American Dreamz - Alles nur Show

- | USA 2006 | 100 Minuten

Regie: Paul Weitz

Die Teilnehmer einer Talent-Show, in der der US-Präsident als Gastjuror fungiert, liefern sich einen verbissenen Kampf um die öffentliche Beliebtheit. Dabei erweisen sich eine durchaus talentierte Sängerin und ein steppender arabischer Terrorist wider Willen als die aussichtsreichsten Kandidaten. Ein kleines Komödienkunstwerk über die Kultur der Oberflächlichkeit, das in Teilen durchaus gelungen ist und mit ebenso zündenden wie frechen Gags aufwartet. Als Gesellschafts- und Politsatire ist der Film indes weit weniger überzeugend. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
AMERICAN DREAMZ
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2006
Regie
Paul Weitz
Buch
Paul Weitz
Kamera
Robert Elswit
Musik
Stephen Trask
Schnitt
Myron I. Kerstein
Darsteller
Hugh Grant (Martin Tweed) · Dennis Quaid (Präsident Staton) · Mandy Moore (Sally Kendoo) · Marcia Gay Harden (First Lady Staton) · Chris Klein (William Williams)
Länge
100 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 6; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.

Heimkino

Verleih DVD
Universal (16:9, 1.85:1, DD5.1 engl./dt.)
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Diskussion
Der erfolgreichste amerikanische Exportschlager ist der Glaube, dass es jeder zu Ruhm und Reichtum bringen kann, sofern er es nur mit aller Kraft versucht. Im Fernsehen begegnet man dieser Einsicht in der Endlosschleife von „Deutschland sucht den Superstar“, im Film von Paul Weitz liefert sie den Rahmen für eine etwas zu sympathisch geratene Gesellschafts- und Politsatire. Die Kandidaten sind der amerikanische Präsident als lahme Ente und Marionette seiner Berater, ein singendes Britney-Spears-Nymphchen, das weder Skrupel noch Illusionen kennt, und ein irakischer Freiheitskämpfer, den seine unglückliche Liebe zum Broadway-Musical in die Endrunde einer erfolgreichen Fernsehshow katapultiert. Wessen Stern wird aufgehen? Wer wird im Scheinwerferlicht verglühen? Und wer ist hier der Selbstmordattentäter? Die ganze Welt schaut zu, als sich ein merklich desorientierter Präsident zur Unlösbarkeit des Nahostkonflikts bekennt und der steppende Terrorist wider Willen die alles entscheidende Frage stellt: „Sind die Amerikaner verantwortlich für die Taten ihres Landes?“ Nicht dass Weitz darauf eine Antwort hätte, aber er weiß, in welchem Medium sie zu stellen ist. „American Dreamz“ heißt die populärste Fernsehsendung auf Erden, in der eine bunte Mischung aus Möchtegern-Begabungen erst einem schmierigen Moderator zum Fraß und dann dem Publikum zum Verdammen oder Anhimmeln vorgeworfen wird. Auf der Suche nach der jüngsten Attraktion stoßen die Späher auf die sängerisch talentierte Sally, deren tragische Abgebrühtheit sogar ihren in Zynismus und Selbstmitleid ertrinkenden TV-Gastgeber rührt. An ernsthafter Konkurrenz erwächst der Blondine ein Schweinereien rappender Rabbi sowie ein terroristischer Schläfer namens Omer, den seine Anführer nach Amerika geschickt haben, um ihn niemals aus seiner liebenswerten Trantütigkeit zu wecken. Doch dann kündigt sich der Präsident als Gastjuror bei der Endausscheidung an, und die Mudschaheddin sehen dank Omer ihre Chance, dem Erzfeind endlich beizukommen. Wenn man bedenkt, was hier alles auf einmal durch den Kakao gezogen wird, hätte „American Dreamz“ vielleicht etwas lustiger sein müssen, um zu überzeugen. Zufall oder nicht: Von allen Paul-Weitz-Filmen ist sein politisch ambitioniertester auch sein schwächster. Am mangelnden Willen zur satirischen Zuspitzung hat es nicht gelegen: Die dem realen Vorbild „American Idol“ nachempfundene Fernsehshow erscheint nicht nur als Quintessenz der amerikanischen Demokratie, auch die zweite Präsidentschaft George W. Bushs wird als eine Episode in der Geschichte des US-Unterhaltungsfernsehens dargestellt. „Politik ist kein Beliebtheitswettbewerb“, hatte sein Gegenkandidat John Kerry im Wahlkampf behauptet und saß damit zumindest nach Maßgabe von Weitz einem entscheidenden Irrtum auf. Nichts ist wichtiger als Beliebtheit, meint auch die präsidiale Entourage, als sich der soeben im Amt bestätigte Joe Staton beharrlich weigert, die Geschäfte wieder aufzunehmen. Im Morgenrock wühlt er sich durchs politische Lesefutter und stellt verwundert fest, dass die Welt da draußen anders ist, als es ihm seine Berater vorkauen. Nach einem Nervenzusammenbruch bringt staton erst ein kleiner Knopf im Ohr wieder auf Kurs, den Rest soll sein Auftritt als Talentshow-Juror regeln. Tatsächlich fühlt sich der Präsident bei den Amateuren bestens aufgehoben, wie er seiner Frau gesteht. Der wahre Grund, warum er ins Weiße Haus gewählt wurde, sei: „Weil meine Mutter meinem Vater zeigen wollte, dass jeder Idiot es schaffen kann.“ Es gibt köstliche Momente, aber immer wieder Leerlauf, und irgendwie fügen sich die einzelnen Episoden nicht zum großen (Gesellschafts-)Ganzen. Für sich genommen ist jeder Handlungsstrang ein kleines Komödienkunstwerk über die Kultur der Oberflächlichkeit, die von den Protagonisten mal als Verheißung, mal als Verdammnis empfunden wird. Die Pointe dabei ist, dass der amerikanische Traum gerade beim Immigranten Omer, seiner irakisch-amerikanischen Gastfamilie und selbst unter den Mudschaheddin seine innigsten Fürsprecher findet. Passend dazu rückt Weitz in der Mitte des Films Benjamin Barbers Politbestseller „Jihad vs. McWorld“ ins Bild. Die Kernaussage von Barbers Buch, nach der die westliche Welt den Glaubenskrieg gegen den Islamismus durch das Fernsehen gewinnt, scheint auch das Credo des Regisseurs zu sein. Bei allen Figuren halten sich Fanatismus und Korrumpierbarkeit die Waage, doch am Ende hat McWorld dank seiner größeren missionarischen Durchschlagskraft einen Etappensieg gegen den Jihad errungen.
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