Der Grinch (2018)

Actionfilm | USA/China 2018 | 90 Minuten

Regie: Yarrow Cheney

Neuerliche Verfilmung von Dr. Seuss’ gleichnamigem Kinderbuchklassiker über einen hartherzigen Zyniker im grünen Fell, der das Weihnachtsfest so sehr hasst, dass er es stehlen will. Dabei hat er aber nicht mit der Güte eines selbstlosen Mädchens gerechnet. Der knallbunte, atemlos-vergnügliche Animationsfilm erzählt von der Wandlung eines verbitterten Einzelgängers zum warmherzigen Menschenfreund mit großem Aplomb, vorzüglich gestalteten Figuren und einem mächtigen Soundtrack. Großer Kitsch im positiven Sinne, der in der deutschen Synchronfassung überdies durch die überragende Stimme von Otto Waalkes punktet. - Ab 10.

Filmdaten

Originaltitel
DR. SEUSS' HOW THE GRINCH STOLE CHRISTMAS
Produktionsland
USA/China
Produktionsjahr
2018
Regie
Yarrow Cheney · Scott Mosier
Buch
Michael LeSieur · Tommy Swerdlow
Musik
Danny Elfman
Schnitt
Chris Cartagena
Länge
90 Minuten
Kinostart
29.11.2018
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 10.
Genre
Actionfilm | Familienfilm | Fantasyfilm | Märchenfilm
Diskussion

Verfilmung von Dr. Seuss’ gleichnamigem Kinderbuchklassiker über die Wandlung eines grünen Weihnachtshassers als knallbunter, atemlos-vergnüglicher Animationsfilm mit herzhaftem Kitsch und einer überragenden Synchronleistung von Otto Waalkes.

Die Werke des Kinderbuchautors Dr. Seuss besitzen in dessen US-amerikanischer Heimat schon seit Jahrzehnten eine enorme Popularität. Diesen Bekanntheitsgrad konnten sie in deutschen Kinderzimmern zwar nie ganz erreichen, doch ihre Leinwandadaptionen haben auch hierzulande ein Publikum gefunden. Besonders erwähnenswert ist Ron Howards Live-Action-Variante von „Der Grinch“ aus dem Jahre 2000, in dem ein herrlich bösartiger Jim Carrey hinter giftig-grüner Maske eine Kostprobe seiner körperlichen Schauspielkunst gibt. Jetzt hat sich der Animations-Guru Christopher Meledandri dieses etwas anderen Weihnachtsstoffs angenommen. Der Produzent, der mit seinem Animationsstudio Illumination für die drei „Ich – Einfach unverbesserlich“-Blockbuster verantwortlich zeichnete, ist ein ausgewiesener Dr.-Seuss-Spezialist, war er doch in verschiedener Funktion für „Horton hört ein Hu!“ und „Der Lorax“ verantwortlich, die beide ebenfalls aus der Feder des US-Literaten stammen.

In der aktuellen Grinch-Version lässt Meledandri das Regie-Duo Scott Mosier und Yarrow Cheney die Geschichte des Parade-Zynikers Grinch erzählen, der zurückgezogen in einer Höhle oberhalb des verschlafenen Städtchens Whoville lebt. Mit deren Bewohnern hat der grimmige Fiesling im grünen Fell nichts am Hut. Doch wenn das Fest der Liebe naht und ganz Whoville voller Fröhlichkeit und guter Laune erfüllt ist, platzt dem notorischen Weihnachtshasser jedes Mal der Kragen. Deshalb hat sich der Grinch für dieses Jahr einen besonders perfiden Plan zurechtgelegt: Er will Weihnachten stehlen. Allerdings hat der hartherzige Kerl nicht an Cindy-Lou gedacht, die zuckersüße Tochter einer alleinerziehenden Mutter.

In der Originalversion wird der Grinch von Benedict Cumberbatch gesprochen, in der deutschen Fassung ist Otto Waalkes zu hören. Der skurrile Komiker, der in den „Ice Age“-Filmen schon dem Faultier Sid seine unnachahmliche Stimme lieh, mag auf den ersten Blick nicht als naheliegendste Besetzung in den Sinn kommen, doch Otto offenbart hier großes niederträchtiges Potenzial. Fein nuanciert lässt er seinen Charakter dessen rücksichtslose Aktionen kommentieren, und auch der Wandel vom verbitterten Einzelgänger zum warmherzigen Menschenfreund wirkt glaubwürdig.

Weihnachtskitsch im besten Sinne

Auch der Rest des Pakets stimmt. Selten hat man eine Stadt kitschiger dekoriert, mit mehr Lichterketten ausgestattet und anderen weihnachtlichen Schmucksünden ausgestattet gesehen. Dazu passt die laute, pompös-dominante Filmmusik von Danny Elfman, der mit seinen Kompositionen schon die Filme von Tim Burton stets ein Stück größer gemacht hat.

Einige rasante Actionsequenzen in Schnee und Eis lassen auch in 2D erahnen, was die 3D-Variante an starken Effekten zu bieten hat. Schon zweidimensional funktionieren auch die witzigen Sidekicks, allen voran Max, das kleine getreue Hündchen vom Grinch, der ein bisschen an Idefix erinnert; wenn er den riesigen Weihnachtsschlitten alleine ziehen muss oder seine Zunge als eine Art Befeuchtungskissen fürs Zeitungsumblättern herhalten muss, hat er die Lacher auf seiner Seite. Man amüsiert sich über das tumbe Schaf, das so gerne kuschelt und sich abends im Bett des grünen Giftzwergs im wahrsten Wortsinn breitmacht. Auch die animierte Physiognomie des Grinch ist ein kleines Meisterwerk. In seinem birnenförmigen Körper, mit den dünnen Ärmchen und Beinchen sowie der Mini-Nase und den schmalen Lippen wirkt er wie ein verunglückter Nachkömmling von Lord Voldemort, allerdings weit weniger furchterregend. Und dann sind da ja noch die Originaltexte von Dr. Seuss, der über einen Erzähler die Geschichte in Reimform kommentiert.

Streiten lässt sich sicher über das sülzig-schmalzige Abschluss-Plädoyer des geläuterten Grinch, das in dem Satz an Cindy-Lous Mama gipfelt: „Die Güte ihrer Tochter hat mein Leben verändert.“ Aber ist es nicht genau das, wonach sich die Menschen voller Unruhe sehnen? Nach Liebe und Versöhnung, Frohsinn und Miteinander, nach Frieden und Herzlichkeit? Dieses Sehnen wird hier fraglos eingelöst.

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