Jörg Gerle

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Zone 3

  • Frankreich 2025
  • R: Cédric Jimenez

Nach dem Mord an dem Schöpfer einer KI, die im Jahr 2045 das Geschehen der in drei Zonen unterteilten Stadt Paris überwacht, müssen sich zwei Ermittler aus den sozial ärmeren Bereichen der Metropole zusammenraufen, um den Täter zu fangen, hinter dem der Kopf einer Rebellenorganisation vermutet wird. Doch die Ermittlungen des ungleichen Duos deuten in eine entgegengesetzte Richtung. Eine dystopische, von einem brillanten Ensemble getragene Zukunftsvision, die mit bekannten Science-Fiction-Elementen spielt, diese aber in einen ernsthaften Thriller einbinden kann. Auch emotionale und augenzwinkernde Momente kommen gut zum Tragen.

Schön schrecklich - Sitges Festival 2025

In der spanischen Kleinstadt Sitges findet jeden Herbst eines der weltweit bedeutendsten Festivals des fantastischen Films statt. Unter hohem Publikumszuspruch werden die Arthouse-Höhepunkte von anderen Festivals nachgespielt, aber auch randständige Independent-Filme gezeigt. Beim 58. Jahrgang ließen sich vor allem bei den Animationsfilmen und im Bereich Folk Horror interessante Entdeckungen machen.

Melody-Maker: Nachruf auf Klaus Doldinger

Dem deutschen Komponisten Klaus Doldinger gelang es in seiner Karriere immer wieder, Filme und Fernsehserien mit Melodien zu bereichern, die man einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Neben dem „Tatort“-Thema und den Titelmusiken zahlreicher weiterer Serien und Shows schrieb er insbesondere mit seinen dunklen Synthesizer-Klängen für „Das Boot“ Geschichte. Am 16. Oktober 2025 ist der gelernte Tonmeister, dessen Leidenschaft Jazz und Fusion Rock galt, im Alter von 89 Jahren gestorben.

Zum schwierigen Stand deutscher Filmkomponisten

Der Tod von Klaus Doldinger im Oktober 2025 hat wieder einmal in Erinnerung gerufen, dass es Filmkomponisten unter den Bedingungen der deutschen Kinoproduktion außergewöhnlich schwer haben und Doldinger mit seinem Erfolg zu den wenigen Ausnahmen gehört. Das ließ sich auch schon 2002 bei einer kleinen Untersuchung der Situation, in der sich deutsche Filmkomponisten befinden, konstatieren. Mit einigen Beispielen für Künstler Anfang der 2000er-Jahre, die sich gegen alle Widerstände behaupten.

Good Fortune - Ein ganz spezieller Schutzengel

  • USA 2025
  • R: Aziz Ansari

Ein wohlwollender, aber ungeschickter Engel mischt sich in das Leben zweier Männer aus gänzlich verschiedenen Klassen ein und sorgt dafür, dass ein lebensmüder Hilfsarbeiter und dessen in Luxus schwelgender Ex-Arbeitgeber die Körper tauschen. Als dies nicht die erhoffte Wirkung hat, kann er den Tausch nicht mehr rückgängig machen, da er für seine Eigenmächtigkeit selbst zum Sterblichen gemacht wurde, versucht jedoch auch als Mensch weiterhin, die beiden zu beeinflussen. Die lakonische Fantasy-Komödie fährt zwar patente Darsteller auf, kommt jedoch über amüsante Momente nicht hinaus. Zudem überhebt sie sich heillos beim Versuch, das spaßig-anstrengende Engelsdasein mit einem Kommentar zur harten Wirklichkeit des Grabens zwischen Arm und Reich zu verbinden.

The Smashing Machine

  • USA 2025
  • R: Benny Safdie

Der Wrestler Mark Kerr hat noch keinen Fight verloren, seitdem er sich 1997 Mixed-Martial-Arts-Wettkämpfen zugewendet hat. Dafür zahlt der Sportler aber einen hohen Preis: seine Opioid-Sucht droht außer Kontrolle zu geraten, und die Beziehung zu seiner Freundin gerät mehr und mehr in Schieflage. Als er dann doch eine erste Niederlage einstecken muss, droht der Kollaps. Der überlange Spielfilm über die Karriere und das Leben des berühmten MMA-Athleten dreht auf reizvolle Weise gängige Sportfilm-Muster um und erzählt von einem Sportler, der Niederlagen zu akzeptieren lernen muss, um dem Menschen hinter den Muskeln eine Chance zu geben.

Demon Slayer - Kimetsu no Yaiba - Infinity Castle

  • Japan 2025
  • R: Haruo Sotozaki

Eine Gruppe besonders gestählter Dämonenjäger dringt ins „Infinity Castle“ vor, in dem die furchterregendsten Wesen hausen, die den Menschen Übles wollen. In den Rückblicken, die in die endlosen Kämpfe zwischen beiden Seiten eingefügt sind, zeichnet sich jedoch ab, dass manche der Dämonen gute Gründe für ihren Groll gegen das Menschengeschlecht haben. Erster Teil von insgesamt drei „finalen“ Kinofilmen nach den Mangas von Koyoharu Gotouge, der visuell und in den Kampfchoreografien schlicht überwältigend ist, seine dramaturgischen Redundanzen aber nicht verbergen kann.

Downton Abbey: Das große Finale

  • Großbritannien 2025
  • R: Simon Curtis

Im dritten und finalen Teil der „Downton-Abbey“-Kinofilmreihe hat die künftige Herrin über das herrschaftliche Anwesen in der feinen Gesellschaft einen schweren Stand, weil sie sich von ihrem Ehemann getrennt hat. Aber auch in finanzieller Hinsicht gehen die Crawleys unsicheren Zeiten entgegen, da seit dem US-Börsenkrach 1929 das Vermögen erheblich geschrumpft ist. Dennoch halten die Adeligen wie auch die Bediensteten auf dem Landsitz zusammen. Der opulente Kostümfilm bildet den ebenso wehmütigen wie erhebenden Abschluss einer Trilogie, in der „die da oben“ und „die da unten“ auf märchenhafte Weise für ein symbiotisches Miteinander stehen.

Conjuring 4: Das letzte Kapitel

  • USA 2025
  • R: Michael Chaves

Im vierten und letzten Teil der „Conjuring“-Reihe wird das Geisterjäger-Ehepaar Warren von ihrer erwachsenen Tochter aus dem selbstgewählten Ruhestand gerufen, um mit einem Poltergeist im Haus einer Großfamilie nicht nur eine dunkle Macht, sondern auch das Unheil zu bannen, das seit zwanzig Jahren über ihrer eigenen Familie schwebt. Ein gekonnt mit traditionellen Stilelementen des Geister-Horrors arbeitender Film, der sich allzu blutige Effekte versagt und den wohldosierten Schauer primär über die charismatischen Darsteller erfahrbar macht. Einzig in der enttäuschenden Musikbearbeitung fällt die Fortsetzung hinter die Vorgängerfilme zurück.

Snoopy präsentiert: Ein Sommermusical

  • USA 2025
  • R: Erik Wiese

In den Sommerferien reisen Charlie Brown und seine Freunde zum letzten Mal in das Sommercamp, wo sie schon viele herrliche Ferien erlebt haben. Nur seine kleine Schwester, die zum ersten Mal dabei ist, ist vom Camp-Leben ziemlich überfordert. Da das Camp seine Pforten nach diesem Jahr für immer schließen soll, versuchen die Älteren, es für die jüngeren Kinder zu retten. Ein liebenswertes Special der „Peanuts“-Reihe, das als Musical mit fünf mitreißenden Musiknummern aufwartet und im klassischen 2D-Look gestaltet ist. In bester „Peanuts“-Manier geht es dabei in Form humorvoller Abenteuer um durchaus Substanzielles: Charlie und Co. beginnen, einen Sinn dafür zu entwickeln, wie kostbar gemeinschaftsstiftende Traditionen sein können, und dafür, dass es sich lohnt, sie zu bewahren.

Weapons - Die Stunde des Verschwindens

  • USA 2025
  • R: Zach Cregger

In einer Kleinstadt verschwinden eines Nachts alle Kinder derselben Klasse bis auf eines auf mysteriöse Weise. Die unter Schock stehenden Bewohner des Orts verdächtigen schnell die Klassenlehrerin als Schuldige an dem Unglück. Während sie zunehmend angefeindet wird, kommt es in der Stadt zu weiteren unheimlichen Begebenheiten. Ein ehrgeiziger Horrorfilm, erzählt aus den Blickwinkeln von sechs Protagonisten, der ein zunächst lakonisches, immer beklemmender werdendes Szenario des Schreckens entfaltet. Die unkonventionelle Konstruktion und eine ausgefeilte Kamera erzeugen eine nachhaltige Verstörung, die auch durch Momente bizarren Humors nicht schwindet.

Locked

  • USA 2025
  • R: David Yarovesky

Ein verschuldeter Mann bricht in einen luxuriösen SUV ein und erkennt zu spät die perfide Falle: Das hermetisch abgeriegelte Fahrzeug wird von seinem rachsüchtigen Besitzer ferngesteuert, der an dem „Rechtsbrecher“ ein grausames Exempel statuieren will. Actionreiches Kammerspiel nach Vorbild eines ähnlich gelagerten argentinischen Originals. Prominent besetzt und mit einer furiosen Kameraarbeit glänzend, beschreibt es die Dialektik zwischen Recht und Rache im Dunstkreis der Selbstjustiz und macht es dem Zuschauer trotz eindeutiger Sympathielenkung nicht leicht, Stellung zu beziehen.

Together - Unzertrennlich

  • USA 2025
  • R: Michael Shanks

Eine Lehrerin und ihr Partner, ein strauchelnder Musiker, ziehen aufs Land, wo sie sich jenseits der Großstadt ein erfüllteres Leben erhoffen. Doch schon bald verspüren beide ein obsessives Verlangen, das beim Mann in eine albtraumhafte Übergriffigkeit mündet und die Beziehung auf eine harte Probe stellt. Erst mit der Zeit wird beiden klar, dass das ungezügelte Verlangen mit einer in der Natur schlummernden Macht verbunden ist, die Menschen in ihrer Individualität auslöschen will. Ein furioses, von aufopferungsvollen Hauptdarstellern getragenes Filmdebüt, das effektvoll auf drastische, originell eingesetzte Body-Horror-Elemente setzt.

Der Meister aus Buenos Aires - Lalo Schifrin

Der Jazz und seine verspielten Regelbrüche gehören zur Filmmusik von Lalo Schifrin wie Tom Cruise zur „Mission: Impossible“-Reihe. Dafür wurde das pures Adrenalin verströmende Titel-Thema einer Fernsehserie vom argentinischen Komponisten grandios adaptiert. Am 26. Juni ist der Meister des Crime Jazz im Alter von 93 Jahren in Los Angeles gestorben. Erinnerungen an einen legendären Tonkünstler, dessen lässige Musik auch posthum mit viel Freude erfüllt.

The Colors Within

  • Japan 2024
  • R: Naoko Yamada

Eine introvertierte, tiefreligiöse Schülerin eines katholischen Mädcheninternats verfügt über eine synästhetische Gabe und kann die Aura von Menschen sehen. Der Außenwelt öffnet sie sich aber erst, als sie sich mit einer verrufenen Schülerin anfreundet und zusammen mit einem ebenfalls etwas eigenwilligen Jungen eine Band gründet. Der einfühlsame, dramaturgisch gänzlich unaufgeregte, aber durch eine zarte Farbkomposition bestechende Anime erzählt von der Entwicklung dreier japanischer Jugendlicher, die über die Musik einen Weg entdecken, ihre innersten Gefühle zu offenbaren. Darüber eröffnet sich ihnen auch ein Zugang zur Gesellschaft und sogar zu ihren eigenen Familien.

Pangolin: Kulus Weg

  • USA 2025
  • R: Pippa Ehrlich

Vor Wilderern in Südafrika gerettet, soll ein kleines Schuppentier großgezogen und aufs (Über-)Leben in der Wildnis vorbereitet werden. Für den Wildhüter, der das zu einer bedrohten Spezies gehörende Tier gerettet hat, beginnt die lange, beschwerliche, aber auch erfüllende Reise, es auf seinem Weg in die Freiheit zu begleiten. Die Suche nach Nahrung und die damit verbundenen Wanderungen durch die Wildnis schweißen Mensch und Tier zusammen, wohlwissend, dass am Ende die endgültige Trennung steht, wenn das Tier selbstständig überleben kann. Der Dokumentarfilm erzählt nicht nur eindrucksvoll von der Rettung einer bedrohten Kreatur, sondern koppelt dies mit der Geschichte einer menschlichen Selbstfindung und wirbt unterhaltsam-anrührend und zum Teil mythisch überhöht für die Wahrung der Schöpfung.

Haps - Crime Doesn't Pay

  • Deutschland 2025
  • R: Ekrem Engizek

Ein Bankangestellter landet wegen Drogenhandels in einem Berliner Gefängnis, wo ihn Geldsorgen und die nackte Existenzangst in die Arme eines kurdischen Gangsters treiben, mit dem er außerhalb des Knasts ein lukratives Drogengeschäft aufzieht. Dabei verstrickt er sich aber in ein Netz aus Intrigen und Verrat, aus dem es schon bald kein Entkommen mehr gibt. Ein mit den Stereotypen des US-amerikanischen Gefängnisfilms spielendes Drama, das bei der Übertragung ins deutsche Rechts- und Wertesystem Schiffbruch erleidet. Der grimmige Film kopiert mit roher Direktheit die genretypischen Übertreibungen, verbindet sie aber mit einer Ernsthaftigkeit, an der sie als schale Plattitüden zerschellen.

Y2K

  • USA 2024
  • R: Kyle Mooney

Zwei mäßig beliebte High-School-Schüler trauen sich auf eine Partynacht zur Jahrtausendwende 1999/2000, wo sie hoffen, sexuell erstmals Erfolg zu haben. Um Mitternacht allerdings kommt es zum Computer-Chaos und ein Virus greift auf Elektrogeräte über, die Jagd auf die Menschheit machen. Eine bunt zusammengewürfelte Truppe aus Nerds, Kiffern und Hipstern gibt den Maschinen jedoch Kontra. Was als pubertäre Coming-of-Age-Geschichte in den Fußstapfen bekannter Vorbilder beginnt, gerät zu einer turbulent vergnüglichen Mischung aus Comedy, Science-Fiction, Splatterfilm und Chaos-Komödie. Tabulos und durchgeknallt, drängt sie ihre Botschaft von den Vorteilen einer analogen Welt mit Nachdruck, aber einigermaßen brachial auf.

Spiders - Ihr Biss ist der Tod

  • Frankreich 2023
  • R: Sébastien Vanicek

Ein junger Franzose, der mit seiner Schwester in einem monströsen Wohnblock am Rande von Paris lebt, finanziert sich mit dem Verkauf von geklauten Turnschuhen sein teures Hobby mit Insekten und Reptilien. Doch als sich seine jüngste Erwerbung als eine höchst giftige, invasive Spinne entpuppt und die Polizei den Block unter Quarantäne stellt, muss seine Clique die Bewohner zur kollektiven Gegenwehr aktivieren, um überleben zu können. Ein höchst spannender Tierhorrorfilm, der effektiv mit den Ängsten spielt und den Kampf gegen die mörderischen Viecher mit großer Souveränität inszeniert. Über die fesselnd-augenzwinkernde Genre-Unterhaltung hinaus entwirft er aber auch eine erstaunlich realistische Zeichnung der zu Unrecht verrufenen Banlieue-Community.

ZEIT Verbrechen - Deine Brüder

  • Deutschland 2024
  • R: Helene Hegemann

Eine Episode der Anthologieserie „ZEIT Verbrechen“, die auf dem gleichnamigen True-Crime-Podcast beruht: Eine Clique von jungen Männern, die halbstark ihre Hamburger Vorstadt-Heimat dominiert, entfremdet sich, als der psychisch labile Anführer immer unzurechnungsfähiger agiert und schließlich auch seine besten Freunde bedroht. Gefangen zwischen ihren verängstigen Familien und dem einstigen Freund, beschließen die jungen Männer einen brutalen Akt der Selbstjustiz. Eine meisterliche Ensemble-Tragödie rund um die Unfähigkeit, in einer von Macho-Idealen befeuerten Jungmänner-Gruppe eine gewaltfreie Reaktion auf psychische Probleme zu entwickeln, inszeniert als fiebriger „Stream of Consciousness“ jenseits konventioneller Spannungskurven und Logiken.

ZEIT Verbrechen - Der Panther

  • Deutschland 2024
  • R: Jan Bonny

Eine Episode der Anthologieserie „ZEIT Verbrechen“, die auf dem gleichnamigen True-Crime-Podcast beruht: Ein V-Mann der Polizei hat sich in eine kriminelle Gang eingeschleust und nimmt an deren Aktionen in Sachen Drogen- und Menschenhandel, Zuhälterei, Mord etc. teil. Der Kick der verbrecherischen Umtriebe ist längst zu einer Art Sucht geworden, die er immer weniger kontrollieren kann oder will. Eine Studie zum Rausch der kriminellen Grenzüberschreitung, die sich allerdings auch selbst viel zu sehr dem ungehemmten Exzess und dem Overacting hingibt, um etwas wie Struktur, Stoßrichtung oder Zwischentöne zu entfalten.

ZEIT Verbrechen - Dezember

  • Deutschland 2024
  • R: Mariko Minoguchi

Eine Episode der Anthologieserie „ZEIT Verbrechen“, die auf dem gleichnamigen True-Crime-Podcast beruht: Nach einem Alkoholexzess beim Besuch einer Diskothek findet sich ein 18-Jähriger auf einer verlassenen Landstraße wieder und versucht, den Heimweg anzutreten. Seine Freunde, die Polizei, Ersthelfer und Anwohner nehmen ihn und seinen alkoholisierten Zustand zwar zur Kenntnis, seine Lage aber nicht ernst genug, um zu intervenieren. Der darauffolgende Tod des jungen Mannes, als er durch ein Auto angefahren wird, wirft die Frage auf, wer die Schuld an seinem Ableben trägt. Ein von einem starken jungen Hauptdarsteller getragener Film um einen tragischen, unnötigen Tod. Fragmentarische Statements bilden ein Mosaik kollektiven Versagens beim Versuch, mit Aufmerksamkeit und Empathie einem Hilfsbedürftigen beizustehen.

ZEIT Verbrechen - Love by Proxy

  • Deutschland 2024
  • R: Faraz Shariat

Eine Episode der Anthologieserie „ZEIT Verbrechen“, die auf dem gleichnamigen True-Crime-Podcast beruht: Ein gutgläubiger verwitweter Deutscher verliebt sich in eine vermeintliche US-Amerikanerin, die in großer Gefahr zu schweben scheint. Um das Erbe ihres ermordeten Vaters anzutreten, soll sie nach Ghana gereist, doch dort in Schwierigkeiten geraten sein. Ihr deutscher Verehrer will sie unbedingt retten. Eine Auseinandersetzung mit dem Phänomen sogenannter „Love Scams“, der drei Ebenen beziehungsweise Perspektiven – rund um den Deutschen, die ghanaischen Betrüger und die Räuberpistole rund um die in Not geratene Schöne – zu einem facettenreichen Bild verwebt, bei dem materielle und emotionale Bedürfnisse ineinandergreifen.

Godzilla Minus One

  • Japan 2023
  • R: Takashi Yamazaki

Nach verstörenden Erfahrungen kehrt ein Kamikaze-Flieger am Ende des Zweiten Weltkriegs ins zerstörte Tokio zurück. Eine junge Frau, die ein elternloses Kind adoptiert hat, und die Nachbarin seiner durch Bomben getöteten Eltern helfen ihm, wieder Fuß zu fassen. Doch nicht nur der Krieg, sondern auch die geheim gehaltene Begegnung mit dem Echsenmonster Godzilla haben ihn tief verstört. Dann aber nimmt das durch US-Atomtests riesenhaft mutierte Wesen Kurs auf das politisch gelähmte Japan. Der für die unterhaltsame Godzilla-Filmreihe äußerst grimmige Monsterfilm rekurriert auf die Anfänge der Reihe und bereichert die furiose Zerstörungsorgie mit einem Drama, das sich melodramatisch mit den Kriegstraumata der Japaner und ihrem Selbstaufopferungsmythos auseinandersetzt. Aus Anlass des 70. Geburtstages des 1954 erschienenen ersten „Godzilla“-Films von Ishirō Honda entstand als Verbeugung vor dem Original auch eine Schwarz-weiß-Version des Films („Godzilla Minus One Minus Color“).

Music by John Williams

  • USA 2024
  • R: Laurent Bouzereau

Ein dokumentarisches Werkporträt über den US-amerikanischen Filmkomponisten John Williams. In einer virtuosen Kompilation von Interviews und Filmausschnitten liefert der Film eine mitreißende, mehr emotionale als didaktische Passage durchs Schaffen des erfolgreichsten Komponisten des Hollywoodkinos nach der klassischen Studioära. Dabei zielt er weniger auf eine Analyse der Kompositionstechniken als auf kurzweilige, aber durchaus tiefschürfende Erlebnisberichte von (prominenten) Fans und Wegbegleitern und baut ganz auf das Oeuvre und das Charisma des Maestros, der in 70 Jahren Schaffensphase den Ton des modernen Blockbuster-Kinos definierte.

The Exorcism

  • USA 2024
  • R: Joshua John Miller

Ein kriselnder Schauspieler gerät während der Dreharbeiten zu einem Exorzismus-Horrorfilm in den Bann jenes Dämons, den das Drehbuch als Widersacher vorgesehen hat. Je mehr der Akteur in die düstere Gefühlswelt seiner Figur eintaucht, desto besessener gibt er sich und bringt damit auch seine Tochter in Gefahr, die am Set als seine Assistentin arbeitet. Der Horrorfilm thematisiert die Mythen, die sich um die Produktion berühmter Genrewerke ranken, nicht zuletzt William Friedkins Klassiker „Der Exorzist“. Dabei überlädt sich der vage als fiktionalisiertes „Making-of“ konzipierte Film allzu sehr mit zwischenmenschlichen Friktionen und dämonischem Mummenschanz, sodass die unheimliche Kraft der Andeutung auf der Strecke bleibt.

All unsere Dämonen

  • Portugal 2022
  • R: Nuno Beato

Der Tod des Großvaters zwingt eine chronisch überarbeitete junge Karriere-Frau, zurück ins Dorf ihrer Kindheit zu reisen. Dort begegnet ihr die Gemeinde mit Ablehnung, da sie dem Verstorbenen die Schuld an einer Trinkwasser-Misere gibt. Zusammen mit einem kleinen Nachbarsjungen versucht die Frau, das Geheimnis des verschwundenen Wassers zu lösen, und lernt dabei, sich den eigenen Dämonen zu stellen. Formal expressive Mischung aus Zeichentrick- und Stop-Motion-Animationsfilm, in der (gute) Dämonen als Helfer gegen die Verbohrtheit der Menschen fungieren. Die dramatische, mitunter grimmige Familiengeschichte verdichtet sich wunderbar zu einem märchenhaften Abenteuer für Jung und Alt.

Rippy - Das Killerkänguru

  • Australien 2024
  • R: Ryan Coonan

Im Outback rund um ein verschlafenes Bergbauer-Nest geschehen unerklärliche Massaker an Mensch und Tier. Eine zur Nachfolgerin ihres einst heldenhaft verstorbenen Vaters in die Sheriff-Position aufgestiegene junge Frau macht sich an die Lösung des Falls und erkennt, dass die Warnungen ihres skurrilen Onkels vor einem Monsterkänguru der Wahrheit entsprechen. Gelungener australischer Tier-Horrorfilm, der mehr ernsthaft als komisch die Rache der Natur am Menschen zelebriert. Spannend und mit zweckdienlich unangenehmen Slasher-Elementen versehen, halten auch die Figurenzeichnungen Überraschungen parat.

Cranko

  • Deutschland 2024
  • R: Joachim Lang

In den 1960er-Jahren zieht der britische Choreograf John Cranko aus London in die schwäbische Provinz, um sich dort künstlerisch wie privat ausleben zu können. Wider Erwarten formt er aus einer kleinen Kompagnie in Stuttgart ein Ensemble mit Weltgeltung. Doch den Preis für das „Stuttgarter Ballettwunder“ zahlt er mit Depressionen, Burnout und einem allzu frühen Tod. Ein eher emotionalisierender denn historisch akkurater biografischer Film, der primär dort überzeugt, wo es um den Tanz geht. Vor allem die von professionellen Tänzern aufgeführten und von einer entfesselten Kamera eingefangenen Passagen entfachen eine enorm suggestive Wirkung. Die „Erfolgsgeschichte“ aus der Provinz gerät hingegen mitunter allzu betulich.

Beetlejuice Beetlejuice

  • USA 2024
  • R: Tim Burton

In der Fortsetzung des Fantasy-Grusicals „Beetlejuice“ wird die Familie Deetz knapp vier Jahrzehnte später erneut von dem titelgebenden Lottergeist heimgesucht, der vor seiner Ex-Frau auf der Flucht ist. Der Film spielt mit den Versatzstücken des Originals, bietet aber auch ein paar neue Handlungsfäden, welche dem Geschehen allerdings keinen allzu stabilen Halt verleihen. Vielmehr setzt das absurde Spektakel erneut auf die bewährten gruseligen Schauwerte, eine Riege alter und neuer Darsteller sowie eine pointiert-skurrile Filmmusik.