Drama | Deutschland 2016 | 104 Minuten

Regie: Leonie Krippendorff

Drei Frauen aus unterschiedlichen Generationen begegnen sich in einer psychiatrischen Klinik, in der sie gelandet sind, weil sie nicht mehr mit ihrem Leben zurechtkommen, sich überfordert und allein gelassen fühlen. In der weltentfernten Atmosphäre entwickelt sich zwischen ihnen eine seltsame Liebesgeschichte. Der von seinen überzeugenden Haupt­darstellerinnen getragene Erstlings­film konstruiert im Stil eines realistischen Märchens eine hermetische Nebenwelt, ein Fantasiereich als geträumte Utopie. Dabei krankt er an der Holzschnittartigkeit, mit der er die Krisen der Figuren entwickelt, denen dramaturgisch und inszenatorisch nur wenig Raum zur Entfaltung bleibt. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2016
Regie
Leonie Krippendorff
Buch
Leonie Krippendorff
Kamera
Jieun Yi
Musik
Tammy Ingram
Schnitt
Jihyeon Park
Darsteller
Jella Haase (Leila) · Lana Cooper (Frenja) · Marie-Lou Sellem (Ann) · Maximilian Klas (Paul) · Joachim Schönfeld (Therapeut)
Länge
104 Minuten
Kinostart
25.08.2016
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama | Liebesfilm

Heimkino

Verleih DVD
Salzgeber (16:9, 1.78:1, DD5.1 dt.)
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Leidenschaftlich-zärtlicher Beziehungsreigen dreier Frauen

Diskussion
Diesmal heult sie laut. Jella Haase (u.a. »Fack ju Göhte«, (fd 42 025); »4 Könige«, (fd 43 532)) darf in Leonie Krippendorffs Spielfilmdebüt als 19-jähriges Schaustellerkind Leila ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Es ist schlicht niemand da, der Leila wahrnehmen, der sie genug beachten würde, um sie vom Weinen abzuhalten. Um sie von irgendetwas abzuhalten. Ihr Vater hat mit seinen Auto-Scootern zu tun, und die coole Sarah, in die sie verliebt ist, knutscht nur mit ihr herum, um »Jungs heißzumachen«. »Raus aus Åmål« lässt grüßen. Also stapft Leila mit einer Flasche Wodka zur nächsten Peepshow, aber auch da handelt sie sich eine rüde Abfuhr ein: »keine Mädchen«. Frustriert klettert sie zu einem Lastwagenfahrer ins Cockpit, der Schnaps von ihr schnorrt und sie auf eine »Stadtrundfahrt« mitnimmt, die fröhlich beginnt und böse endet. Nach der Vergewaltigung landet sie in der Notaufnahme und lässt sich anschließend freiwillig in eine psychiatrische Klinik einweisen. Bevor ihr Vater sie dort abliefert, fragt er sie noch einmal, was denn passiert sei, dass es so weit kommen konnte. Als Leila zurückfragt, ob er das wirklich wissen wolle, antwortet er ihr nicht. Deutlicher lässt sich die Entfremdung zwischen den beiden, lässt sich Leilas Verlorenheit kaum inszenieren. Überhaupt schildert Leonie Krippendorff die Zwangslagen ihrer Protagonistinnen derart unmissverständlich, dass es oft plakativ gerät. Einzig die Vorgeschichte von Leilas Zimmer- und bald auch Bettgenossin Ann, einer dominant fürsorglichen Borderline-Patientin Anfang 50, bleibt lange im Dunkeln. Bei Frenja dagegen, die mit Mitte 30 das Genera­tionen-Triple im Dreibettzimmer der Heilanstalt komplettiert, liegt die Sache auf der Hand. Frenja kümmert sich um alle: die kleine Tochter, den wehleidigen Ehemann, die egozentrische Schwester – und bleibt selbst dabei auf der ­Strecke. Als sie eine Geburtstagsfeier für ihre Schwester organisiert, will sie nach deren umjubelter Gesangseinlage selbst noch etwas auf dem Saxofon vorspielen. Sie hat das Instrument schon umgeschnallt, als die Schwester eine Dankesrede auf sie hält und danach in zynischer Weise das Büffet für eröffnet erklärt. Keiner der Gäste registriert, dass sie damit Svenja ihren Auftritt stiehlt. Die offensichtlichen Kausal­ketten, mit denen Leonie Krippendorff in ihrer Abschlussarbeit an der Filmhochschule Babelsberg operiert, sind typisch für das bildungsbürgerliche deutsche Befindlichkeitskino, das die Filmakademien hierzulande seit Jahren beharrlich hervorbringen (meist in Co-Produktion mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen). In »Looping« fungiert die Klinik als Refugium für die in den Coming-of-Age-, Midlife- und sonstigen Lebenskrisen gestrandeten Frauen; eine »Psychiatrie« am Meer wie eine Mischung aus betreutem Wohnen, Hostel und Zauberberg. Ein aus der Zeit und der Welt gefallenes Idyll, in dem die drei Frauen als leidenschaftlich-zärtliche Menage à trois vorübergehend nicht nur sexuell ein neues Zuhause finden. Dieses generationenübergreifende Liebestrio bildet als harmonische Ersatzfamilie den Kern des Dramas. Dass dieser recht stabil ist, liegt vor allem an den durchweg überzeugenden Hauptdarstellerinnen. Dramaturgisch und inszenatorisch fällt Leonie Krippendorff zu dieser Schicksalsgemeinschaft eher wenig ein. Ab und zu schleichen sich die drei nachts ins Schwimmbad, um dort nackt zu plantschen und zu tauchen. Am Strand rollen sie sich im Sand, es wird viel in Zeitlupe getanzt. Für die ­31-jährige Berliner Regisseurin ist ihr Film im Grunde ein ­Märchen, und tatsächlich kreiert sie mit ihrem Schauplatz eine hermetische Nebenwelt, ein Fantasiereich wie eine geträumte Utopie. Wie ein Märchen wirkt das vor allem aber auch, weil es so unrealistisch ist. Was ­»Looping« fehlt, damit man die Botschaft nicht nur hört, ­sondern auch glaubt, ist der märchen­hafte Zauber. Einige malerisch eingestreute Unschärfen reichen da nicht.
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