Schweinskopf al dente

Komödie | Deutschland 2016 | 96 Minuten

Regie: Ed Herzog

In der dritten Romanverfilmung um den lakonischen Provinzpolizisten Franz Eberhofer (nach "Dampfknödelblues", 2013, und "Wintrekartoffelknödel", 2014) wird kein Mordfall aufgeklärt, vielmehr bedroht ein entlaufener Psychopath die Polizisten, die ihn einst hinter Gitter brachten. Eberhofer und seine Kollegen setzen sich mit unkonventionellen Mitteln zur Wehr. Eine Krimi, in dem nahezu alle Figuren zu Klischees gerinnen und sich eine Klamauk-Episode an die nächste reiht. Einzig der Hauptdarsteller überzeugt durch sein zurückgenommenes Spiel. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2016
Regie
Ed Herzog
Buch
Stefan Betz
Kamera
Philipp Sichler
Musik
Martin Probst
Schnitt
Stefan Essl · Marco Pav D'Auria
Darsteller
Sebastian Bezzel (Franz Eberhofer) · Simon Schwarz (Rudi Birkenberger) · Lisa Maria Potthoff (Susi) · Eisi Gulp (Papa Eberhofer) · Sigi Zimmerschied (Dienststellenleiter Moratschek)
Länge
96 Minuten
Kinostart
11.08.2016
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Komödie | Krimi | Literaturverfilmung

Dritter Teil der lakonishen Eberhofer-Krimiserie mit Sebastian Bezzel

Diskussion
In Niederbayern geht es deftig zu: Dampfnudeln, Kartoffelknödel, Sauerkraut, Leberkäse-Semmeln. Da ist der Weg zum „Schweinskopf al dente“ nicht weit, der dritten Bestseller-Verfilmung nach Rita Falk, erneut inszeniert von Ed Herzog. Von der Autorin sind inzwischen sieben Bände über die Fälle des stoischen Dorfpolizisten Franz Eberhofer erschienen. Auf der Leinwand ist also noch Luft nach oben. Das Schwein muss in Bayern für vieles herhalten. Neben dem deftigen Belag für die obligatorische Polizistenbrotzeit gerne auch zur Diffamierung oder bei Rita Falk für blutige Drohgebärden. Wo es in „Dampfnudelblues“ (2013, fd 41 831) noch ein blutrotes „Stirb, du Sau!“-Graffiti an der Hauswand des Realschuldirektors war, liegt nun ein abgehackter Schweinekopf im Bett des Polizeidienststellenleiters Moratschek, der vom Kabarettisten Sigi Zimmerschied gespielt wird. Moratschek bleibt aber, anders als der Realschuldirektor Höpfl, am Leben. Auch, weil er kurzerhand zu Eberhofer und dessen kiffendem 68er-Vater ins idyllische Bauernhaus zieht. Von Vater lässt er sich von den Vorzügen einer dem Rotwein, Marihuana und nächtlichen Reggae-Konsum zugeneigten Lebensart überzeugen, sehr zum Missfallen von Eberhofer, der grundsätzlich am liebsten seine Ruhe hat. Das ist wohl auch der Grund, weshalb der Polizist seiner Freundin Susi nicht hinterher gereist ist, als sie ihn wegen eines feschen Italieners verlassen hat. Ein Mörder muss dieses Mal nicht gesucht werden. Allen ist klar, mit wem sie es zu tun haben: einem entflohenen Psychopathen, der auf Rache gegen die Polizisten sinnt, die ihn einst dingfest machten. Allen Vorurteilen gegenüber den inflationären Provinzkrimipossen zum Trotz war „Dampfnudelblues“ sehr vergnüglich und setzt sich mit originellen, liebevoll gezeichneten Figuren erfolgreich gegen Bayernklischees und -klamauk zur Wehr. Über „Winterkartoffelknödel“ (2014 fd 42 641) ließ sich das schon nicht mehr so deutlich sagen; „Schweinskopf al dente“ ist nun wieder beim Schwank, der Typenkomödie und dem Figurentheater angekommen. Die Besetzung ist nach wie vor gut, allen voran Sebastian Bezzel als lakonisch-sarkastischer Franz Eberhofer. An der Oberfläche setzt der dritte Teil auf Bewährtes, nämlich die schrulligen Eigenheiten der Figuren. In kurzen episodischen Skizzen werden diese schematisch ausgearbeitet: Flötzinger im Provinzpuff, der Vater und Moratschek beim Kiffen, Eberhofers Freund, der Privatdetektiv Rudi Birkenberger, mit Proll-Sekretärin. Diese Skizzen bleiben aber als Pointen ohne Witz für sich stehen und wollen sich partout nicht zu einem Dorfpanorama verbinden. Die Schauspieler grimassieren und chargieren, vielleicht auch notgedrungen. Bis auf Bezzel. Dessen Figur darf sich mimisch und gestisch ja nicht zu viel bewegen. Möglicherweise hängt die Skizzenrevue auch damit zusammen, dass nach „Dampfnudelblues“ der Drehbuchautor Christian Zübert ausgewechselt wurde. Zübert kann sehr komisch schreiben; er besitzt Sinn für Redundanzen, Überraschungsmomente und die Fallhöhe des Humors. Auch werden die Figuren, so abseitig sie auch sein mögen, von Zübert stets ernst genommen, was die Voraussetzung dafür ist, dass man ihnen irgendwie empathisch begegnet. In „Schweinskopf al dente“ gibt es dafür aber kaum Spielraum. Der nächste Ebenhofer-Krimi mit dem Titel „Grießnockerlaffäre“ soll 2017 ins Kino kommen. Das Skript stammt wie bei „Schweinskopf al dente“ von Stefan Betz. Es wäre der Reihe zu wünschen, dass der vierte Teil etwas mehr vom Charme des „Dampfnudelblues“ versprüht und dass sich die unwiderstehliche Lakonie von Sebastian Bezzel wieder etwas mehr durchsetzen kann.
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