Die phantastische Irrfahrt eines Dichters durch verschiedene Bewusstseinswelten und Wirklichkeitsebenen, so lässt sich der erste (mittellange) Spielfilm des französischen Schriftstellers Jean Cocteau zusammenfassen. Der vierteilige Film enthält Visionen eines sensiblen, bis zur Absurdität verspielten Poeten, die kompromisslos über Leben und Tod reflektieren und zwischen erschütternder Tragik und trivialer Heiterkeit schwanken. Auch die Todesphilosophie seines späteren Spielfilms „Orphée“ (1949) findet sich hier schon; Cocteau hat sein eigenes Bild vom Jenseits, das ihm nicht zuletzt dazu dient, das Diesseitige zu spiegeln.
Ebenso virtuos wie spielerisch nutzt Cocteau die poetischen und tricktechnischen Möglichkeiten des Mediums. Sein Werk wird oft in Zusammenhang gesetzt mit der surrealistischen Avantgarde der späten 1920er- und 1930er-Jahre - die der Gruppe um André Breton und Man Ray nahestehende Lee Miller ist bei Cocteau denn auch als lebendig werdende Statue zu sehen -, allerdings verzichtet Cocteau auf die bewusst schockierenden Ausdrucksmittel von Luis Buñuels frühen Filmen. Stattdessen setzt der Dichter auch als Filmemacher auf eine Poesie, die mit den Mitteln des Kinos unerwartete Ausdrucksformen fand. - Sehenswert ab 16.