© eksystent (Der beste Film des Jahres: "The Trouble with Being Born")

Preis der deutschen Filmkritik

Mittwoch, 09.02.2022

Die Gewinner des Preises der deutschen Filmkritik 2021 stehen fest. Der Preis für den Besten Spielfilm geht an „The Trouble with Being Born“ von Sandra Wollner

Diskussion

Die Gewinner des Preises der deutschen Filmkritik 2021 stehen fest. Der Preis für den Besten Spielfilm geht an „The Trouble with Being Born“ von Sandra Wollner. Die Experimentalfilmregisseurin Dore O. wird für ihr Lebenswerk geehrt.


Der „Verband der deutschen Filmkritik“ (VdFk) verleiht in 12 Kategorien den „Preis der deutschen Filmkritik“. Zum besten Spielfilm des Jahres 2021 kürten die Kritiker und Kritikerinnen „TheTrouble with Being Born“ von Sandra Wollner. Der Film erzählt in kalten, beunruhigenden Bildern von Künstlichen Menschen, Begierden und den Gefühlen, die eine Androidin entwickeln kann. Die Regisseurin Sandra Wollner gewinnt damit schon das zweite Mal den Preis für den besten Film, da auch ihr Regiedebüt „Das unmögliche Bild“ 2017 mit diesem Preis ausgezeichnet worden. Und auch den Preis für die Beste Kamera geht an „The Trouble with Being Born“, dessen außergewöhnliche Bilder von Timm Kröger stammen.

Der Preis für das beste Spielfilmdebüt geht an „Neubau“ von Johannes Maria Schmit, der schwules Leben als neue Selbstverständlichkeit erzählt. Der Preis für das beste Drehbuch gewinnen Ramon und Silvan Zürcher für „Das Mädchen und die Spinne“.

Doppelt ausgezeichnet: "Das Mädchen und die Spinne" (Beauvoir Films)
Doppelt ausgezeichnet: "Das Mädchen und die Spinne" (© Beauvoir Films)

Ramon Zürcher wird zusammen mit Katharina Bhend auch mit dem Preis für den Besten Schnitt ausgezeichnet. Die Darstellerpreise erhalten Ursula Strauss für „Le Prince“ und Eugene Boateng für „Borga“. Für ihre Arbeit an Nikias Chryssos „A Pure Place“ werden John Gürtler und Jan Miserre mit dem Preis für die Beste Musik ausgezeichnet.

Zum Besten Kinderfilm wird „Sommer-Rebellen“ von Martina Saková gekürt, den Preis für den Besten Dokumentarfilm erhält Ute Adamczewski für „Zustand und Gelände“. Bester Kurzfilm ist „I Want to Return Return Return“ von Elsa Rosengren, „Elle“ von Luise Donschen wird als Bester Experimentalfilm ausgezeichnet.

Mit dem Ehrenpreis zeichnet der Verband der deutschen Filmkritik 2021 die Experimentalfilmregisseurin Dore O. aus.

Als einziger deutscher Filmpreis, der ausschließlich von Kritiker und Kritikerinnen vergeben wird, zeichnet der Preis der deutschen Filmkritik seit 1956 deutsche Filme aus, die nicht nach wirtschaftlichen, länderspezifischen oder politischen Kriterien bewertet werden, sondern ausschließlich nach künstlerischen. Über die Preisvergabe entscheiden Jurys aus Mitgliedern des Verbandes der deutschen Filmkritik.

Die Preise werden in diesem Jahr per Pressemitteilung verkündet. Die Ehrenpreisträgerin soll später im Laufe des Jahres mit einer physischen Veranstaltung in Berlin gewürdigt werden.

Das Pressedossier mit den Jurybegründungen finden Sie auf der Homepage des VDFK zum Download.



Die Preise der deutschen Filmkritik für das Jahr 2021


Bester Spielfilm

The Trouble with Being Born“ von Sandra Wollner

„Kannst du dich erinnern?“ In dieser scheinbar unschuldigen Frage eines jungen Mädchens offenbart sich ein ganz grundsätzliches Unbehagen, das weit über das philosophische Problem hinausgeht, welche Erfahrungen eine Erinnerung überhaupt erst konstituieren. Und wie weit sich unsere subjektiven Erinnerungen von dem, was sich tatsächlich ereignete, schon entfernt haben. Sind sie nicht ohnehin nur Projektionen, von einem Menschen, von einem Moment in der Vergangenheit? Verlusterfahrungen gehören zu den stärksten emotionalen Reaktionen, die wir durchleben können. Einen solchen Ausnahmezustand nimmt dieser kluge, fast analytische Film, halb Drama, halb Gedankenspiel, zum Ausgangspunkt einer Reflexion über das Verhältnis von Mensch und Künstlicher Intelligenz – und die moralischen Implikationen einer solchen Ko-Existenz. Mit präzise kadrierten, aber immer wieder ins Märchenhafte kippenden Bildern, die einen lichtdurchfluteten Sommertag am Pool genauso unvoreingenommen erkunden wie die schummrigen Interieurs einer Wiener Sozialwohnung, wiegt die Regisseurin ihr Publikum in moralischer Ambivalenz, oft am Rande der Zumutbarkeit. Viele mögen sich an „The Trouble with Being Born“ erinnern als einen Film über die inzestuöse Beziehung eines Vaters zu einem seiner verstorbenen Tochter nachempfundenen Androiden. Aber haben wir alle auch denselben Film gesehen? Denn die eigentliche Provokation Sandra Wollners und ihres Autors Roderick Warich besteht in der Frage, ob es wirklich so erstrebenswert ist, die Zukunft nach unseren menschlichen Vorstellungen zu gestalten.


Bestes Spielfilmdebüt

Neubau“ von Johannes Maria Schmit

Leben auf dem Land. Schwules Leben auf dem Land. Ist das ein Unterschied? Früher vielleicht einmal, aber nicht mehr heute, nicht mehr, wenn man dem Manifest für die Neue Selbstverständlichkeit folgt, das eine neue Ära des schwulen Kinos einläutet. Tucké Royale nennt sich der Autor, Schauspieler und Performancekünstler, der dieses Manifest geschrieben hat und in „Neubau“ unter der Regie von Johannes Maria Schmit eine vermutlich nur leicht verklausulierte Version von sich selbst spielt, einen Mann, der auf dem Land lebt und liebt. Und zwar Männer, aber das ist nicht Thema, sondern selbstverständlich. Und so sollte es ja auch sein.Laudatio: Michael Meyns (tip-Berlin) Beste Schauspielerin: Ursula Strauss – „Le Prince“ Elegant verkörpert sie eine Karrierefrau, die sich ohne Vorurteile zwischen den Milieus einer kontrastreichen Stadt bewegt. Offen setzt sie sich mit der Kultur ihres neuen Lebensgefährten auseinander und nimmt alle Komplikationen und Differenzen zwischen ihnen lösungsorientiert an. Ihre strenge Diszipliniertheit wirkt dabei nie unnahbar, sondern mit fein akzentuierten Schichten sensibel und charakterstark. Lachen wie auch Weinen lässt sie im Spiel authentisch zu, und glaubwürdig findet sie sich in den stetig neuen Verwicklungen der kulturellen Fremdheit zurecht, ohne dabei ihre eigene Autonomie aus den Augen zu verlieren. So kann sie sich bedachtsam Anerkennung erobern: nicht nur bei ihrem Partner und seiner Kultur oder in ihrem Beruf innerhalb des Films, sondern auch bei einem emphatischen Publikum.

Bestes Spielfilmdebüt: "Neubau" (Salzgeber)
Bestes Spielfilmdebüt: "Neubau" (© Salzgeber)

Bestes Drehbuch

Ramon Zürcher, Silvan Zürcher für „Das Mädchen und die Spinne“

Ein gutes Drehbuch stellt einen Ausgangspunkt für einen Film dar, das in der filmischen Welt zu einer eigenen Lebendigkeit findet. Dieses Drehbuch beweist das auf ganz außergewöhnliche Art und Weise. Die vermeintlich einfachen und neutral gesprochenen Sätze, welche die Figuren in wechselnden Konstellationen miteinander austauschen, eröffnen einen Blick in die Tiefe der Gefühle der Sprechenden. Sie lügen ohne rot zu werden und werfen ihren Freund*innen und Nicht-Mehr-Mitbewohner*innen Sätze an den Kopf, ohne den Ton zu wechseln. Diese Unfähigkeit miteinander zu kommunizieren und den eigenen Schmerz auszudrücken, lässt dieses sehr eigenwillige und tolle Drehbuch erfahrbar werden.


Beste Schauspielerin

Ursula Strauss in „Le Prince“

Elegant verkörpert sie eine Karrierefrau, die sich ohne Vorurteile zwischen den Milieus einer kontrastreichen Stadt bewegt. Offen setzt sie sich mit der Kultur ihres neuen Lebensgefährten auseinander und nimmt alle Komplikationen und Differenzen zwischen ihnen lösungsorientiert an. Ihre strenge Diszipliniertheit wirkt dabei nie unnahbar, sondern mit fein akzentuierten Schichten sensibel und charakterstark. Lachen wie auch Weinen lässt sie im Spiel authentisch zu, und glaubwürdig findet sie sich in den stetig neuen Verwicklungen der kulturellen Fremdheit zurecht, ohne dabei ihre eigene Autonomie aus den Augen zu verlieren. So kann sie sich bedachtsam Anerkennung erobern: nicht nur bei ihrem Partner und seiner Kultur oder in ihrem Beruf innerhalb des Films, sondern auch bei einem emphatischen Publikum.


Bester Schauspieler

Eugene Boateng in „Borga“

Stabil wie eine Rüstung, leicht wie ein Tuch. In diesen Anzug wächst man nicht mal eben so hinein: Er sitzt auf Anhieb oder er wird einem nie passen. Und wer ihn nicht mit der nötigen Ausstrahlung von Stil, Einfluss und Respekt zu tragen versteht, so erfährt der Held im Film, dem wird er immer eine Nummer zu groß bleiben. Die Szene beim Maßschneider ist der Schlüsselmoment, weil hier eine lange Reise ihr vermeintliches Ende nimmt. Das Konzept Heimat ist für unseren Helden zunächst kein Gefühl, vielmehr ein Fühlen – des edlen Stoffes, knisternder Geldscheine in der Tasche. Um dieses Gefühl schließlich glaubwürdig zu verkörpern – ungemein physisch und gleichzeitig anstrengungslos wie ein Tanz – braucht es schon einen Darsteller, der mit seiner Figur die Erfahrung von Heimat, die einem nicht gehört, die man ständig neu behaupten muss, teilt. Aufgewachsen in einem Land, in einer Branche, die für ihn lange nur ein begrenztes Rollenrepertoire im Angebot hatten, gab er nie auf. Statt dessen hat er sich seine Rolle einfach selbst geschaffen: Ko-Autor, Ko-Produzent, Hauptdarsteller. Dieser „Borga“ ist wahrlich ein Grenzgänger: zwischen zwei Kulturen, Ghana und Deutschland, unterschiedlichen Heimatgefühlen, Fremdwahrnehmung und Selbstbestimmung. Eugene Boateng zeigt eindrucksvoll, wie der deutsche Film im Jahr 2022 auszusehen hat.


Bester Schnitt

Ramon Zürcher, Katharina Bhend für „Das Mädchen und die Spinne“

Wie die Möbel, die hier erst zerlegt und dann wieder neu zusammengesetzt werden, ist die Montage der Bilder ein schrittweises Aufbauen und Arrangieren. Architektonische und emotionale Zusammenhänge entwickeln sich mit den Schritten von Umzugshelfern und Besuchern. Handwerker gehen ein und aus, Familienmitglieder bringen Brotzeit, Nachbarn schauen wehmütig herein, um Abschied zu nehmen. Im Zentrum eine Freundschaft, die in diesem Transitmoment zu zerspringen droht, weil Lisa aus der gemeinsamen WG mit Mara auszieht. Statische Bildkader werden zu Blicken, die durch den beengten Raum wandern und in diesem Kammerspiel Personen miteinander verbinden, bisweilen auch an ihnen abprallen, sich ineinander verkanten und so ein Eigenleben entwickeln. Mal verheimlicht ein Schnitt Bilder, rückt dann aber die Klangkulisse in den Mittelpunkt: das Hämmern, Klappern und Klirren des Umzugs, Hundegebell, ein Presslufthammer vor dem Haus und das wiederkehrende Walzermotiv, das die stoischen Kameraeinstellungen zu beschwingen scheint. Dieser Umzug ist nicht nur ein topografischer Übergang, sondern vor allem ein emotionaler, den Ramon Zürcher und Katharina Bhend mit Präzision und Rhythmusgefühl nachvollziehen.


Beste Musik

John Gürtler, Jan Miserre in „A Pure Place“

Ohne Musik gäbe es kaum einen atmosphärischen Raum: Sie verdichtet oder entschärft die gezeigten Stimmungen der Bilder, indem sie diese dominant überlagert oder dezent untergräbt. Der musikalische Farbraum aller Emotionen wird hier in Bewegung gesetzt und stetig neu akzentuiert: Von sanften Glocken bei leidvoller Unterdrückung, die sich sehnsuchtsvoll nach Freiheit sehnen, über feine experimentelle Disharmonien, die – nicht nur, aber auch – krankhafte Begehrlichkeiten unterstreichen, bis hin zu harten Bässen einer auch noch existierenden Realität. Die Klänge sind selbst manchmal aberwitzig gefangen zwischen dunkel und rein. In mysteriös schwebenden Verflechtungen, die zusammen mit „Hänsel und Gretel“ die märchenhaften Stimmungslandschaften erst vielfältig erfahrbar machen.

Klänge zwischen dunkel und rein: "A Pure Place" (Koch Films)
Klänge zwischen dunkel und rein: "A Pure Place" (© Koch Films)

Beste Kamera

Timm Kröger in „The Trouble with Being Born“

Distanziert und doch beharrlich schaut die Kamera hin, wenn das Androiden-Mädchen Elli einen Nachmittag mit dem Vater am Swimmingpool verbringt. Wie eine Kindheitserinnerung brennt sich das gleißende Türkis des glitzernden Beckens durch die Netzhaut, wabert das Wasser unter einer rudernden Heuschrecke und die aufmerksame Beobachterin bleibt sogar ruhig, als Elli leblos an der Oberfläche treibt. Eingeengt im Bild, das im klassischen 4:3 Format gefilmt ist, erscheint dieses vermeintliche Idyll wie ein Familienalbum, begleitet von den immer selben Geschichten. Gleichzeitig ist diese Kamera auch immer auf der Pirsch, schleicht durch den Wald, schaut durch Blätter hindurch zu, wie der Vater Elli aus dem Pool trägt und sie immer wieder unbehaglich zärtlich anfasst. Fensterspiegelungen, Fernsehbildschirme und Handyscreens erweitern diese eingeengte Welt nicht nur, sondern verstärken und beleuchten das moralische Unbehagen, das diese beinahe normale Vater-Tochter-Beziehung auslöst. Timm Krögers Kamera ist eine fortwährende Rückfrage an die Erinnerungen, die angeblich menschliche Identität ausmachen und blickt zugleich standhaft in die tiefe Leere, die sich in ihrem Schatten auftut.


Bester Dokumentarfilm

Zustand und Gelände“ von Ute Adamczewski

Die Kamera fährt, schwenkt, blickt unbewegt auf sächsische Ortschaften, Fassaden, Parkplätze, Straßenbegrenzungen. Oberflächlich ist der Zivilisationsbruch nicht zu sehen. Eine autarke, komplett postproduktiv gebaute Tonebene erzählt mit wechselnden Perspektiven von den sogenannten „wilden Konzentrationslagern“, in denen 1933 die politische Opposition zum Schweigen gebracht wurde. Ute Adamczewskis Suche nach den Orten, die davon erzählen könnten, es aber nicht tun, führt in Bilder hinein, die nichts mit den archivierten Ikonografien von Lagern und Gewaltherrschaft zu tun zu haben scheinen: Turnhallen, Fabrikgebäude, Schützenhallen, Gaststätten oder ein unscharf erinnerndes DDR-Mahnmal, das nach 1989 für einen Supermarkt versetzt wurde. Was sie mit den Aufzeichnungen über die jähen Anpassungen von Justiz, Polizei und Verwaltungen an die jeweilige politische Ordnung zu tun haben könnten, rückt hier, wie Alejandro Bachmann Ute Adamczewskis Methode beschrieben hat, den Erfahrungsort des Kinos in unsere Nähe. Dort vermitteln sie beunruhigende Gewissheiten: Zivilisation ist brüchig, Geschichte wird interpretiert und Erinnerung überarbeitet.


Bester Kinderfilm

Sommer-Rebellen“ von Martina Saková

Martina Saková gelingt in ihrem Debütfilm das Kunststück, nicht nur eine leichte, sommerliche Coming-of-Age-Geschichte ihres elfjährigen Helden Jonas zu erzählen, sondern auch die Erfahrungen seines Großvaters Bernard einzubeziehen und fast beiläufig auch noch den Tod des Vaters angemessen zu thematisieren. Mit impressionistischer Transzendentalität und Tiefe, der überragenden Kamera von Jieun Yi, einem starken Ensemble und einer so ungewöhnlichen wie mitreißenden Filmmusik fügt Saková diese Themen aber nicht nur einfach zu einem überzeugenden Ganzen zusammen, erzählt nicht nur vom Zusammenwachsen und Zusammenhalten von unglücklichen Menschen, sondern genauso vom Zusammenwachsen eines jungen Europas, das dieser Film so subtil wie klug als weiteren Protagonisten in den erzählerischen Raum stellt.


Bester Kurzfilm

„I Want to Return Return Return“ von Elsa Rosengren

Die Vorstellung einer linear verlaufenden Zeit greift in der alltäglichen Erfahrung meist nicht: Sie wallt sich auf, quillt unstet in alle Richtungen und rieselt doch feinsandig durch die Finger, sobald man den Moment bewahren will. Zeit ist vor allem ein Gefühl – etwa an drückenden Spätsommertagen: „I Want to Return Return Return“ zeichnet Kreuzberg als einen Ort, an dem sich die widerstrebenden Bewegungen von Nostalgie und Aufbruch in wachsweiche 16mm-Bilder gießen. In dokumentarischem Duktus zeigt Elsa Rosengrens Film wartende Figuren, die sich selbst spielen. Sie spielen Kiezromantik und Kulturclash, Ausgehfreude und gepflegte Griesgrämigkeit. Es geht weder vor noch zurück. So verharren die Figuren in einem konservierten Berlinbild, durch das selten die Idee des Fortschritts zuckt. Stilsicher baut Rosengren an einem Reflexionsraum über Gentrifizierung und Starrsinn einer zeitlos gewordenen Stadt, der in dieser Form auch jede andere selbstbetitelte Kulturmetropole betreffen könnte.

"I Want to Return Return Return" (dffb)
"I Want to Return Return Return" (© dffb)

Bester Experimentalfilm

Elle“ von Luise Donschen

Mit „Elle“ gelingt Luise Donschen etwas, was nicht oft gelingt. Sie lässt uns für einige Minuten eines unheimlich präzisen und doch zerbrechlichen Zusammenspiels von Bild, Ton und Schnitt das wahrnehmen, was sonst in der endlosen und unerklärlichen Flüchtigkeit des Lebens verweht wird, nämlich die wundersame Schönheit von Begegnungen und der Orte, an denen sie stattfinden. Fast könnte man glauben, dass „Elle“ von den Pflanzen im Botanischen Garten Kyotos gedreht wurde, den Vater und Kind im Film besuchen. Zumindest interessieren sich die Bilder für etwas, das tiefer liegt, als wir Menschen normal wahrnehmen. So entsteht ein Raum zwischen den Bäumen, Büschen, Blumen und Menschen, in dem auch ohne gemeinsame Sprache kommuniziert wird. Die gemeinsame Sprache, das ist das Sehen, das Hören, das Fühlen, das Kino. Was genau zwischen den Menschen kommuniziert wird, ist schwer zu greifen, aber es erinnert einen daran, dass man lebendig ist. Eine Rückbesinnung voller Wärme und Notwendigkeit und zugleich ein Fenster in die Fremde zeigt uns „Elle“ was möglich wäre, würden wir nur mit offenen Augen und Herzen in die Welt treten.

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