Szene aus "Eine Frage der Würde"
Szene aus "Eine Frage der Würde" (© Svetoslav/Stoyanov/jip Film)

Eine Frage der Würde

Eine pensionierte Lehrerin wird Opfer eines Telefonbetrugs, bei dem sie all ihre Ersparnisse verliert - bis 29.9. in der arte-Mediathek

Veröffentlicht am
06.08.2026 - 11:34:05
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Die 70-jährige Blaga (Eli Skorcheva) ist ein Mensch, der andere sofort verbessert, wenn diese sprachliche Fehler machen. Stets wirkt sie ein wenig streng und herrisch, fast wie das wandelnde Klischee einer ehemaligen Lehrerin. Blaga lebt in der bulgarischen Provinz und ist seit kurzem Witwe; mit der Urne ihres verstorbenen Mannes hält sie stille Zwiesprache. Auch die Bestattung des Ex-Polizisten soll ganz nach Vorschrift erfolgen. Eine Urnen-Nische, wie ihr Sohn vorschlägt, lehnt Blaga kategorisch ab. Doch der Bestatter, ein zwielichtiger Unternehmer, treibt den Preis für die Grabstelle immer mehr in die Höhe.

Die Finanzierung einer würdigen Begräbnisstelle ist eines der schier unlösbaren Probleme, mit denen sich Blaga bald konfrontiert sieht. Denn die Frau wird Opfer eines Telefonbetrugs, mit dem skrupellose Verbrecher ältere Menschen um ihre Ersparnisse bringen. Ein Anrufer gibt vor, ein Polizeikommissar zu sein und Blaga vor einem Überfall bewahren zu wollen. Sie solle all ihr Bargeld und alle anderen Wertsachen in eine Plastiktüte packen und aus dem Fenster werfen. Die Ex-Lehrerin gerät in Panik und hält sich sklavisch an die Anweisungen des Anrufers. Als man sie auf der Wache über den Betrug aufklärt, bricht eine Welt zusammen. Denn in der Tüte befand sich das ganze Geld vom Verkauf ihres Hauses: ihre komplette Altersversicherung.

Der mit einer großartigen Hauptdarstellerin besetzte Film von Stephan Komandarev ist Sozialdrama und Krimi zugleich und entwirft ein stimmiges Bild postsozialistischer Gesellschaften. Packend zeigt der Film eine allgemeine Perspektivarmut, die nur von skrupellosen Geschäftemachern aufgewühlt wird. - Sehenswert ab 14.

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