Black Robe - Am Fluß der Irokesen

Drama | Kanada/Australien 1990 | 101 Minuten

Regie: Bruce Beresford

Die Abenteuer und Versuchungen eines jungen Jesuitenpaters, der 1634 im französisch kolonisierten Kanada eine Missionsstation inmitten von verfeindeten Stämmen der indianischen Urbevölkerung übernimmt. Der beschwerliche Weg dorthin ist geprägt von Entbehrungen, Folter und Tod. Statt die Möglichkeit zu einem diskussionswerten Drama des Zusammenpralls religiös-kultureller Gegensätzlichkeiten zu nutzen, erschöpft sich der Film in bunter Abenteuerlichkeit mit schönen Landschaftsaufnahmen und drastischer Darstellung von Brutalität. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
BLACK ROBE
Produktionsland
Kanada/Australien
Produktionsjahr
1990
Regie
Bruce Beresford
Buch
Brian Moore
Kamera
Peter James
Musik
Georges Delerue
Schnitt
Tim Wellburn
Darsteller
Lothaire Bluteau (Pater Laforgue) · Aden Young (Daniel) · August Schellenberg (Chomina) · Sandrine Holt (Annuka) · Frank Wilson (Pater Jerome)
Länge
101 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama | Abenteuer | Western | Literaturverfilmung

Diskussion
Wer die Romane des aus einem autoritär-katholischen Elternhaus stammenden irisch-kanadischen Autors Brian Moore kennt, weiß, daß sie trotz gewisser Trivialisierungen brauchbare Vorlagen für den Film sind. So entstand nach Moores Roman "Catholics" 1973 ein gleichnamiger Film (fd 20 745), der ernsthaft zur Diskussion über Bewahrung und Entwicklung innerhalb der katholischen Kirche anregte. Zudem beeindruckte der Film mit großartiger Darstellung und guten Landschaftsaufnahmen. Nur die zeichnen auch die Verfilmung von "Black Robe" aus. Ansonsten gibt es nur Enttäuschungen. Daß Lothaire Bluteau, der sensible Christus-Darsteller aus "Jesus von Montreal" (fd 28 106), hier als jesuitischer "Schwarzrock" darstellerisch weit unter seinem künstlerischen Niveau bleibt, ist der Simplifizierung anzulasten, die den ganzen Film mehr zu einer Abenteuer-Geschichte voller Brutalität macht als zum diskussionswerten Protokoll eines Zusammenpralls unterschiedlicher Religionen und Kulturen, wie etwa im thematisch gleichartigen Film "Mission" (fd 25 940).

Wird in "Mission" mit ethischem Anspruch das von politischen Einflüssen bestimmte Schicksal einer jesuitischen Missionsstation 1750 im südamerikanischen Urwald geschildert, begeben sich in "Schwarzrock" die mühevollen Christianisierungsversuche der Jesuiten im Herbst und Winter 1643 in "Neufrankreich", in dem von Franzosen kolonisierten Kanada mit den indianischen Stämmen der Huronen, Algonkins und Irokesen. Der junge Jesuitenpater Laforgue aus der Normandie soll eine nur noch von einem alten, kranken Priester gehaltene Missionsstation im Gebiet der Huronen übernehmen. Vom Fort in Québec bricht er im Schutz einer Jägergruppe der befreundeten indianischen Algonkins und ihrer zwei Häuptlinge zur beschwerlichen Reise durch das wilde Land auf. Daß ein junger bretonischer Zimmermann aus dem Fort und eine Häuptlingstochter, in Liebe zueinander entbrannt, sich dem Zug anschließen, sichert dem Film nicht nur drastische Sexszenen von verweilender Anschaulichkeit, sondern auch dramaturgische Verhakelungen. Denn als die Reisegruppe von den feindlichen Irokesen überfallen und nach grausamen Folterungen bis auf wenige bestialisch getötet wird, gelingt den Überlebenden eine Flucht nur, weil das Indianermädchen sich dem irokesischen Bewacher hingibt und den Augenblick seines Orgasmus' nutzt, um ihn zu töten.

Laforgue muß den letzten Teil seines Weges zur Missionsstation allein zurücklegen. Er erreicht die Station unter dem C-Dur-Jubel seraphischer Chöre, kann dem einsamen alten Pater noch die Augen zudrücken und mit dem kleinen Geläut seines armseligen Kirchleins die Huronen herbeilocken. Aber wie der Abspann mitteilt, wurden die Huronen fünfzehn Jahre nach ihrer Bekehrung zum christlichen Glauben von den Irokesen vernichtet und die Missionsstation von den nach Québec zurückkehrenden Jesuiten aufgegeben.

Die durch verschiedene Anfechtungen ausgelösten inneren Konflikte des jungen Paters, der besonders der Versuchung zu heldisch erhöhendem Märtyrertum nicht abgeneigt ist und dessen Charakter - und glaubensprägende Kindheit und Jugend immer wieder eingeblendet wird, die problematische Begegnung zwischen christlicher Glaubensverkündigung und indianischem Kult und Ritual; die Angst der einen wie der anderen Seite vor dem Zwang zur Anpassung zwecks besserer Verständigung und Gemeinsamkeit; der Widerstand gegen den Identitätsverlust; der Überlebenskampf inmitten einer unwirtlichen Natur mit elementaren Ausbrüchen und nicht zuletzt die qualvolle Bürde der Missionsarbeit - das alles wird im Ansatz aufgegriffen, aber nicht über den Stichwortcharakter hinausgeführt. Statt tiefgreifender geistiger Auseinandersetzungen mit Menschen-, Zeit - und Glaubensproblemen bietet "Black Robe" mehr bunte Abenteuerlichkeit unter etwas Zuhilfenahme von ethnografischen Quellen aus dem 17. Jahrhundert. Daß die Dialoge der Huronen, Algonkins und Irokesen unverfälscht belassen sind und mit deutschen Untertiteln verständlich werden, ergibt auch nicht mehr als Schein-Authentizität.
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