Liebe hat zwei Gesichter

- | USA 1995 | 126 Minuten

Regie: Barbra Streisand

Eine alleinlebende Literaturdozentin und ein Mathematikprofessor, der seiner perspektivlosen erotischen Beziehungen müde ist, treffen ein Abkommen: sie heiraten einander, wollen ihre Ehe allerdings lediglich auf Respekt, Freundschaft und intellektuellen Gedankenaustausch aufbauen. Eine romantische Beziehungskomödie um das komplizierte Verhältnis von Verstand und Gefühl sowie die vermeintliche Unvereinbarkeit von körperlicher und seelischer Liebe. Mit viel pointenreichem Sprachwitz amüsant inszeniert, vor allem in den Frauenrollen auch nuancenreich und einfühlsam. - Ab 16.
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Filmdaten

Originaltitel
THE MIRROR HAS TWO FACES
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
1995
Produktionsfirma
TriStar Pictures/Phoenix Pictures/Barwood/New Regency
Regie
Barbra Streisand
Buch
Richard LaGravenese
Kamera
Dante Spinotti
Musik
Marvin Hamlisch · Barbra Streisand
Schnitt
Jeff Werner
Darsteller
Barbra Streisand (Rose Morgan) · Jeff Bridges (Gregory Larkin) · Lauren Bacall (Hannah Morgan) · George Segal (Henry Fine) · Mimi Rogers (Claire)
Länge
126 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 6; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Externe Links
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Heimkino

Verleih DVD
Columbia TriStar Home (16:9, 1.85:1, DD5.1 engl./dt.)
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Diskussion
Rose Morgan, Literaturdozentin an der Columbia Universität, ist bei ihren Studenten sehr beliebt: Selbst den vermeintlich abwegigsten Themen der Literaturgeschichte vermag sie dank ihrer ebenso intelligent wie leidenschaftlich vermittelten Vorträge das Interesse zu sichern, zumal sie immer wieder gerne auf grundsätzliche Fragen nach Sinn und Unsinn der Liebe als einem literarischen Topos zu sprechen kommt und dabei ihren Zuhörern auch ein sinnliches, dem eigenen Leben nahes Verstehen ermöglicht. Sobald Rose aber den Hörsaal verläßt, umschließt sie selbst allenfalls noch die romantische Sehnsucht nach einer erfüllten Liebe; sie zieht sich in die eigenen vier Wände zurück, die sie mit ihrer dominanten Mutter Hannah teilt, läßt sich äußerlich gehen und verkriecht sich vor den Fernseher, um einer Baseball-Übertragung zuzusehen. Weitaus weniger beliebt bei seinen Studenten ist dagegen Greg Larkin. Er ist Mathematikprofessor an derselben Universität wie Rose, nicht minder intelligent und hochqualifiziert, doch angesichts seiner zerfahren vorgetragenen mathematischen Gedankenspiele ermüdet er seine Zuhörer. Einige Studentinnen aber sind weniger an Gregs Formeln als an seiner erotischen Ausstrahlung interessiert. Und in der Tat liegt hier Gregs Problem: Seit nunmehr 14 Jahren springt er rastlos von einer Liebesaffäre zur nächsten, aufgeregt und ausgeliefert zugleich, unfähig, eine der Beziehungen dauerhafter und tiefer zu gestalten. So faßt er eines Tages einen Entschluß: Er sucht per Annonce eine kluge Frau über 35 Jahre für eine gefestigte, solide Beziehung - Aussehen: unbedeutend. Über Umwege begegnen sich Greg und Rose, und es dauert nicht allzu lange, bis Greg ihr einen Heiratsantrag macht, der mit einem seltsamen Arrangement verknüpft ist: Ihre Ehe soll sich ausschließlich auf Freundschaft und intellektuelle Gemeinsamkeiten begründen, Sicherheit und Vertrauen sollen weder durch Gefühlsverwirrungen noch durch körperliche Begehrlichkeiten getrübt werden. Rose springt tatsächlich ins kalte Wasser und wagt sich an diese Beziehung, die erst am Anfang von zahllosen Wirren und Komplikationen steht.

Barbra Streisands Komödie teilt vieles mit den Geschlechterrollenkämpfen in den klassischen Screwball-Komödien der späten 30er und 40er Jahre: Mitchell Leisens Filme ("Keine Zeit für Liebe", "Liebling, zum Diktat") lassen da am Rande ebenso grüßen wie etwa Hawks' "Leoparden küßt man nicht" (fd 13 905), der bei Gregs "unmännlicher" Hysterie Pate gestanden haben könnte. Dabei ist Streisands moderne Variante längst nicht so schrill und überdreht, vielmehr eine bei allem Sprachwitz zeitgemäß-romantische Variante dieser Komödienform, in der sich einerseits freier und offener über Themen wie Sex und Erotik sprechen läßt als früher, andererseits gerade aus der Übersättigung mit klischierten Erotikbildern und - Vorstellungen der 90er Jahre eine grundlegende Suche nach den Grundpfeilern der Liebe ergibt. Sanft-ironisch und stets amüsant, in der Ausgestaltung der - hervorragend gespielten - Frauenrollen durchaus auch subtil und einfühlsam umschreibt Barbra Streisand dabei das komplizierte Verhältnis von Verstand und Gefühl und opponiert ebenso leidenschaftlich wie pointiert gegen die vermeintliche Unvereinbarkeit von körperlicher und seelischer Liebe. "Jemand, der mich wirklich kennen würde, das wäre wunderschön...", seufzt Rose, das "häßliche Entlein", einmal und beschreibt damit auch ihre innere Unruh, die mal ins eine, mal ins andere Extrem schlägt, bevor sie allmählich eine Balance findet. Manchmal will dies sogar spirituelle Dimensionen streifen, wohltuenderweise aber nicht allzu ernsthaft, denn das wäre einfach nicht das Metier Streisands, die mit Herz und Couragiertheit unterhält, mal melancholisch, mit etwas Herzschmerz, stets aber versöhnlich, optimistisch und schließlich dann ja doch an die "wahre Liebe" glaubend. Seltsam farblos bleibt bemerkenswerterweise die zentrale Männerrolle: Greg ist und bleibt ein (liebenswerter) Hampelmann und erscheint ein bißchen wie die Rache für die vielen üblichen Frauenklischees, die Hollywood so distanzlos anhäuft.
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