© goEast (aus „Taubes Gestein“)

In den Ruinen unserer Welt: GoEast 2022

Montag, 02.05.2022

Das 22. GoEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films in Wiesbaden

Diskussion

Die 22. Ausgabe des Festivals des mittel- und osteuropäischen Films GoEast (19.-25.4.2022) fand in diesem Jahr wieder vor Ort in den Wiesbadener Kinos statt, punktete mit starken Filmen im Wettbewerb und der Sektion Bioskop, stand aber unter dem Eindruck des Krieges in der Ukraine; mehrere Filme erinnerten daran, dass die Kampfhandlungen bereits seit acht Jahren andauern. Auch Werke aus Rumänien, Bulgarien und Bosnien-Herzegowina hinterließen nachhaltigen Eindruck.


Die gute Nachricht zuerst: In diesem Jahr fand GoEast wieder analog statt. War das Festival 2021 fast komplett ins Netz ausgelagert worden, durfte das Publikum die Filme nun vom 19. bis 25. April wieder im Kino genießen. Es erschienen 200 Gäste aus der internationalen Filmbranche, es gab wieder Kontakte zwischen den Festivalbesuchern und es fanden Publikumsgespräche und Partys in Wiesbaden statt. Presse- und Branchenvertreter konnten außerhalb der hessischen Landeshauptstadt zahlreiche Filme auch online schauen. Ein kleines On-Demand-Programm von acht Filmen stand für reguläre Zuschauer zur Verfügung, die die Wiesbadener Kinos nicht persönlich aufsuchen konnten.

Die schlechte Nachricht, die wie ein Schatten über dem Festival schwebte: Das Festival fand zu Kriegszeiten statt. Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hatte auch konkrete Auswirkungen: Aktuelle russische Filme, die mit staatlicher Förderung entstanden sind, wurden aus dem Programm genommen. Das betraf im Wettbewerb Aleksej German Juniors Film „House Arrest“ und „Donau“ von Ljubov Mulmenko, die laut Festival „von den Filmschaffenden zurückgezogen“ wurden. „Detours“ von Jekaterina Selenkina war für die Sektion Bioskop vorgesehen. Die Crew zog den Film in Absprache mit dem Festival zurück und veröffentlichte sogar ein Statement, in dem sie Putin und den Krieg ausdrücklich verurteilte. Die schreckliche Realität holte das Festival auch sehr konkret ein: So wurde der litauische Filmemacher Mantas Kvedaravicius, dessen Dokumentarfilm Mariupolis (er feierte 2016 auf der Berlinale Premiere) auf dem Festival als Special lief, Anfang April in Mariupol – höchstwahrscheinlich gezielt von russischen Soldaten – getötet.


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Acht Jahre Krieg in der Ukraine

Dass in der Ukraine nicht erst seit dem 24. Februar dieses Jahres Krieg herrscht, sondern die Gebiete im Osten des Landes bereits seit acht Jahren unter kriegsähnlichen Zuständen leiden, fing Kvedaravicius in seinem Film ein, der zeigt, wie Mariupol schon 2014 zum Schauplatz der Kämpfe zwischen prorussischen Separatisten und den Truppen der ukrainischen Armee geworden war. Auch der beeindruckende ukrainische Dokumentarfilm Taubes Gesteinvon Taras Tomenko vertieft dieses Sujet. Im Osten des Landes folgt er einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die tiefe psychische Narben vom Krieg davongetragen haben. So zeigt Nastja ihr einstiges Haus, das nun komplett zerbombt ist und in dem vor einigen Jahren ihr Vater so schwer von Granatsplittern getroffen wurde, dass er später seinen Verletzungen erlag. Nun lebt Nastja mit Bruder und Mutter bei der Großmutter. Dennoch schaffen sich die Kinder durch die Jahreszeiten hinweg ihren Raum zum Spielen: Etwa auf Kohleschutthalden, wo sie Drachen steigen lassen, Fahrrad fahren oder rauchen. Im Sommer schwimmen sie in einem Becken, von dem man nicht weiß, ob es der Keller eines ausgebombten Hauses oder eine ehemalige Schwimmhalle ohne Dach ist. Manchmal sammeln Nastja und ihr Freund Jarik Schrott, den sie aus zerstörten Häusern bergen. Das ist sehr mühsam, verschafft ihnen aber ein kleines Taschengeld. Oder die Kinder singen zu viert Weihnachtslieder in mehrstöckigen Mietskasernen und teilen das verdiente Geld unter sich auf.

Der schon mehrfach preisgekrönte ukrainische Film „Klondike“ war auch in Wiesbaden Teil des Programms (© Kedr Film/KLONDIKE MOVIE)
Der ukrainische Film „Klondike“ (© Kedr Film/KLONDIKE MOVIE)

Der sehenswerte Film operiert mit langen Einstellungen, enthält sich jeglicher Kommentare und lässt seine ausdrucksstarken Bilder und seine anrührenden echten Helden für sich sprechen. Trotz aller ihrer Nöte lässt Nastja, die schon 14 ist und einen Pass beantragt hat, es sich nicht nehmen, abends auch in einer Disco zu tanzen. Angesichts der versehrten Örtlichkeiten in diesem Film denkt man unwillkürlich an die jetzige Zerstörung in anderen ukrainischen Städten und wünscht den jungen Protagonisten des Films, dass sie nicht noch mehr Leid ertragen müssen. „Taubes Gestein“ erhielt den von der Central and Eastern European Online Library neu ausgelobten Preis für den besten Dokumentarfilm, der mit 4.000 Euro dotiert ist. Die Jury bezeichnete den Film als „Tribut an die jungen Menschen, die in den Ruinen unserer Welt leben.“ Auch der Preis der internationalen Filmkritik FIPRESCI ging an den Film.


In den transsilvanischen Wäldern

In einem Nachbarland der Ukraine, in Rumänien, spielt Integralde von Radu Muntean (Sektion Bioskop) und erweist sich als eine weitere starke Produktion dieses südosteuropäischen Filmlands. Der Titel bezeichnet den Namen eines abgelegenen Bergdorfes in Transsilvanien, in das Mitarbeiter einer Hilfsorganisation Weihnachtspakete liefern wollen. Die Landschaft ist schön, aber rau, und auch wenn nach Sonnenuntergang dort keine Vampire unterwegs sind, können unbedachte Wanderer in Bergen und Wäldern wilden Tieren wie Bären oder Wölfen zum Opfer fallen. Auch die Helden des Films, drei Bukarester Freiwillige des Hilfsprojekts, stranden ungewollt in einem dieser dichten Wälder der Karpaten. Ihr SUV ist im Schlamm stecken geblieben, abgeschleppt werden kann er erst am nächsten Morgen.

Die Nacht verbringen sie notgedrungen im Auto, es ist bitterkalt und außerdem kümmern sie sich noch um einen geistig verwirrten alten Mann aus der Gegend, der ohne sie wohl erfroren wäre. Der Film spielt innerhalb von 24 Stunden und schildert eine aus der Perspektive der Städter bedrohliche Situation. Im Gewand eines spannenden Survival-Films behandelt „Integralde“ moralische und soziale Fragen, erörtert das Stadt-Land-Gefälle in Rumänien und lässt Frauen generell besser wegkommen als Männer.


Figuren im Traum eines Hundes

Fällt der Schnee in „Integralde“ erst am Ende des Films, entführt Januar von Andrey Paounov (Wettbewerb) in einen vollkommen eingeschneiten Hotelkomplex im Nordosten Bulgariens. Vor dem Hauptgebäude, einem verlassenen und zerfallenden Skihotel aus den 1970er-Jahren, steht eine Holzhütte. Darin müssen ein Wächter (Samuel Finzi, der hier in seiner Muttersprache Bulgarisch zu hören ist) und ein alter Mann den Winter überstehen. Um sich die Zeit zu vertreiben, knacken sie Nüsse mit einer futuristisch anmutenden Maschine und lösen Kreuzworträtsel. Der Krähe, die ihnen neuerdings in einem Käfig Gesellschaft leistet, geben sie hochprozentigen Rakia zu trinken. Doch ist sie wirklich ein Vogel oder die Inkarnation eines Tenez, der in der bulgarischen Märchenmythologie eine Mischung aus Geist und Vampir darstellt? Leben die beiden Männer tatsächlich im Jetzt oder sind sie lediglich Figuren in dem Traum eines Hundes, wie der alte Mann vermutet?

Das ungarische Bodybuilderinnen-Drama „Sanft“ wurde von der deutschen Produktionsfirma Komplizen Film mitproduziert und gewann den Regiepreis (© goEast)
Das ungarische Bodybuilderinnen-Drama „Sanft“ gewann den Regiepreis (© GoEast)

Auch die Besucher der Holzhütte – ein Brüderpaar, ein Pope und eine Gruppe von Geisterjägern – nähren den Verdacht, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht. Alle besteigen einen Pferdeschlitten in Richtung Wald und kehren nicht mehr zurück, genauso wenig wie der Vorgesetzte des Wächters, ein gewisser Petar Motorow. So könnte man diesen in Schwarz-weiß gedrehten absurden Film, der gekonnt und humorvoll mit Versatzstücken des Geisterfilms und Motiven von Stanley Kubricks Shining spielt, auch als „Warten auf Petar Motorow“ umschreiben. Nichts erscheint real, stets blitzen Geister auf – auch aus der 40-jährigen staatssozialistischen Vergangenheit des Landes: seien es verstaubte Porträts von Marx und Lenin oder im Flickern der unzuverlässigen Stromversorgung Umrisse von Kindern, die mit ihren charakteristischen Halstüchern als Pioniere, Mitglieder der sozialistischen Kinderorganisation, zu erkennen sind.


Hommage an Lana Gogoberidse

Einer wahren Veteranin des Weltkinos, der georgischen Regisseurin Lana Gogoberidse, widmete das Festival die Hommage. Die Filmemacherin, die mit ihren 93 Jahren eine erstaunliche Vitalität ausstrahlt, erschien höchstpersönlich in Wiesbaden, erzählte aus ihrem Leben und beantwortete Fragen zu ihrem Werk. Die Tochter eines Opfers des Stalinismus hat seit den 1960er-Jahren zwar nur 13 Filme gedreht, wurde jedoch auf die größten internationalen Festivals wie Cannes, Venedig und die Berlinale eingeladen. In ihrem Werk erzählt sie mal poetisch, mal kritisch Geschichten aus unterschiedlichen Epochen der Sowjetunion und hat sich auch als feministische Filmemacherin hervorgetan. Ihrem Drama Als die Mandelbäume blühten (1972) merkt man den sowjetischen Staatssozialismus jedoch überhaupt nicht an. Der Schwarz-weiß-Film handelt von einer Jugendclique um den 17-jährigen Sura. Der gutaussehende Teenager ist der Radsportstar der Schule und wird deshalb von allen hofiert. Doch Sura, der unter der autoritären Fuchtel seines Vaters steht, dreht allerlei krumme Dinger: So stiehlt er ein Auto, schummelt bei der Altersangabe beim Radrennen, erschleicht sich Vorteile und übernimmt keine Verantwortung für seine Fehltaten. Nachdem seine Freunde ihm ein Ultimatum gestellt haben, kommt es zu einer Tragödie.

Bis dahin strahlt der Film jedoch eine Unbeschwertheit und Leichtigkeit aus, die die Lebensfreude seiner jungen Protagonisten übersetzt. Die Liberalität und Aufbruchsstimmung der 1970er-Jahre fängt Gogoberidse meisterlich ein – der Film spielt zwar auf den Nationalstolz Georgiens (damals noch Georgische Sozialistische Sowjetrepublik) an, könnte aber überall auf der Welt spielen. Es geht um das Erwachsenwerden, um Beziehungen, aber auch darum, sich von patriarchalen Strukturen, die in Familien durchaus vorhanden sind, zu befreien.

Hommage an Lana Gogoberidse (© Gusiafilm)
Hommage an Lana Gogoberidse: "Als die Mandelbäume blühten" (© Gusiafilm)

Dass diese auch im heutigen postsowjetischen Georgien noch vorhanden sind, vor allem in der Provinz, zeigt der Film Wet Sand der Regisseurin Elene Naweriani. In einem georgischen Örtchen am Meer hat sich ein alter Mann umgebracht. Kaum einer trauert dem Intellektuellen, der im Café als einziger teuren Wein trank, hinterher. Als seine Enkelin aus Tiflis kommt, um die Erbangelegenheiten zu klären, deckt sie eine jahrelang geheim gehaltene schwule Beziehung sowie Engstirnigkeit, Chauvinismus und Homophobie im Ort auf. Traditionell familienorientierte Lebensentwürfe kollidieren mit dem offeneren Lebensstil aus der Hauptstadt und Ressentiments entladen sich in purer Gewalt, die auch die Polizei kaum in den Griff bekommt. Am Ende triumphiert eine optimistische Note, doch der Film zeigt auch, dass das heutige Georgien in Sachen LGBT-Akzeptanz noch einen weiten Weg vor sich hat.


Humorvoll-Altmodisches aus Bosnien

In Nicht so freundliche Nachbarschaftssache wartete der bosnische „Oscar“-Preisträger Danis Tanović in der Bioskop-Sektion dagegen mit einer Komödie auf, die nicht in Balkan-Klischees tappt und ein altmodisches Flair ausstrahlt. Zwei alte Freunde betreiben jeweils für sich ein Ćevapčići-Restaurant in der Altstadt Sarajevos, die sich in der Straße gegenüberliegen. Ćevapčići sind gegrillte Röllchen aus Hackfleisch und gelten unter anderem in Kroatien, Bosnien, Albanien sowie im Iran als Nationalgericht. Der eine Freund, Enis (gespielt von Branko Đurić, einem von Tanovićs Stammschauspielern), ist ein Hansdampf in allen Gassen und hat stets neue dubiose Geschäftsideen. Der andere, Izo (Izudin Bajrović), gehört eher der alten Schule an und wünscht sich nichts mehr als Enkelkinder. Die soll seine gerade von einem mehrjährigen Deutschland-Aufenthalt heimgekommene Tochter Lana ihm mit Enis’ Sohn Orhan fabrizieren. Doch die Freundschaft der Väter und damit auch die Beziehung ihrer Kinder gerät in Gefahr, als eines Tages eine kroatische Influencerin die Ćevapčići von Izo im Internet zu den besten von ganz Sarajevo erklärt. Ein Sarajevo-weiter Bratwettbewerb soll nun Klarheit schaffen, wer die besten Fleischröllchen grillt.

Immer wieder gibt es in Tanovićs Komödie kurze Anspielungen auf den Bürgerkrieg der 1990er Jahre, an dem Tanović als junger Mann selbst teilnahm. Allianzen bilden sich in einer sehr männerdominierten Gesellschaft (in der Frauen jedoch durchaus ein Mitspracherecht haben), weil man früher gemeinsam gekämpft hat. So lässt Tanović subtil Geschichte in seine ansonsten sehr vergnügliche Komödie einfließen, zeigt von der bosnischen Hauptstadt, die vor knapp 30 Jahren der Schauplatz einer furchtbaren Belagerung durch serbische Truppen war, jedoch praktisch nur eine Straße in der Altstadt. Zudem lässt er komödiantisch die Coronapandemie in seinen Film einfließen, macht aus den Figuren mal Maskenbefürworter, mal Maskenmuffel und situiert seinen Film damit für künftige Zuschauer in einer präzisen Zeit.

So erzählt Tanović eine unprätentiöse Komödie, die unterm Strich zwar ein wenig bräsig bosnische Traditionen hochhält und sich über die westlichen Einflüsse Lanas lustig macht. Doch das macht auch den Charme dieses Films aus, in dem ebenfalls Mafiosi, eine tote Maus und die begrenzte Macht des Internets eine Rolle spielen.


Alle Preisträger im Überblick


Goldene Lilie für den Besten Film

Vera träumt vom Meer (Vera andrron detin). Kosovo/Albanien/Nordmazedonien 2021. Regie: Kaltrina Krasniqi

Die internationale Jury unter dem Vorsitz von Jasna Đuričić begründete ihre Entscheidung wie folgt: „Die ‚Goldene Lilie‘ für den besten Film geht an einen Film über den Kampf einer Frau gegen eine primitive männliche Welt und eine heruntergekommene Männlichkeit, die leider immer noch an der Macht ist.“

Gewinnerin des Hauptpreises: In "Vera träumt vom Meer" kämpft eine Witwe gegen ein patriarchales System (© goEast)
In "Vera träumt vom Meer" kämpft eine Witwe gegen ein patriarchales System (© GoEast)

Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden für die Beste Regie

Sanft (Szelíd). Ungarn/Deutschland 2022. Regie: Anna Nemes, László Csuja

Begründung der Jury: „Die Filmemacher:innen erzählen mit ihrem vielschichtigen filmischen Ansatz eine Geschichte, die sorgfältig auf Details achtet und so das Porträt einer Frau voller Würde erschafft. Eine Frau, die sich nach Anerkennung und Liebe sehnt.“


CEEOL Preis für den besten Dokumentarfilm

Taubes Gestein (Terikoni). Ukraine 2022. Regie: Taras Tomenko

Begründung der Jury: „Ein Tribut an die jungen Menschen, die in den Ruinen unserer Welt leben.“


Lobende Erwähnung der internationalen Jury
Der Falke
(Strahinja banović). Serbien/Luxemburg/Frankreich/Bulgarien/Litauen 2021. Regie: Stefan Arsenijević

Begründung der Jury: „Ein Flüchtlings-Roadmovie, das uns daran erinnert, dass der Krieg überall ist.“


Preis der Internationalen Filmkritik FIPRESCI (Spielfilm)

Pilger (Piligrimai). Litauen 2021. Regie: Laurynas Bareiša

Begründung der Jury: „Der Preis der Internationalen Filmkritik für den Besten Spielfilm geht an einen komplexen Film, der auf vielen verschiedenen Ebenen funktioniert und in dem auf vielfältige Weise der aktuelle, schreckliche Krieg mitklingt. Er ist eine mutige Erkundung persönlicher Trauer und der verschiedenen Formen, die diese annehmen kann, außerdem zeigt er dezent, wie sich die Spuren von Gewalt für immer in eine Gemeinschaft einprägen. Gleichzeitig fesselt uns der Film recht unkonventionell als Kriminalfilm und Roadmovie.“


Preis der Internationalen Filmkritik FIPRESCI (Dokumentarfilm)

Taubes Gestein. Ukraine 2022. Regie: Taras Tomenko

Begründung der Jury: „Der Preis der Internationalen Filmkritik für den Besten Dokumentarfilm geht an einen Film, der uns auf allen Ebenen überzeugte: künstlerisch, kinematographisch, menschlich, persönlich und politisch. Wir möchten besonders auf die Fähigkeit des Filmemachers hinweisen die Protagonistin empathisch und respektvoll zu behandeln und gleichzeitig sanft und beschützend zu sein.“


3sat-Ankauf

Klondike. Ukraine/Türkei 2022. Regie: Maryna Er Gorbach

Begründung der Jury: „In ebenso eindringlichen wie vielschichtig komponierten Bildern, die an klassische Malerei und Western-Szenarien erinnern, erzählt KLONDIKE vom Widerstand einer schwangeren Frau gegen die brutalen Realitäten eines Kriegs, in dem die Konfliktparteien in ihrem Kampf um die „richtige“ Zugehörigkeit Familien auseinanderreißen und die Lebensgrundlage der Menschen zerstören. Die meisterliche Inszenierung, die spannungsvoll und irritierend zwischen Realismus, surrealen Momenten und allegorischer Kraft oszilliert, und nicht zuletzt das brillante Schauspiel von Oxana Cherkashyna als Irka verleihen der Geschichte vom Überleben im Krieg ihre stille Wucht. Durch seine Menschlichkeit und universelle Aussage wird der Film auch noch weit jenseits aktueller Berichterstattung und Breaking News über die Grausamkeit des Krieges Bestand und Relevanz haben.“


Alle Preise und Jurybegründungen hier.

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