© arte (aus "Junior")

Der reinste Horror – Kurzfilme zu Halloween

Dienstag, 12.10.2021

Halloween-Special bei arte: Eine Auswahl von kurzen Filmen, die nichts für Zartbesaitete sind.

Diskussion
 Die französische Regisseurin Julia Ducournau avancierte 2016 mit ihrem Film „Raw“ zu einem der Shooting Stars des Horrorkinos; 2021 gelang ihr nun mit „Titane“, der die „Goldene Palme“ beim Filmfestival in Cannes errang, der ganz große Durchbruch. Arte präsentiert derzeit im Rahmen einer kleinen Kurzfilmreihe im Halloween-Monat Oktober, die unter dem Titel „Der reinste Horror – kurz und verstörend“ Filme versammelt, für die man laut Programmankündigung „starke Nerven braucht“, ein Frühwerk der Filmemacherin: Der 22-minütige Coming-of-Age-Film „Junior“ aus dem Jahr 2011, der bei den Kuzrzfilmtagen im Oberhausen mit dem Preis der Jugendjury geehrt wurde, ist ein Vorläufer zu Ducournaus erstem Langfilm „Raw“; die Protagonistin Justine (eine Entdeckung: Garance Marillier), die in „Raw“ als Studentin einen höchst beunruhigenden Hunger auf Menschenfleisch entwickelt, ist hier eine noch eine Schülerin, im Clinch mit der Schul-Hackordnung, mit ihrer sexuellen Identität und ihrer höchst unbehaglichen Körperlichkeit, die Ducournau und ihre Kamerafrau Claudine Natkin in suggestiven, gezielt mit der Unappetitlichkeit spielenden Bildern erkunden. Justine ist zunächst das, was man als „Tomboy“ bezeichnet: ein Mädchen, das sich dagegen sträubt, das zu sein, was die Gesellschaft um sie her als „weiblich“ ansieht, und am liebsten mit einer Gruppe Jungs abhängt – doch dann geht eines Tages Seltsames mit ihrem Körper vor sich, das Justine verwandelt…
Garance Marillier in "Junior" (arte)
Garance Marillier in "Junior" ( © arte)

„Junior“ arbeitet mit Elementen des Body Horrors, die man auch aus Ducournaus Langfilmen kennt, aber noch dezenter; der Kurzfilm ist vor allem eine großartig verdichtete weibliche Coming-of-Age-Story. Eingebettet ist er in eine kleine, feine Auswahl sehenswerter Filme. Dazu gehört u.a. ein weiterer Festival-Hit, der mit Mitteln des Horrors um die Verstörungen des Teenager-Alters kreist, der australische Zombie-Kurzfilm „I Love Sarah Jane“ (2018) um einen Dreizehnjährigen, der nicht gewillt ist, sich durch ein paar Untote davon abhalten zu lassen, dem Mädchen seiner Träume nahe zu kommen. Außerdem mit in der Auswahl: Der deutsche Kurzfilm „Huldra“ von John Boisen und Björn Fävremark, der auf die skandinavischen Mythen um die sogenannten Huldur oder Huldre zurückgreift, elfenhafte Naturwesen, die in zahlreichen Sagen und Märchen eine Rolle spielen. Zu den Highlights aus Frankreich, die die Reihe umfasst, gehört neben „Junior“ auch der 2010 entstandene Film „Angriff des Hirnsaugers – Riesenmonster aus dem Weltall“, eine stilistisch reizvolle, komödiantische Verbeugung vor den Monster- und Alien-Invasion-Filmen der 1950er.

Hier geht es zur Reihe in der arte Mediathek

Kommentar verfassen

Kommentieren