Spuk in Hill House

Horrorfilm | USA 2018 | 576 (zehn Folgen) Minuten

Regie: Mike Flanagan

Serien-Neuverfilmung von Shirley Jacksons gleichnamigem Horror-Roman aus dem Jahr 1959. Nachdem sich bereits Robert Wise ("Bis das Blut gefriert", 1962) und Jan de Bont ("Das Geisterschloss", 1999) an dem Stoff versucht haben, liefert Serien-Regisseur Mike Flanagan eine Adaption, in der eine zerrissene Familie im Mittelpunkt steht: Im Sommer 1992 zieht eine siebenköpfige Familie in ein viktorianisches Herrenhaus, um es zu renovieren und später wieder zu verkaufen. Immer wieder geschehen merkwürdige Dinge, übernatürliche Vorfälle ereignen sich, auch ein tragischer Tod lässt nicht lange auf sich warten und bewegt die neuen Bewohner zum Auszug. 26 Jahre später bringt ein weiterer plötzlicher Tod die Familie und das Haus wieder zusammen. Oder ist es das Geisterhaus selbst, das die Fäden in der Hand hat? Die Serie macht daraus dank guter Darsteller, vor allem aber durch eine raffinierte Umsetzung in Sachen Kameraführung, Lichtsetzung und Montage einen zutiefst beunruhigenden, fesselnden Horrortrip. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE HAUNTING OF HILL HOUSE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Mike Flanagan
Buch
Mike Flanagan · Meredith Averill
Kamera
Michael Fimognari
Musik
Newton Brothers
Schnitt
Jim Flynn · Ravi Subramanian · Brian Jeremiah Smith
Darsteller
Michiel Huisman (Steven Crain (erwachsen)) · Paxton Singleton (Steven als Kind) · Carla Gugino (Olivia Crain) · Timothy Hutton (Hugh Crain als älterer Mann) · Henry Thomas (Hugh als junger Mann)
Länge
576 (zehn Folgen) Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Horrorfilm | Literaturverfilmung | Serie
Diskussion

Das Blut gefriert auch im Serienformat: Regisseur Mike Flanaghan hat Shirley Jacksons Roman "Spuk in Hill House" verfilmt und überzeugt mit formal bestens umgesetztem Grusel.

Bis das Blut gefriert“ hieß sehr passend Robert Wises 1962 entstandene Filmversion des Romans „Spuk in Hill House“ (1959), die eine der bizzarsten, eindrücklichsten Geisterhaus-Fantasien der Kinogeschichte entwarf. Nun ist der Stoff der amerikanischen Schriftstellerin Shirley Jackson (1916-1965), der durch Berichte der „Society for Psychological Research“ zur Untersuchung parapsychologischer Phänomene inspiriert wurde, als Serie neu verfilmt worden.

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Im Vordergrund des Romans steht vor allem das Konzept des „Terrors“, die Angst vor einem schrecklichen Ereignis, wohingegen „Horror“ das Entsetzen danach bezeichnet. Schriftsteller Stephen King, ein bekennender Liebhaber der Literatur von Shirley Jackson und der Serien-Adaption durch Regisseur Mike Flanagan, bezeichnet Terror als das spannungsgeladene Moment, bevor das tatsächliche Monster offenbart wird. Flanagan lässt seine Serie elegant, aber auch mit tiefgründigem Schrecken mit beiden Elementen, dem Terror wie dem Horror, jonglieren und setzt beides bedacht und gekonnt ein. Dabei spielen Michael Fimognaris Kamera, die Lichtgestaltung und das Schauspiel wesentliche Rollen. Und die Montage erschafft durch Zeitsprünge, Flashbacks, die Gleichzeitigkeit von Heute und Damals, von tatsächlicher Realität und (Alb-)Traum eine „unzuverlässige“ Erzählung, die es den Zuschauern nie erlaubt, sich richtig in Sicherheit zu wähnen.

Familiensaga im "Hauted House"

Als 1992 die Eltern Olivia (Carla Gugino) und Hugh Crain (Timothy Hutton) mit ihren Kindern Steven, Shirley, Theo und den Zwillingen Luke und Nell nach Hill House – ein großes, viktorianisches Anwesen – ziehen, müssen sie dort Grausames erleben: klappernde Türen, geisterhafte Erscheinungen, im Grundriss nicht eingezeichnete Räume, wackelnde Wände, ein wandelndes Zimmer, das sich hinter der mysteriösen roten Tür verbirgt... am Ende bleibt der geplagten Familie nur die Flucht aus dem Haus. Aber auch im Jahr 2018, lange nach dem Auszug aus Hill House, weichen die Geister von damals nicht von ihrer Seite.

Zahlreiche innere Brüche ziehen sich mittlerweile durch die Familie beziehungsweise den Teil, der die Ereignisse einst überlebte; wirklich glücklich scheint niemand geworden zu sein. Steven (Michiel Huisman) schreibt mittlerweile erfolgreich über die schrecklichen Erlebnisse seiner Geschwister, die dies als Ausbeutung sehen. Shirley (Elizabeth Reaser) arbeitet als Leichenbestatterin; Theo (Kate Siegel) ist Kinderpsychologin und hat übernatürliche Kräfte entwickelt, kann durch Berührung Wissen des Gegenübers erfahren. Luke (Oliver Jackson-Cohen) ist drogenabhängig, seine Zwillingsschwester Nell (Victoria Pedretti) hat die Erlebnisse nie richtig verkraftet. Alle werden im Heute zum Geisterhaus zurückgeführt. Dort müssen die Ereignisse von damals nicht nur aufgearbeitet werden, sondern sie dauern weiterhin an – das Unheimliche war immer da und scheint kein Ende zu nehmen.

„I think Shirley Jackson would approve, but who knows for sure.“

Flanagan, der mit „Ouija: Origin of Evil“ (2016) bereits das Thema des Übernatürlichen bearbeitete und mit „Das Spiel“ („Gerald‘s Game“, 2017) für Netflix schon eine Horror-Produktion nach einer Stephen King-Vorlage realisierte, hat mit „Spuk in Hill House“ nun eine absolut bemerkenswerte Horror-Serie geschaffen. Optisch und erzählerisch schaffen er und sein Team es, während der zehn Folgen der ersten Staffel Tempo, die Psychologie der Charaktere und das visuelle Balancieren auf unterschiedlichen Realitäts- und Zeitebenen stets auf einem hohen Niveau zu halten. Terror und Horror sind garantiert in dieser faszinierend schönen und gruseligen Geschichte. Wie Stephen King twitterte: „I think Shirley Jackson would approve, but who knows for sure.“

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