der zu Beginn der 1930er-Jahre und damit parallel zum Aufstieg der Faschisten in Europa in den USA entstand und 1936 als mehrteilige Science-Fiction-Serie mit Buster Crabbe in der Hauptrolle das erste Mal adaptiert wurde. Außerdem hatte sich, Ironie der Filmgeschichte, Mitte der 1970er-Jahre der damals noch unbekannte George Lucas erfolglos um die Filmrechte bei De Laurentiis bemüht und stattdessen kurz danach (s)eine eigene Weltraumoper konzipiert: „Star Wars“.

Die rote Gefahr aus dem Weltraum: "Flash Gordon" (© StudioCanal)
Die rote Gefahr aus dem Weltraum: "Flash Gordon" (© StudioCanal)

Längere Zeit sah es so aus, als ob Nicolas Roeg der geeignetste Kandidat für den Regiestuhl wäre. Ein Jahr lang arbeitete Roeg intensiv mit De Laurentiis und dem Drehbuchautor Lorenzo Semple jr. an einer adäquaten Umsetzung, bis auch Roeg offiziell wegen künstlerischer Differenzen das Handtuch warf. „De Laurentiis konnte mit meiner mythischen Einstellung zu dem Charakter Flash Gordons nichts anfangen“, kommentierte Roeg im Rückblick.

Stattdessen holte italienische Filmmogul schließlich den „Get Carter“-Regisseur Mike Hodges ins Boot, obwohl sich der anfangs ziemlich überrannt fühlte, wie er sich im lohnenswerten Bonusmaterial der digital restaurierten 4K-Fassung erinnert. „Ich wurde von Dino De Laurentiis aus Gründen engagiert, die ich bis heute nicht verstanden habe. Denn ich hatte von Science Fiction und Spezialeffekten überhaupt keine Ahnung und war eigentlich nur für die Fortsetzung eingeplant. Während der Dreharbeiten war ich mir nie sicher, ob dieser Film jemals das Licht des Projektors erblicken würde.“

Bombast-Chaos

Dem Filmemacher stand ein Team um Gilbert Tylor (Kamera), Malcolm Cooke (Schnitt), Danilo Donati (Szenenbild und Kostüm), Frank van der Veer und George Gibbs (Visuelle Effekte) zur Seite. Das ständige Improvisieren und die anhaltenden Probleme mit den extraterrestrischen Szenenbildern und Kostümen von Danilo Donati, für die ein eigener Hangar als Drehort angemietet werden musste, weil kein britisches Studio groß genug war, führten laut Hodges schließlich dazu, „dass wir überhaupt keine Ahnung hatten, wo wir anfangen sollten. Und ein Ende stand lange Zeit sowieso nicht fest, was die Anspannung steigerte, gerade auch, wenn Dino De Laurentiis selbst ans Set kam und die Arbeiten zusätzlich ins Stocken brachte.“

Hodges hatte auch mit der recht blassen Performance des Hauptdarstellers Sam Jones zu kämpfen, eines ehemaligen US-Marines und Models, der sich im Casting immerhin gegen Kurt Russell und Arnold Schwarzenegger durchgesetzt hatte. Da ihm aber deutlich markantere Nebendarsteller zur Seite standen, etwa Timothy Dalton als Errol-Flynn-ähnlicher Prinz Barin, Max von Sydow als Imperator Ming („Klytus, ich langweile mich. Welches Spielzeug kannst du mir anbieten?“) und der überragende Brian Blessed als Prinz Vultan („Gordon lebt?!“), gelang in der Summe dennoch ein unterhaltsames, vogelwild-subversives und visuell spektakuläres Weltraummärchen voller Scherz, Satire, Ironie und in rauschhafter Camp-Ästhetik.

Hat nicht gerade das Zeug zum Charakter-Mimen, macht aber dafür bella figura als Realversion der Comicfigur: Sam Jones (© StudioCanal)(
Hat nicht gerade das Zeug zum Charakter-Mimen, macht aber dafür "bella figura": Sam Jones (© StudioCanal)

Ein Märchen in einer Diskothek über den Wolken

In dieser ebenso seltsamen wie gewagten Mixtur aus popkulturellen Panoptiken, subkulturellen Untertönen und überraschend viel (Zeitgeist-)Erotik, die in erster Linie von Ornella Mutis selbstironischem Spiel als Prinzessin Aura ausgeht, besitzt „Flash Gordon“ abseits aller Farbexplosionen und Actionsequenzen gerade in den teilweise aberwitzigen Dialogen und Spruchbändern im letzten Drittel des Films durchaus Charme: „Willst du Ming, der Unbarmherzige, Herrscher des Universums, dieses Erdenwesen Dale Arden zur Imperatorin der Stunde nehmen und heiraten?“ – „Der Stunde, ja.“ – „Du schwörst sie zu benutzen, wie es dir gefällt?“ – „Ja, das schwöre ich.“ – „Sie erst in den Weltraum zu schießen, wenn der Tag gekommen ist, an dem du ihrer überdrüssig bist?“ – „Das schwöre ich.“

Natürlich wäre eine derartige Hochzeitsszene im „Star Wars“-Kosmos undenkbar. Im Vergleich zu George Lucas’ Weltraumsage strotzt Hodges’ Version geradezu vor phallischen Symbolen und nicht nur verbal angedeuteten SM-Praktiken oder nekrophilen Fantasien, was „Flash Gordon“ auch im Zuge aktueller Genderdebatten und sexueller Gesellschaftsdiskurse zusätzlich spannend macht. Im heterogenen Wechselspiel aus Knallchargen, überbordenden Szenenbildern sowie einer großen Portion Trash zählt „Flash Gordon“ weiterhin zu den „guilty pleasure“-Klassikern schlechthin. Oder um es in den Worten Pauline Kaels auszudrücken, die zur Verwunderung vieler den Film außerordentlich positiv besprach: „Flash Gordon ist wie ein Märchen in einer Diskothek über den Wolken.“

Artwork zu "Flash Gordon" (© StudioCanal)
Artwork zu "Flash Gordon" (© StudioCanal)


Diskografische Hinweise

Flash Gordon. Großbritannien 1980. Regie: Mike Hodges. Mit Sam Jones, Max von Sydow, Timothy Dalton, Brian Bleesed, Ornella Muti. 112 Min. FSK: ab 12: Anbieter: StudioCanal. Bezug: Im Fachhandel oder hier.

Anlässlich des 40. Leinwandjubiläums ist der Film in einer digital restaurierten 4K-Fassung bei StudioCanal in zwei Ausgaben erschienen. Die „Limited Collectors Edition“ (BD) wie auch die „Limited Steelbook Edition“ (4K UHD + BD) enthalten neben dem Film die Doku „Lost in Space: Nic Roeg’s Flash Gordon“ sowie Audiokommentare von Mike Hodges und Brian Blessed, „Behind the scenes“-Feature; Fotogalerie & Storyboard Galerie; ein Interview mit Mike Hodges; „Episode 24“ der Zeichentrickserie „Flash Gordon“(1979-1982), ein Feature zu Hauptdarsteller Sam Jones sowie weitere Featurettes, unter anderem zum Soundtrack und zu Flash-Gordon-Merchandises. Die „Limited Collectors Edition“ (BD) umfasst neben einem Bookletvor allem zahlreiche Specials: etwa die Dokumentation „Life After Flash“ (2017) sowie als Bonus-CD den Original-Soundtrack mit der Musik von Queen.

Die "Limited Collector's Edition" (© StudioCanal)
Die "Limited Collector's Edition" (© StudioCanal)

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