SpongeBob Schwammkopf: Piraten Ahoi!

Animation | USA 2025 | 89 Minuten

Regie: Derek Drymon

Der kindlich-naive Tiefseeschwamm SpongeBob will zu einem großen Jungen heranwachsen und lässt sich auf das Angebot eines geisterhaften Piraten ein, der ein Wesen reinen Herzens braucht, um seinen Fluch zu bannen. Während ihm ein Seestern-Freund bei der Fahrt in die Unterwelt zur Seite steht, erkennen seine anderen Freunde die Gefahr und versuchen, ihn von dem Himmelfahrtskommando abzubringen. Vierter Kinofilm-Ableger einer auch bei Erwachsenen beliebten Fernsehserie für Kinder. Mit wohldosiertem Timing für anarchische Albernheiten, aber stetem Blick auf ein humanistisches Weltbild setzt der Animationsfilm erneut auf die verschmitzte Kopflosigkeit, die die Serie groß gemacht hat. - Ab 8.
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Filmdaten

Originaltitel
THE SPONGEBOB MOVIE: SEARCH FOR SQUAREPANTS
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2025
Produktionsfirma
Sony Pictures/Paramount
Regie
Derek Drymon
Buch
Pam Brady · Matt Lieberman
Kamera
Peter Lyons Collister
Musik
Alana Da Fonseca
Schnitt
Wyatt Jones
Länge
89 Minuten
Kinostart
25.12.2025
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 8.
Genre
Animation | Familienfilm | Komödie | Zeichentrick
Externe Links
IMDb | TMDB

Vierter Kinoableger um die Fernsehserien-Figur, die ein großer Junge werden will und sich darauf einlässt, einem geisterhaften Piraten dabei zu helfen, seinen Fluch zu bannen.

Aktualisiert am
18.12.2025 - 09:24:20
Diskussion

Was für einen Unterschied doch eine halbe Muschel macht! Für den kleinen Schwamm in dem tief unter dem Meeresspiegel liegenden „Bikini Bottom“ eine ganze Menge. Denn gut 26 Jahre, nachdem die „SpongeBob Schwammkopf“-Fernsehserie erstmals unbeschwert dem Kleinsein frönte, erreicht der Protagonist erstmals die magische Größe von 36 Seepocken-Muschelschalen. Sprich: Er ist jetzt ein großer Junge und kann wichtigere Dinge tun als Seifenblasen aufpusten, mit seinem Seestern-Freund Patrick Quallen fangen oder seinem Grummelnachbarn Thaddäus Quentin Tentakel den letzten Nerv rauben. Mit seiner magischen Größe von 36 Muscheln könnte SpongeBob Schwammkopf nun auch die gefährlichste aller Achterbahnen fahren, wenn er nicht gerade noch etwas anderes zu erledigen hätte. Außerdem hatte er seinem Chef Mister Krabs im Burgerladen „Krosse Krabbe“ noch versprochen… und, und, und. Da mit dem Große-Junge-Sein nicht automatisch auch der Mut mitwächst, erwächst daraus ein Problem, das sich aber mit herzerfrischender und lebendbejahender Naivität gut kompensieren lässt. Die Achterbahn des Todes kann durchaus noch warten.

Grässliche Prüfungen in der Unterwelt

Derweil plagt den „Fliegenden Holländer“ auf seinem abgewrackten Geisterschiff in der Unterwelt eine ganz andere Sinnkrise. Er will endlich den Fluch brechen, der ihn seit ewigen Zeiten dazu verdammt, als neongrün leuchtender Geist in und um Bikini Botton für Angst und Schrecken zu sorgen. Viel lieber würde er als Piratenkapitän seine fischigen Mitbürger tyrannisieren. Doch dazu braucht er einen, der mit der Unschuld eines reinen Herzens die Welt beseelt. Einer wie SpongeBob könnte das sein, der sich beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass die grässlichen Prüfungen, die man in der Unterwelt bestehen muss, um einen Fluch zu bannen, eine noch größere Gefahr darstellen als das Besteigen einer Todesachterbahn.

Immerhin hat Mister Krabs das in jungen Jahren geschafft, wie SpongeBob aus Erzählungen seines Ziehvaters weiß; zudem hat er im Keller der „Krossen Krabbe“ einen geheimen Raum entdeckt, in dem allerlei Dinge liegen, mit denen man Piraten besiegen kann. Damit steht fest: Spongebob will nicht nur ein großer Junge sein, sondern auch ein „Haudegen“ – und deshalb sieht er den Avancen des Fliegenden Holländers inklusive einer Reise in die Unterwelt kämpferisch-erwartungsvoll entgegen. Immerhin hat er seinen furchtlosen Seesternkumpel Patrick an seiner Seite. Was soll da noch schiefgehen?

Fünf Jahre nach dem letzten, eher mäßigen Kinoabenteuer „SpongeBob Schwammkopf: Eine schwammtastische Rettung“ sowie zweier mauer Ableger bei Netflix kommt der Schwamm und seine Freunde jetzt auf die große Leinwand zurück. Nicht vornehmlich in 3D wie noch in „SpongeBob Schwammkopf 3D“ (2014) oder im klassisch flachen 2D wie in „Der Spongebob-Schwammkopffilm“ (2004), sondern in dieser plastischen Computeranimation, wie sie nach dem Abgesang aufs stereoskopische Erzählen im Animationsfilm aus Hollywood gang und gäbe ist.

Grimassenschneiden und andere Albernheiten

Auch inhaltlich verkneifen sich die Drehbuchautoren jegliche Experimente. Zurück zu den Wurzeln, heißt das Motto, weshalb sich die Produzenten wohl auch Derek Drymon als Regisseur ausgesucht haben, der bei den ersten drei Staffeln der Fernsehserie als Creative Director und Autor tätig war. 

Früher besaßen der Schwamm und seine Kumpane noch anarchische Naivität und einen draufgängerischen Willen, Dinge auszuprobieren, der manche nachdrücklich verstört hat. Zum Glück wird diese schwammköpfige Entrücktheit immer wieder von der notorischen Grummel-Krake Thaddäus eingefangen, weshalb die chaotische Unbeschwertheit des ewigen Quatschmachers SpongeBob immer auch einen erzieherischen Rahmen erhält. Denn die Moral der Geschichten war stets humanistisch und lebensbejahend.

Für „SpongeBob Schwammkopf: Piraten Ahoi!“ ist man zu diesem Konzept chronischer Albernheit als Stilmittel der TV-Serie zurückgekehrt. Der Film bleibt bei den beiden Protagonisten Schwamm und Seestern und sieht ihnen beim gedanklichen Mäandern, Grimassenschneiden und der – minutiös getimten – Stand-up-Comedy zu. Wichtige Nebenfiguren wie die Hausschnecke Gary oder das unter Wasser lebende Eichhörnchen Sandy spielen diesmal keine Rolle. Und auch der Erzbösewicht Sheldon James Plankton bekommt nur einen Cameo-Auftritt. Das Abenteuer steht ganz im Zeichen des sanften Grusels um den geisterhaften Piraten „Fliegender Holländer“, der den Rahmen für eine verhaltene Coming-of-Age-Geschichte liefert.

Eine Geister-Sause für Jung und Alt

Ja, SpongeBob wird erwachsener, aber sicherlich nicht reifer. Seine Abenteuer sind vielleicht nicht für die ganz kleinen Zuschauer geeignet. Doch zum einen ist das Tempo der brillant animierten Achterbahnfahrt nie überfordernd, und andererseits ist das Schwammkopf-Universum ohnehin fast mehr etwas für die mit der Serie erwachsen gewordenen Kinder, die voller Vorfreude und Wehmut jedem neuen Abenteuer – inzwischen vielleicht mit ihren Kindern – entgegenfiebern. Einzig die Anarchie von einst werden sie vielleicht vermissen, denn der formale Ausbruch der Animation in die verstörende Realwelt echter Menschen oberhalb der Wasseroberfläche – ein absurdes Stilmittel der TV-Serie – passiert hier nur in homöopathischen Dosen. Ein spannender Genuss ist die Geister-Sause für Jung und Alt allemal. Auch wenn SpongeBob nicht ganz der „Haudegen“ wird, wie er es geplant hat.

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