Ein Filmästhet wie Christopher Nolan ist nicht nur ein manischer Regisseur, der mit einer IMAX-Kamera und auf 70mm analogen Filmmaterial dreht; er legt auch größten Wert auf eine höchst qualitative Projektion. Sein neues Werk „Die Odyssee“ kommt deshalb in insgesamt sieben unterschiedlichen Formaten ins Kino, wobei die mit Abstand beste Version als IMAX 70mm-Fassung in Deutschland gar nicht zu sehen ist.
Wer denkt, man könne einfach ins Kino gehen, um einen Film von Christopher Nolan in ganzer Pracht zu erleben, muss sich eines Besseren belehren lassen. Denn Filmästheten wie Nolan, der gerade mit „Die Odyssee“ am Start ist, oder andere Regisseure wie Michael Mann und Ang Lee haben sehr spezielle Vorstellungen von einer guten, „richtigen“ Projektion ihrer Werke. Die bildmächtige Verfilmung des antiken Epos kommt in einer Handvoll verschiedenen Formaten ins Kino, nämlich als IMAX 70mm Version, IMAX, 70mm, 35mm, Dolby Cinema, Premium Large Format und als Standard. Inhaltlich unterscheiden sich die Formate kaum voneinander; in allen Kinos läuft die 172-minütige Fassung. Unterschiedlich sind das jeweilige Projektionsformat, die Höhe der Leinwand und ob analog oder digital projiziert wird.
Nolan rühmt sich, die Irrfahrten des Odysseus durchgängig im hochauflösenden IMAX-Format gedreht zu haben, mit kleinwagengroßen Kameras und analogem 70mm-Filmmaterial. Wer „Die Odyssee“ also in der bestmöglichen Version ganz im Sinne von Nolan sehen will, müsste dafür nach Brüssel, London oder Prag reisen. In Deutschland kommt die 172-minütige Standard-Version des Films immerhin in solider 4K-Auflösung und via Digitalprojektor in den Multiplexen auf die Leinwand projiziert. Dabei ist es allerdings irreführend, zu glauben, dass der im Format 1.43:1 (IMAX 70mm) oder 1.90:1 (IMAX) projizierte Film dann „schmaler“ als ein herkömmlicher CinemaScope-Film (2.39:1) sei. IMAX-Filme sind bei annähernd gleicher Breite vielmehr wesentlich höher und erhalten dadurch oben und unten ein deutliches Mehr an Bildinformationen.
Wer den Film auf der größten Leinwand der Welt „fast“ so erleben will, wie Nolan sich sein Spektakel gedacht hat, der muss nach Leonberg bei Stuttgart ins IMAX-Kino Traumpalast fahren oder in Berlin im Zoo-Palast, in Karlsruhe in der Schauburg, in Hamburg im Savoy oder in der Lichtburg in Essen eine 70mm-Filmprojektion besuchen. Das ist zwar durchweg teurer als in herkömmlichen Kinos (von um die 15 Euro in Essen, Berlin und Leonberg bis über 30 Euro in Brüssel), beschert aber ein audiovisuelles Gesamterlebnis der ganz besonderen Art.
Die Suche nach dem passenden Projektionsformat von „Die Odyssee“ ist kaum einfacher als bei James Cameron, der für sein „Avatar“-Universum einst das 3D-Kino in die Welt zurückgebracht – und im aktuellen Film „Avatar: Fire and Ash“ auch auf der 3D-Version bestand. In den traditionellen Filmtheatern sieht man grundsätzlich kaum die Version, die ihren Regisseuren am besten gefallen würde, weil das Bild je nach Saal anders projiziert und der Ton von den Mitarbeitern sehr unterschiedlich eingestellt wird. Nicht umsonst gibt es bei A-Festivals ganze Techniker-Crews, die bei der „Berlinale“ sogar von Kino zu Kino ziehen, um für die Festivalpremieren die technische Apparatur ganz genau zu kalibrieren. Das Berliner Publikum sieht Kinofilme deshalb nie in besserer technischer Qualität als kurz nach der „Berlinale“.
Hinweis
Wer sich für die IMAX-Version interessiert, kann hier das Kino seiner Wahl recherchieren.