Die bosnische Regisseurin Jasmila Žbanić machte 2006 international auf sich aufmerksam, als sie in „Esmas Geheimnis - Grbavica“ das Tabu brach, filmisch die Balkankriege der 1990er-Jahre mit ihren Verbrechen zu thematisieren. In ihrem Debütfilm erzählte sie von einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung, über der die verdrängte Vaterschaft des Kindes hängt; das Mädchen entstammte der Vergewaltigung der muslimischen Mutter durch einen serbischen Soldaten.
„Quo vadis, Aida?“ aus dem Jahr 2020 schließt daran an und greift das berüchtigtste Kapitel der Bürgerkriegszeit auf: die Massaker von Srebrenica. Im Juli 1995 versucht die bosnische Dolmetscherin Aida (Jasna Duricic) in einem UN-Auffanglager in Srebrenica, ihren muslimischen Ehemann und ihre beiden Söhne zu retten, als die serbischen Milizen des Generals Mladić (Boris Isakovic) immer näher rücken. Dabei gerät sie selbst zunehmend zwischen die Fronten.
Der erschütternde Film über das Massaker an 8000 muslimischen Bosniern macht aus Sicht einer Frau in einem von Männern geführten Krieg die Bedrohung der Menschen und die Unausweichlichkeit des Todes schmerzhaft spürbar. Dabei verzichtet der Film auf die expliziten Gewaltszenen, nimmt damit aber dem Geschehen nichts von seiner Furchtbarkeit und seinem Schrecken. „Quo vadis, Aida?“ wurde unter anderem mit dem SIGNIS-Preis beim Filmfestival in Venedig, drei Europäischen Filmpreisen und dem Kinotipp der Katholischen Filmkritik ausgezeichnet sowie für den „Oscar“ nominiert. – Sehenswert ab 16.