Serenity - Flucht in neue Welten

Science-Fiction | USA 2005 | 119 Minuten

Regie: Joss Whedon

Im Jahr 2507 regiert das Weltall eine Allianz, die nicht so friedlich ist, wie sie zu sein vorgibt. Eine junge Frau, der Telepathie und der Martial-Arts-Kunst fähig, und ihr Bruder werden vom Regime gejagt und wollen die Welt über die Machenschaften der Allianz aufklären, wobei ihnen die Schmuggler- und Outlaw-Crew eines Raumschiffs hilft, die ebenfalls von der Allianz, aber auch von Kannibalen gejagt wird. Der visuell reizvoll altmodische Science-Fiction-Film ist ein Spin-off der vorzeitig abgesetzten Serie "Firefly", entwickelt deren Handlungsfäden stimmig weiter und gibt Antwort auf einige offene Fragen. Dabei punktet das mit Western- und Zombiefilm-Elementen spielende Weltraum-Abenteuer mit allerlei historischen und politischen Anspielungen, flotten Sprüchen sowie viel Genre- und Selbstironie. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
SERENITY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2005
Regie
Joss Whedon
Buch
Joss Whedon
Kamera
Jack N. Green
Musik
David Newman · Mark Brooks · Peter Gilstrap
Schnitt
Lisa Lassek
Darsteller
Nathan Fillion (Capt. Malcolm "Mal" Reynolds) · Gina Torres (Zoe) · Alan Tudyk (Wash) · Morena Baccarin (Inara) · Adam Baldwin (Jayne)
Länge
119 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Science-Fiction

Heimkino

Verleih DVD
Universal (1:2.35/16:9/Dolby Digital 5.1)
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Diskussion
Die Besatzung des Raumschiffs „Serenity“ (Gelassenheit) ist eine Mischung aus ultramodernen Piloten und übrig gebliebenen 68-ern. Das Raumschiff selbst sieht ebenfalls altbacken aus, wie ein kantiger Vogel und keineswegs wie eine sterile Kreation aus dem Jahr 2507, in dem die Handlung spielt. Auch sind die Guten nicht alle gut, denn die Crew der „Serenity“ schmuggelt Waren und transportiert Passagiere, die sich nicht an die Gesetze jener Allianz halten, die das Weltall beherrscht. All das hebt den Kinofilm „Serenity“ (nach der wenig erfolgreichen Fernsehserie „Firefly“) durchaus positiv aus der sonst üblichen Special-Effects-Welt des Genres heraus. Ebenso wie die Tatsache, dass keine Stars mitspielen und ein Geschwisterpaar im Mittelpunkt der Handlung steht. Simon rettet seine Schwester River in letzter Minute aus dem Operationssaal, wo ihr die Allianz gerade eine Gehirnwäsche verpassen will; denn River befand sich im selben Raum mit Allianz-Parlamentariern, als diese sehr unschöne Dinge ausheckten – und River kann Gedanken lesen. Ihre Flucht bringt sie auf die „Serenity“, deren Besatzung sich nach dem verlorenen Krieg aus Gewissensgründen nicht der Allianz anschließen will und es vorzieht, von illegalen Geschäften zu leben. Doch das Raumschiff muss nicht nur den Allianz-Agenten entweichen, sondern auch einer Art Weltall-Kannibalen. Der Kampf an den zwei Fronten plus das Geschwisterpaar, das eigene Ziele verfolgt, sorgen dafür, dass der Film nicht ganz so gradlinig verläuft und auch für Nicht-Science-Fiction-Fans interessant ist. Zumal er gesellschaftskritische Züge trägt, angefangen von der Zeit nach dem US-Bürgerkrieg, als etliche Unterlegene lieber Outlaws als Sklaven des neuen Systems wurden, bis zu heutigen Staaten und Organisationen, die behaupten, nur Frieden für alle zu wollen, in Wahrheit jedoch alle unterwerfen und das zum Teil so geschickt anstellen, dass die Manipulierten es nicht merken. Simon und River wollen die Welt über die Machenschaften der Allianz aufklären, aber das ist nicht so einfach, wenn man selbst gejagt wird und erst einmal die misstrauische „Serenity“-Besatzung überzeugen muss. Natürlich parodiert der 41-jährige US-Regisseur Joss Whedon mit dem intellektuellen Simon, der leicht psychotischen Körper-Artistin River, dem gelassenen „Serenity“-Commander Mal, der unglücklich verliebten Allianz-Frau Inara, der ebenso unglücklich verliebten „Serenity“-Ingenieurin Kaylee und dem rastlosen Allianz-Agenten Operative so nebenbei eine Menge neuerer Genrefilme von „Star Wars“ bis zu „X-Men“ sowie auch einige Western (etwa wenn die „Serenity“-Crew eine fast leere Bank ausraubt). Dazwischen bleibt trotzdem Zeit für wilde galaktische Schlachten und Verfolgungsjagden, fast schon politisch-philosophische Gespräche und jede Menge cooler Sprüche, die immer wieder für Heiterkeit sorgen, weil sie so gar nicht zum Ambiente des Raumschiffs passen wollen. Überhaupt scheinen Stilbrüche aller Art Methode zu sein, vor allem die optischen, wenn die Weltraumlandschaften, das Outfit der Protagonisten und das Nebeneinander von antiker und futuristischer Welt so sinnvoll zusammenpassen wie bei einem Dada-Werk. Hartgesottene Genre-Fans und solche, die Joss Whedons „Firefly“-Serie kennen, dürften bei diesem Debütfilm vom Co-Autor von „Alien – Die Wiedergeburt“ (fd 32 875), und „Toy Story“ (fd 31 830) eher weniger auf ihre Kosten kommen, zumal es in „Serenity“ auch zu wenig computeranimiertes Design und zu viele kammerspielartige Szenen gibt; alle anderen aber dürften zumindest häufig schmunzeln. Auch wenn der Film nur mäßig spannend ist, einige inszenatorische Schwächen aufweist und eher durchschnittliche Schauspieler beschäftigt – „Serenity“ hat, was „Star Wars“ und vielen anderen Sci-Fi-Filmen fehlt: eine gehörige Portion Selbstironie.
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