Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?

Komödie | Deutschland/Schweiz 2018 | 93 Minuten

Regie: Kerstin Polte

Eine unheilbar erkrankte Frau will nach 37 Ehejahren mit ihrem Ehemann endlich ans Meer fahren, doch der ziert sich. Deshalb fährt sie mit ihrer Enkelin alleine los. Nach einem abenteuerlichen Trip landet dann aber die ganze Familie auf einer Insel in einer surrealen Pension. Ein eher bemühter Debütfilm, in dem sich Fantasie und Poesie nicht so recht entfalten. Dies gilt auch für die Figuren, obwohl die Schauspieler versuchen, den mitunter doch recht skurrilen Charakteren Authentizität zu verleihen. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
WER HAT EIGENTLICH DIE LIEBE ERFUNDEN?
Produktionsland
Deutschland/Schweiz
Produktionsjahr
2018
Regie
Kerstin Polte
Buch
Kerstin Polte
Kamera
Anina Gnuer
Musik
Johannes Gwisdek · Meret Becker
Schnitt
Ulf Albert · Julia Wiedwald
Darsteller
Corinna Harfouch (Charlotte) · Meret Becker (Alex) · Sabine Timoteo (Marion) · Karl Kranzkowski (Paul) · Annalee Ranft (Jo)
Länge
93 Minuten
Kinostart
03.05.2018
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie | Liebesfilm

Heimkino

Die Edition enthält eine Audiodeskription für Sehbehinderte sowie ein Feature mit im Film nicht verwendeten Szenen.

Verleih DVD
Alamode (16:9, 2.35:1, DD5.1 dt.)
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Gut besetzter, um Originalität und Skurrilität bemühter Debütfilm, in dem sich Fantasie und Poesie nicht so recht entfalten wollen.

Diskussion
Dieselmotoren, Braunsche Röhren, Glühbirnen, die Kuckucksuhr, der Buchdruck und das Bier! Warum sollte also die Liebe nicht auch eine deutsche Erfindung sein? Die Nationalität des Erfinders der Liebe spielt in „Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“ freilich keine Rolle. Aber vielleicht ist es irgendwie doch typisch deutsch, nach dem Erfinder der Liebe zu fragen. Was macht das aus der Liebe, wenn ein Tüftler, ein Daniel Düsentrieb, sie ersonnen hat? Doch auch dieser Frage geht Kerstin Polte in ihrem Debütfilm nicht nach. Der eilfertige Vergleich mit „Die fabelhafte Welt der Amélie“ (fd 34 999) und „Little Miss Sunshine“ (fd 37 908) bürdet ihm überdies eine falsche Erwartung auf. Es fängt damit an, dass Charlotte aus ihrer Ehe ausbricht. Sie erfährt, dass sie schwer krank ist, möchte sie die verbleibende Zeit mit ihrem Mann Paul genießen, mit dem sie seit fast 40 Jahren verheiratet ist. Charlotte will ans Meer. Nicht in die Berge, wie all die vergangenen Jahre. Doch Paul versteht gar nicht, worum es geht. Diese Ausgangssituation, noch fest im Realismus verankert, ist gut beobachtet: Nicht nur in der Generation, von der hier die Rede ist, haben sprachlose Jahrzehnte mit einer trügerischen Hoffnung auf ein besseres Morgen, haben unausgesprochene Sehnsüchte die Liebe langsam zugedeckt. So treffen Charlotte und Paul dann auch schnell auf die nächste Generation und die darauf folgende: auf Tochter Alex und Enkelin Jo. Auch dort ist die Beziehung von Sprachlosigkeit gekennzeichnet; Alex weiß den obskur-neunmalklugen Eigensinn des Mädchens nicht zu schätzen, sondern ist nur noch genervt, überfordert, überarbeitet. Die beiden „Sehenden“ Charlotte und Jo machen sich zusammen auf eine Reise Richtung Nordseeküste, durch schöne, wilde Landschaften, die „Blinden“ lassen sie zu Hause. Doch Alex und Paul fahren ihnen hinterher und treffen auf ihrem Weg die Truckerin Marion, die ihre Fahrerkabine mit Fotografien von Wolkenformationen dekoriert hat. Nicht nur anhand derer lehrt sie die beiden, wieder zu sehen. Auf einer Insel, in der wundersamen Pension Horster, treffen die vier dann zusammen. Noch wundersamer als die Pension ist deren gleichnamiger Wirt: der freundlich-zerzauste Herr hat beispielsweise keinen Bauchnabel. Ob er vielleicht die Liebe erfunden hat? Seine Weisheiten begleiten die Erzählung im Off-Kommentar. Die Schauspieler, unter anderem Corinna Harfouch als Charlotte, Meret Becker als Alex und Sabine Timoteo als Marion, bemühen sich redlich, ihren Figuren Leben einzuhauchen. Doch so ersonnen und ausgedacht wie das erzählerische Konstrukt sind auch die Sätze, die die Figuren sprechen. Die Versuche der Schauspieler wirken wie die Inszenierung: bemüht. Die Ideen versanden in Naivität und Kitsch, die Fantasie bleibt wie die Poesie eine Behauptung. Magie oder die Chemie zwischen den Figuren will sich nicht einstellen. Die Liebe war wohl keine deutsche Erfindung. Womöglich waren da eher die Franzosen am Werk.
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