Gangs of New York

Drama | USA/Großbritannien/Italien/Deutschland/Niederlande 2002 | 166 Minuten

Regie: Martin Scorsese

Martin Scorseses groß angelegter Versuch, die blutigen Bandenkriege im New York der Jahre 1846 bis 1863 als Beispiel für die gewalttätigen Ursprünge Amerikas (und vielleicht jeder Zivilisation) zu interpretieren. Der Film enthält hervorragend inszenierte Sequenzen von archaischer Kraft, verzettelt sich aber immer wieder in Detailverliebtheit und thematischen Wiederholungen. Zudem ist der zentrale Konflikt zwischen dem Anführer einer Gang und dem auf Rache sinnenden Sohn eines seiner irischen Einwanderer-Opfer zu schematisch und voraussehbar, als dass der ausufernde, teils überfrachtete Film in ihm auf Dauer ein genügend fesselndes Zentrum finden könnte.

Filmdaten

Originaltitel
GANGS OF NEW YORK
Produktionsland
USA/Großbritannien/Italien/Deutschland/Niederlande
Produktionsjahr
2002
Regie
Martin Scorsese
Buch
Jay Cocks · Steven Zaillian · Kenneth Lonergan
Kamera
Michael Ballhaus
Musik
Howard Shore
Schnitt
Thelma Schoonmaker
Darsteller
Leonardo DiCaprio (Amsterdam Vallon) · Daniel Day-Lewis (William "Bill the Butcher" Cutting) · Cameron Diaz (Jenny Everdeane) · Jim Broadbent (William Tweed) · John C. Reilly (Happy Jack)
Länge
166 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16; f
Genre
Drama | Gangsterfilm | Historienfilm

Heimkino

Im Gegensatz zur gänzlich bonuslosen Einzel-DVD bietet die Special-Edition (2 DVDs) eine Reihe von bemerkenswerten Extras. Darunter den Audiokommentar des Regisseurs sowie das Discovery Channel-Special "Die wahren Gangs of New York", das die historischen Hintergründe des Filmthemas auf eindrucksvolle Weise beleuchtet. Ausgezeichnet mit dem "Silberling 2003" der Filmzeitschrift film-dienst!

Verleih DVD
Splendid (16:9, 2.35:1, DD5.1 engl./dt.), Doppel DVD: Splendid (16:9, 2.35:1, DD5.1 engl./dt., DTS dt.)
DVD kaufen
Diskussion
„America was born in the streets“ heißt die Schlagzeile, mit der in den USA für Martin Scorseses Film Reklame gemacht wird. Und mit was für einer Geburt überwältigt der seit „Mean Streets“ (fd 19 864) von seiner Heimatstadt New York besessene Regisseur das Publikum! Seine Kamera windet sich durch die finsteren Gewölbe der in Cinécittà nachgebauten Old Brewery. Man sieht die Dead Rabbits ihre Messer schleifen, ihre Keulen zum Kampf erproben. Eine Tür wird aufgestoßen, und heraus fluten die irischen Immigranten auf den schneebedeckten Paradise Square, jederzeit bereit, ihr Leben zu lassen im Zusammenprall mit den „Nativists“, die alles totschlagen wollen, was sich ihrem behaupteten Recht auf diesen Stadtteil in den Weg stellt. Es ist eine Szene von archaischer Kraft, mit der „Gangs of New York“ beginnt, ein symbolhaftes Statement von solch elementarer Wucht, dass sich ihm wohl kaum jemand entziehen kann. Für zehn Minuten bekommt das Publikum Scorsese „at his best“: Den Filmemacher, der eine ganze historische Epoche in einer einzigen Szene lebendig machen kann, den seine künstlerische Vision und Disziplin in seinen besten Stunden dazu befähigen, gesellschaftliches und moralisches Zeugnis abzulegen, ohne zu heroisieren oder zu verdammen. Den Rest des Films kann man sich sparen. Er besteht aus Variationen desselben Themas, verliebt in skurrile Figuren und Details, über deren historische Signifikanz sich streiten lässt und deren Organisation zu einem exemplarischen politischen Drama – das Scorsese ganz offenkundig inszenieren wollte – wenig plausibel und wenig involvierend ausgefallen ist. Scorseses Faszination mit diesem Stoff begann vor mehr als drei Jahrzehnten. Der Zeitpunkt, an dem er Feuer fing, lässt sich auf den Tag genau festmachen: Am Neujahrstag 1970 las Scorsese Herbert Asburys Buch „Gangs of New York – An Informal History of the Underworld“, eine 1928 erschiene

Filmdienst Plus

Ich habe noch kein Benutzerkonto
Kommentar verfassen

Kommentieren