4K UHD. | USA 2018 | 144 Minuten

Regie: James Wan

Der Sohn eines Leuchtturmwärters und der Königin von Atlantis fügt sich widerwillig seiner Bestimmung, die Welten ober- und unterhalb der Wasseroberfläche zu einen und das Erbe seiner Herkunft anzutreten. Doch in seinem rachsüchtigen Halbbruder und einem schwarzhäutigen Terroristen erwachsen ihm starke Feinde. Das visuell überwältigende, aber dramaturgisch schwache 3D-Spektakel führt einen weiteren Protagonisten des DC-Universums in die Superheldengemeinschaft ein, ohne ihm eine markante Kontur zu verleihen. Nur im tricktechnisch ausgeklügelten Finale vermag die austauschbare Action-Fantasy-Geschichte mitzureißen. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
AQUAMAN
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
James Wan
Buch
David Leslie Johnson-McGoldrick · Will Beall
Kamera
Don Burgess
Musik
Rupert Gregson-Williams
Schnitt
Kirk M. Morri
Darsteller
Jason Momoa (Arthur Curry / Aquaman) · Nicole Kidman (Königin Atlanna) · Dolph Lundgren (König Nereus) · Amber Heard (Mera) · Willem Dafoe (Nuidis Vulko)
Länge
144 Minuten
Kinostart
20.12.2018
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
4K UHD. | Abenteuer | Action | Comicverfilmung | Fantasy

Heimkino

Verleih DVD
Warner
Verleih Blu-ray
Warner
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Diskussion

Visuell überwältigendes, aber dramaturgisch schwaches 3D-Spektakel, das eine weitere Figur aus dem DC-Universum in die Superheldengemeinschaft einführt.

Es gibt immer einen, der den (Familien-)Frieden stört, der von der Macht fasziniert ist, die er (noch) nicht besitzt. Der alles tut, um andere zu korrumpieren und für seine Zwecke einzuspannen. Um endlich dorthin zu gelangen, wo er seiner Meinung nach hingehört. Ein Held braucht keine Feinde, wenn er eine Familie hat.

In „Aquaman“ beginnt alles mit einer Ausgestoßenen. Als Thomas Curry eine futuristisch gekleidete Frau am Fuße seines Leuchtturmes den Fluten entreißt, kann er nicht ahnen, dass diese Rettung das Weltgefüge über und unter Wasser verändern wird. Erst sehr viel später wird ihm dies klar. Dann hat er mit der Schönheit aus dem Meer längst eine Familie gegründet und seinen Sohn Arthur gezeugt. Die ätherische Schönheit, die sich als Atlanna, Königin von Atlantis, zu erkennen gab, wird den Halbwüchsigen und ihren Mann verlassen, um sie vor der zerstörerischen Macht von Atlantis zu schützen. Als Begleiter stellt sie Arthur wenigstens Nuidis Vulko zur Seite, jene treue Seele aus der Tiefe, der den Jugendlichen trainieren und behutsam auf das vorbereiten soll, was ihm als Erwachsenem blüht. Nämlich die Erkenntnis, dass er nicht nur über dem Meeresspiegel eine Heimat besitzt, sondern auch in der Tiefe, wo ein Königreich darauf wartet, beschützt und regiert zu werden, das aber auch Tod und Vernichtung bringen kann.

König Orm und sein Halbbruder Arthur

König Orm ist eigentlich nichts vorzuwerfen. Als Herrscher eines sagenumwobenen Reiches, als Sohn von Atlanna und als reinrassiger Vertreter des Volkes von Atlantis will er sein Volk und die Umwelt, in der er lebt, lediglich schützen. Vor allem vor den Menschen, die seine Welt verschmutzen und bedrohen. Doch dann taucht sein Halbbruder Arthur auf, der Zeit seines Lebens bei den Feinden war, und macht ihm die Krone streitig. Orm ist keineswegs reinen Herzens, sondern selbstgerecht und jähzornig, auch verschlagen und bereit, mit unfairen Mitteln seinen Status Quo zu erhalten. Er ist eher berechnend und nicht so draufgängerisch und sympathisch wie Arthur, der sich anschickt, die Welten zu vereinen. All das ließe sich vielleicht noch verschmerzen, wenn sich die draufgängerische Mera nicht entscheiden würde, ihr atlantisches Herz an Arthur zu verschenken. Eine Schmach, ein Gesichts- und Prestigeverlust, der allein schon Grund genug wäre, einen Bruderkrieg zu entfachen.

Doch die Vorsehung hat einen Ausweg parat. Nur der, der in der Lage ist, den mythischen Dreizack von Atlan zu finden und den Fängen des Leviathans Karathen zu entreißen, kann der wahre Ocean Master werden.

Originell geht anders. Aber in „Aquaman“ sind ja nicht der Sieg oder die Frau das Ziel, sondern es ist der Weg dorthin, die Abenteuer, die Arthur alias Aquaman und Mera zusammenschweißen und das Publikum in Erstaunen versetzen sollen. Es sind die Schlachten, welche die Suche begleiten, und die Orte, die dabei entdeckt werden. Die in pastellenem Pink und Blau erstrahlende Tiefsee mit ihren verborgenen Reichen, ihren Ungetümen und futuristischen Vehikeln. Und die Reise, die das Paar in die Sahara und bis zum Mittelpunkt der Erde führt. Kämpfen und Schwelgen, lauten die Maximen dieses Superhelden-Filmes um einen Heroen, der es in der Popkultur immer schwer hatte.

Ein Muskel bepackter, schwer tätowierter Surfer-Dude

Wie soll man schon reüssieren, wenn Superhelden unter Wasser schon in Kindercartoons wie „SpongeBob Schwammkopf“ als Meerjungfraumann und Blaubarschbube verunglimpft oder in „The Big Bang Theory“ unter den Nerds als das letzte aller „Justice League“-Kostüme für Comic Cons und Silvesterpartys erachtet werden? Immerhin hilft es, den Part mit dem 1,90 Meter großen Hünen Jason Momoa aus Hawaii zu besetzen, der zwar mit der blonden „Sigurd“-Optik aus den DC-Comics der 1940er-Jahre nicht sonderlich viel gemein hat, aber wenigstens als muskelbepackter und echt tätowierter Surfer-Dude einen prächtigen Zeitgeist-Superhelden abgibt. Fehlt nur noch die wendige und in engste Catsuits passende Amber Heard an seiner Seite.

Dass Optik mehr als die Hälfte des Erfolgs ist, weiß auch Regisseur James Wan, der seine dürftige Handlung im 3D-Format genüsslich in tief gestaffelten Actionpanoramen ausbreitet. Der versierte Horrorfilmregisseur besitzt jedoch kein Gespür für Romantik; wenn er Aquaman und Mera auf Sizilien im Blumenmeer versinken lässt, wendet man sich beschämt ab. Doch insbesondere in den dunklen Momenten zum Finale hin gewinnt das überlange Spektakel an Stimmung. Die Sequenz mit den grausigen Trenchs oder dem Leviathan werden den Film für einen der Effekte-„Oscars“ mit ins Spiel bringen.

Zum Glück gibt es ja Fortsetzungen

Nachdem dann alle Schlachten geschlagen und ein paar anklagende Worte zur Verschmutzung der Meere platziert sind, könnte das Leben endlich unbeschwert weitergehen. Nicht so im Superhelden-Genre. Dafür wurde ein erbärmlich schlechter Subplot um den schwarzhäutigen Erdling David Kane ersonnen, der Aquaman töten will, weil der seinen Vater auf dem Gewissen hat. Dieser nennt sich dann sinnigerweise Black Manta und spielt im denkbar dämlichsten Outfit den dramaturgischen Fremdkörper. Zum Glück gibt es ja noch die ein oder andere Fortsetzung, um dieser Figur mehr Kontur zu verleihen.

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