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Serie: The Actor

Iranische Serie um zwei Schauspieler, die mit befremdlichen Rollenspielen jenseits der Bühne über die Runden zu kommen versuchen - bis 8.11. in der arte-Mediathek

Veröffentlicht am
15. Mai 2024
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„Die ganze Welt ist eine Bühne/und alle Fraun und Männer bloße Spieler“: Dieses Shakespeare-Zitat aus „Wie es euch gefällt“ steht jeweils am Anfang der acht Folgen dieser packenden iranischen Serie um zwei Schauspieler und ihre kuriosen Bemühungen darum, in Teheran irgendwie über die Runden zu kommen. Ali (Navid Mohammadzadeh) und sein Kumpel und Kollege Morteza (Ahmad Mehranfar) sind gezwungen, die Welt zu ihrer Bühne zu machen, denn mit richtigen Bühnenauftritten sieht es düster aus. Die beiden freischaffenden Schauspieler haben kein festes Engagement und sehen auch keine Chance, bei Film oder Fernsehen unterzukommen (dafür brauche man Beziehungen, sagt Ali an einer Stelle); und so kämpfen sie aktuell darum, irgendwie die Miete für ein kleines Off-Theater zusammenzukratzen. Dabei kommt ihnen zupass, dass jenseits der Bühne eine gewisse Nachfrage nach schauspielerischen Talenten besteht, die sich auf Täuschungen, Maskeraden und wirkungsvolle Auftritte verstehen.

Wenn die Zuschauer:innen die beiden in Folge 1 kennenlernen, sind sie gerade mitten in einem besonders bizarren Real-Life-Auftritt – was zunächst wie der Auftakt eines Krimis wirkt, entpuppt sich als die Inszenierung des wohl befremdlichsten Heiratsantrags, den man je gesehen hat. In den weiteren Folgen werden auf die beiden Mimen weitere solcher seltsamen, oft auch etwas beunruhigend-befremdlichen Rollenspiele warten. Und auch sonst, wenn es um die privaten Beziehungen geht, grassiert allenthalben der Hang zu Täuschungen. Und dabei zeigt sich, dass Ali und Morteza hier längst nicht die einzigen Schauspieler sind, sondern, wie es bei Shakespeare treffend heißt, „alle Fraun und Männer“.

Die iranische Serie um zwei kreative Underdogs entfaltet sich als Hommage an den Schauspieler-Beruf, kreuzt das aber mit einem durchaus bissigen Blick auf eine Gesellschaft, in der wenig geradeheraus gesagt werden kann und Verstellungen und Inszenierungen der normale Modus Vivendi sind. Die Darsteller-Leistungen überzeugen dabei ebenso wie die exquisite, ausdrucksstarke Bildsprache. - Sehenswert ab 16.

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